Fußball-EM

1:0 - Gomez schießt Deutschland ins Achtelfinale

Zahlreiche Chancen, aber nur ein Tor. Dank Mario Gomez wird Deutschland Gruppensieger. Die Weltmeister zaubern wieder.

Mario Gomez feiert das 1:0 gegen Nordirland

Mario Gomez feiert das 1:0 gegen Nordirland

Foto: Clive Mason / Getty Images

Das erste Duell des Tages hatte Fußball-Deutschland lange vor dem Anpfiff im Pariser Prinzenpark verloren. Nordirlands Anhänger hatten die Stadt der Liebe den Tag über in die Stadt der lautstarken Fangesänge verwandelt. „Will Grigg’s on fire“, „The Field of Athenry“ und „Everywhere we go, we’re the Ulster boys making all the noise“ waren die lautstarken Klassiker, die zur Freude aller auch am Abend im ausverkauften Stadion von Paris Saint Germain zum Besten gegeben wurden.

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Die deutliche Niederlage im europäischen Gesangswettbewerb dürfte Deutschlands Bundestrainer Joachim Löw allerdings gut verkraftet haben. Denn das sportliche Duell des Abends, und das war dem bekennenden Freund von Countrymusik und Helene Fischer deutlich wichtiger, konnten er und sein Team dank eines Treffers von Mario Gomez mit 1:0 für sich entscheiden.

Der Weltmeister zieht damit als Gruppensieger vor Polen (1:0 gegen die Ukraine) ins Achtelfinale ein und trifft am Sonntag (18 Uhr) in Lille mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auf die Slowakei, den Dritten der Gruppe B. Auch Albanien ist als Dritter der Gruppe A noch ein möglicher Achtelfinal-Gegner.

Bundestrainer Löw ist mit dem Ergebnis nicht zufrieden

Im Prinzenpark zeigte sich vor allem die Entscheidung von Deutschlands Chefdirigenten, erstmals Mario Gomez und Joshua Kimmich von Anfang in sein Orchester zu berufen, als goldrichtig. Besonders Löws Chorknabe Kimmich (21) sorgte von Anfang an für zuletzt vermisste Fortune über die rechte Seite.

So dauerte es gerade mal sieben Minuten, ehe der Münchner Youngster im Zusammenspiel mit Mesut Özil, der zum Mann des Spiels gekürt wurde, den ersten Paukenschlag des Abends einleitete. Doch der zuletzt glücklose Thomas Müller scheiterte freistehend vor dem Tor an Nordirlands Torhüter Michael McGovern. Müller gegen McGovern – es sollte das mit Abstand unterhaltsamste Dauerduell des Abends werden.

Und während die Anhänger der „green and white army“ trotz der wahrscheinlich einseitigsten Partie des Turniers weiterhin fröhlich vor sich hinsangen, durften sich Deutschlands Fans zunächst über ein Chancenfeuerwerk im Dreivierteltakt freuen. Özil (11.), Mario Götze (12.), erneut Özil (19.), Müller (23) und noch mal Müller (27.) hätten längst für das erlösende Führungstor sorgen müssen, das nach einer halben Stunde aber mit Mario Gomez dem Rückkehrer der DFB-Boyband vorbehalten war.

Ausgerechnet Gomez, muss es an dieser Stelle wohl heißen. Der 30 Jahre alte Torjäger war beim WM-Casting vor zwei Jahren relativ überraschend aussortiert worden, konnte sich mit einer herausragenden Saison bei Besiktas Istanbul (türkischer Meister und Torschützenkönig mit 26 Treffern) aber wieder zurück in das Konzert der Großen spielen. Im ersten Spiel gegen die Ukraine musste Gomez noch zuschauen, im zweiten Spiel gegen Polen wurde er immerhin eingewechselt. Am Vorabend der Partie in Paris entschied Löw, es mit Gomez von Anfang an zu probieren – und hatte dabei Glück.

„Wichtig ist, dass wir uns zahlreiche hundertprozentige Chancen herausgearbeitet haben. Sicher muss die Chancenauswertung besser werden. Ich hatte gehofft, dass wir höher gewinnen, aber es reichte dann immerhin zum ersten Platz“, sagte der Torschütze. Bundestrainer Löw sah es ähnlich: „Ich bin mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Zur Halbzeit hätten wir 4:0 führen müssen. Es ist erfreulich, dass wir wieder zu Null gespielt haben, aber der Gegner hat uns auch nicht entscheidend gefordert. Es war spielerisch gut, aber es hätte souveräner sein müssen.“

Dass Black-Music-Anhänger Gomez noch vor der Pause einen zweiten Treffer nachlegen hätte können (oder müssen), sollte keine Auswirkungen haben. Denn auch im zweiten Durchgang ließ die deutsche Mannschaft nur Nordirlands herausragenden Solisten McGovern mitspielen.

Schweinsteiger ist nun der deutsche EM-Rekordspieler

Der vereitelte auch direkt nach dem Wiederanpfiff eine Großchance Götzes (52.), woraufhin dieser kurz darauf gegen Löws Lieblingsjoker André Schürrle ausgewechselt wurde. Nach 69 Minuten brachte Löw zudem Bastian Schweinsteiger für Sami Khedira. Der DFB-Kapitän ist mit nun 15 Einsätzen deutscher Rekordspieler bei Europameisterschaften. Eine Viertelstunde vor Schluss musste auch Jerome Boateng vom Feld. „Die Wade hat zugemacht, ich wollte kein Risiko eingehen. Ich gehe davon aus, dass er im Achtelfinale spielen kann“, sagte der Bundestrainer. Benedikt Höwedes ersetzte den Abwehrchef.

Auf den Rängen blieb es laut, auf dem Platz wurde es immer leiser. So musste Bundestrainer Löw, als „Man in black“ ganz in schwarz, mitansehen, wie seine Mannschaft das Spiel zwar weiterhin dominierte, sich im Gegensatz zur ersten Halbzeit allerdings nicht mehr die Vielzahl an Chancen herausspielen konnte. Nach 90 insgesamt einseitigen, im zweiten Durchgang aber nicht mehr wirklich unterhaltsamen Minuten war das zuvor ausgegebene Minimalziel Gruppensieg dennoch geschafft. „Wir haben die Laufwege gefunden, alles hat gegriffen. Aber ich allein hätte in der Torjägerliste mit Gareth Bale gleichziehen können“, sagte Müller.

Schon vor der Partie gegen Nordirland hatte Löw ungewohnt offensiv den Takt vorgegeben: „Wir wollen gewinnen. Wir werden gewinnen. Ich kenne nur den Weg nach Lille“, hatte der Bundestrainer gesagt – und Recht behalten. Am Wochenende muss der Weltmeister nun also erneut in das hübsche Hauptstädtchen der Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie reisen.