Euro2016

So gelangten die Bilder von Löws Fehlgriff in die Welt

Joachim Löw greift sich in den Schritt – und die Welt schaut zu. Der DFB ist wenig erfreut über die Bilder, nur Podolski ist locker.

Foto: Screenshot/Twitter

Évian-les-Bains.  Da gewinnt die deutsche Nationalmannschaft zum EM-Auftakt 2:0 gegen die Ukraine – und das Netz redet nur über die Hand von Joachim Löw.

Allerdings nicht über das glückliche Händchen, das er bei der Einwechslung des späten Torschützen Bastian Schweinsteiger hatte, sondern über Löws rechte Hand, die – in genau dieser Reihenfolge – erst im Schritt und dann an der Nase und anschließend im hinteren Teil der Hose und wieder an der Nase landete. Alles detailgetreu dokumentiert von einer eigenen Trainer-Cam, die 90 Minuten ausschließlich auf die Trainerbank gerichtet war.

Podolski zu Löw-Video: '80 Prozent kraulen sich die Eier'

Die Reaktionen auf dieses allzu menschliche Verhalten des Weltmeister-Trainers waren entsprechend: „Eine Hand am Pokal“ kommentierte zum Beispiel der „Reviersport“. Weniger erbaut war man naturgemäß beim Deutschen Fußball-Bund. Der DFB hat zwar auf eine offizielle Beschwerde bei der Uefa verzichtet. Doch wollte man schon wissen, wie diese Bilder zustande und dann in die Öffentlichkeit gekommen seien.

Exklusivrechte an der Trainer-Cam hat Rai 4

Und das geht dann so: Nationale Sender können zum zentralen TV-Signal der EM-Spiele auch Bilder von dieser speziellen Trainer-Kamera dazu buchen. Die jeweiligen nationalen Regisseure entscheiden über die Ausstrahlung. Die ARD hatte auf die Löw-Sequenz verzichtet. Verbreitet wurdet sie aber vom italienischen Sender Rai4, der auch die Rechte an der Trainer-Cam erworben hat.

Bevor diese Bilder aber an die Weltöffentlichkeit gelangen, kontrolliert die Produktionsfirma HBS im Namen der Uefa sämtliche Kameraaufnahmen eines EM-Spiels. „Ein Regisseur wacht über 30 Monitore. Er entscheidet per Knopfdruck, welche Bilder in die Welt gesendet werden. Und welche nicht“, schrieb der „Express“. Löws Griff in den Schritt wurde offenbar als unbedenklich eingestuft, also sendete man ihn in alle Welt – mit den bekannten Folgen.

Allerdings nicht für das DFB-Team. Für die Mannschaft sei das „kein Thema“, bemerkte Nationalspieler Lukas Podolski. „80 Prozent von euch und ich kraulen sich auch mal an den Eiern. Von daher ist alles gut“, sagte Podolski – und bekam dafür Beifall.

Dessen Kumpel und Torschützen Bastian Schweinsteiger würdigte die „Sun“ allerdings anders: „Er hatte auch noch das Pech, Löws Hände zu berühren, als er Deutschlands zweites Tor mit dem Boss feiern wollte“, ätzte das englische Boulevardblatt.