EM 2016

Was für ein Pech: Immer wieder Reus

Der Pechvogel aus Dortmund fällt erneut im letzten Moment aus Löws Turnierkader - wegen einer Leistenverletzung.

Deutschlands Marco Reus

Deutschlands Marco Reus

Foto: Jan Woitas / dpa

Erst am Freitag endet das Trainingslager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Ascona/Schweiz, wo sich die Fußballer auf die EM in Frankreich vorbereiten. Doch Marco Reus musste am Dienstag abreisen. Frühzeitig. Verletzt. Erneut vor einem großen Turnier.

„Menschlich gesehen tun mir diese Entscheidungen weh“, sagte Bundestrainer Joachim Löw, als er am Mittag verkündete, welche Spieler er nicht fristgerecht für den 23 Mann starken EM-Kader meldet. Es klang wie eine höfliche Floskel. Dann nannte er die Namen: Julian Brandt – erwartbar. Karim Bellarabi – nicht ungewöhnlich. Sebastian Rudy – für möglich gehalten. Aber Marco Reus – das ist ein Drama des Sports.

Dritte Absage eines Großturniers

Der Traum des Dortmunders von der großen Bühne, vom Titel gar – er ist geplatzt. Mal wieder. Unmittelbar vor der WM 2010 wurde Reus erstmals in die Nationalelf berufen, wegen immer neuer Verletzungen verzögerte sich sein Debüt um 17 Monate.

Bei der EM 2012 kam er nur 125 Minuten lang zum Einsatz, die WM 2014 musste er absagen, weil er sich im letzten Testspiel nur Stunden vor dem Abflug nach Brasilien bei einem gegnerischen Tritt am Sprunggelenk verletzte. Sekunden nach dem deutschen Triumph im Finale schaltete er damals den Fernseher ab, er konnte es nicht ertragen, nicht dabei zu sein. Nicht aus Missgunst, sondern aus Enttäuschung.

Nun stoppen ihn die Schmerzen in der Leiste. Schmerzen, die vor fünf Jahren erstmals auftraten, als sie vom Schambein ausgingen. Schmerzen, die er nie mehr dauerhaft losgeworden ist. Mit höchster Vorsicht dosierte BVB-Trainer Thomas Tuchel deshalb in der abgelaufenen Saison die Belastung für seinen Hoffnungsträger, um diesen beschwerdefrei ins Saisonfinale zu tragen.

Reus sollte sportlich endlich „das Monster sein, das er sein kann“ (Tuchel) und sich mit Toren die Sehnsucht nach großen Titeln erfüllen. Die fehlen ihm in seiner Vita bislang. Deshalb ging er im DFB-Pokal-Finale gegen Bayern München an die Grenze – und darüber hinaus. Die 120 Minuten von Berlin samt verlorenem Elfmeterschießen kosten ihn nun die EM.

"Massive gesundheitliche Probleme"

Reus erhielt Spritzen, stundenlange Behandlungen, machte leichte Übungen. Doch die Schmerzen wurden in der Schweiz nicht besser. Der Bundestrainer berichtete „von massiven gesundheitlichen Problemen. Er kann derzeit nur geradeaus laufen, ist kaum belastbar. Das ist für ihn eine bittere Entscheidung und für uns alle eine Enttäuschung, denn in guter Form und fit wäre er für uns eine Bereicherung.“

Doch fit ist er nicht, bei weitem nicht. Selbst ein Einsatz im späteren Turnierverlauf - wie bei Löws weiteren Krankenfällen Bastian Schweinsteiger und Mats Hummels – schien nicht wahrscheinlich. Für Löw bedeutete dies eine neue sportliche Fragestellung: Wer sorgt bei der EM auf der linken Seite für Torgefahr? Verbliebene Kandidaten sind Julian Draxler, André Schürrle, Leroy Sané und Lukas Podolski.

Marco Reus wird all das gerade nicht sehr interessieren. Er trat am Nachmittag die Reise nach Deutschland an. Wenn seine Kollegen den Titel holen, wird er wieder nur zuschauen müssen. Eine Zumutung für einen der Besten im Land. Als „sehr, sehr gefasst“ schilderte Mannschaftskollege Sami Khedira den Gemütszustand des Dortmunders. Andere Menschen, die Kontakt zu Reus hatten, berichten, dass er in den Stunden bis zu seiner Abreise kaum ein Wort hervorbrachte, dass ihn selbst Glückwünsche nicht sehr aufheiterten. Glückwünsche zu seinem 27. Geburtstag. Nach Feiern war ihm ganz bestimmt nicht zumute.

Marco Reus darf nicht mit zur EM
Marco Reus darf nicht mit zur EM

Marco Reus wird all das gerade nicht sehr interessieren. Er trat am Nachmittag die Reise nach Deutschland an. Wenn seine Kollegen den Titel holen, wird er wieder nur zuschauen müssen. Eine Zumutung für einen der Besten im Land. Als „sehr, sehr gefasst“ schilderte Mannschaftskollege Sami Khedira den Gemütszustand des Dortmunders.

Andere Menschen, die Kontakt zu Reus hatten, berichten, dass er in den Stunden bis zu seiner Abreise kaum ein Wort hervorbrachte, dass ihn selbst Glückwünsche nicht sehr aufheiterten. Glückwünsche zu seinem 27. Geburtstag. Nach Feiern war ihm ganz bestimmt nicht zumute.

Auf die anderen Profis wartet ein straffes Programm: Nach Ende des Trainingslagers ist am Sonnabend in Gelsenkirchen EM-Generalprobe gegen Ungarn (18 Uhr/ZDF). Nach zwei freien Tagen wird der Weltmeister am 7. Juni sein EM-Stammquartier in Évian-les-Bains beziehen.

Am 12. Juni in Lille ist Deutschlands EM-Start gegen die Ukraine (21 Uhr/ARD). Weiter geht es am 16. Juni in St. Denis gegen Polen (21 Uhr/ZDF) und am 21. Juni im Prinzenpark gegen Nordirland (18 Uhr/ARD).