Spielfeld vorm Berghain

So soll Tennis weniger elitär werden

Der White Club will Tennis wieder populärer machen. Ohne Klubhaus und Mitgliedsbeiträge, aber mit spektakulären Ideen – auch in Berlin.

Foto: ben konte

Berlin.  Was kann schon falsch daran sein, in Basketballshorts und einem bunten T-Shirt auf dem Tennisplatz ein paar Bälle zu schlagen? Eigentlich nichts, findet Christoph Hanke. In seinem ehemaligen Tennisklub in München wurde er so allerdings auffällig: „Bitte ziehen Sie sich beim nächsten Mal etwas Passenderes an“, lautete die Anweisung.

Weiß hätte er tragen sollen, um sich im Klub angemessen zu präsentieren. Hanke ärgert diese Beschränkung. Der 37-Jährige wurde mehrmals Münchner Meister im Einzel und spielte hochklassig bei verschiedenen Vereinen. Hanke liebt seinen Sport. Was er nicht mag, ist das Image des Spießersports, das sich über die Jahre im Tennis aufgebaut hat.

„Tennis ist in vielen Köpfen entweder komplett vorbei oder elitär und versnobt“, sagt Hanke. Aufnahmegebühren, hohe Mitgliedsbeiträge und ein irgendwie geschlossen wirkender elitärer Kreis – das schreckt viele ab, es mit dem eigentlich sehr attraktiven Sport zu versuchen.

Mitgliederzahl steigt von 50 auf 600

Seit Jahren sind die Mitgliedszahlen im Deutschen Tennis Bund (DTB) rückläufig. Waren es 1994 in den Hoch-Zeiten durch Boris Becker und Steffi Graf noch 2,3 Millionen Mitglieder, so hat der DTB 2015 nur noch 1,4 Millionen gezählt. Gleiches gilt für die Vereinsentwicklung, die Tennisplätze in Deutschland und, was besonders schmerzt: vor allem für die Anzahl jugendlicher Mitglieder.

Hanke will diesem Negativtrend etwas entgegensetzen. Er will Tennis ohne Klubhaus, ohne Mitgliedsbeitrag und ohne Firlefanz. Er will, dass in bunter Kleidung auf der Straße gespielt wird, „Urban Tennis“ nennt er das. „Basketball hat Streetball, Fußball hat Streetsoccer, Volleyball hat Beachvolleyball, nur dem Tennis fehlte die moderne Komponente“, sagt er.

Aus diesem Grund hat er vor einem Jahr mit seinem Kumpel Peter Wehnert (47), ebenfalls passionierter Tennisspieler, den White Club gegründet. Angefangen hat alles auf der Theresienwiese in München, wo alljährlich das Oktoberfest stattfindet. Im Mai ist die Fläche leer, der ideale Platz für ein Tennismatch, befanden Hanke und Wehner. Mit dieser Meinung standen sie nicht allein. Von anfangs 50 Interessierten hat sich der White Club auf über 600 Mitglieder ausgeweitet.

Tennis auch in 3.000 Metern Höhe

Wie bei einem Fight Club handelt es sich um einen Klub ohne Zulassungsbeschränkungen. Auf der Internetseite www.whiteclub-tennis.com kann sich jeder einloggen, sich selbst eine Spielstärke zwischen eins und sieben zuweisen und durch Eingabe der Postleitzahl nach Mitgliedern in der Nähe suchen, um sich zum Zocken zu verabreden.

Auch ein richtiger Ligabetrieb wird angeboten. Die Teilnehmer können sich aussuchen, wann und wo sie gegen Kontrahenten ähnlicher Stärke in der Stadt spielen und melden die Ergebnisse dann.

Dass für so ein Spiel nicht viel mehr nötig ist als ein mobiles Netz und Klebeband, zeigen Hanke und Wehner immer wieder mit ihren spektakulären Aktionen. Mal trifft sich der White Club in knapp 3.000 Höhenmetern auf der Zugspitze, mal im Münchner Olympiastadion oder auf einer Brücke über der Isar.

„Wenn die Leute nicht mehr auf den Tennisplatz kommen, muss der Tennisplatz zu den Leuten kommen“, argumentiert Wehner. Am Freitag schlägt der White Club erstmalig in Berlin auf. Von 20 bis 22 Uhr wird bei Flutlicht auf der Anlage des SV Berliner Brauereien e.V. in der Hohenschönhauser Str. 76 gespielt.

Wer dabei sein möchte, kann sich dafür unter info@whiteclub-tennis.com anmelden. „Wir haben vier Plätze reserviert, jeder vom Anfänger bis zum Profi ist herzlich willkommen zum gemeinsamen Tennisspielen“, sagt Hanke.

Ein Match dauert 60 Minuten und kann auch mal 4:2 enden

Aus dem Hobby ist inzwischen fast ein Vollzeitjob geworden für die beiden Initiatoren. Den Sportlern gefällt das Ungezwungene an dem Projekt: Regeln gibt es bei den Matches kaum. Einen Punkt bekommt der, der den Ball so ins gegnerische Feld spielt, dass der andere ihn nicht bekommt. Ein White Club Match dauert 60 Minuten. Zehn Minuten einspielen, 50 Minuten zocken, so kann ein Spiel auch mal 10:7 enden oder eben auch nur 4:2.

Beim Feldaufbau mangelt es nicht an kreativen Einfällen: Mal stellen die Spieler Fahrräder in die Mitte, mobile Netze gibt es im Internet aber auch schon für unter 100 Euro. Natürlich können sich die Spieler auch auf einem normalen Tennisplatz verabreden sowie am Freitag zum freien Spielen in Berlin. „Uns geht es mit unseren Aktionen einfach darum zu zeigen, dass zu einem Tennisspiel nicht viel mehr gehört als ein paar Linien“, sagt Hanke – und vor allem keine weiße Uniform.