Nicolej Krickau blickt starr auf das Spielgeschehen. Die Arme hat der Trainer der Füchse Berlin hinter seinem Rücken verschränkt. Die Konzentration ist dem Dänen wie ins Gesicht geschrieben. Am Sonnabend geht es um viel: Am zwölften Spieltag der Handball-Bundesliga trifft sein Team im Topspiel auf den THW Kiel. Verlieren die Berliner, sind wohl alle Titelchancen dahin.
Doch Berlin gewinnt. Vor 9000 Zuschauern in der ausverkauften Max-Schmeling-Halle feiern die Füchse einen 32:29 (16:14)-Erfolg nach einer kompakten Vorstellung gegen den Rekordmeister aus Schleswig-Holstein. „Ich bin unglaublich stolz auf unsere robuste und mentale Leistung“, sagte Krickau nach Spielschluss. Erst in der Schlussphase des Aufeinandertreffens brachte Kiel die Füchse an den Rand einer Niederlage.
Füchse Berlin: Publikum mit Pfeifkonzert für Elias Ellefsen a Skipagötu
Während Dejan Milosavljev im Tor der Hauptstädter mit 18 Paraden überragte, hatten Füchse-Kapitän Max Darj und Nebenmann Mijajlo Marsenic THW-Spielmacher Elias Ellefsen a Skipagötu weitgehend unter Kontrolle. Der färingische Ausnahmespieler konnte der Partie seinen Stempel nicht aufdrücken – zumindest spielerisch. Die hektischen letzten Minuten der ersten Hälfte endeten in einem Pfeifkonzert der Zuschauer auf den Tribünen, jedes Mal wenn Skipagötu den Ball übernahm.
Nach einer Gelben Karte wegen Meckerns in der 25. Minute war der 23-jährige Nationalspieler der Färöer weiter in sämtliche Nickligkeiten auf dem Feld eingebunden – und zog so den Frust des Berliner Publikums auf sich, das seinen Ärger lautstark zum Ausdruck brachte. Einer, dem dieses Mitgehen des Publikums offenbar gefiel, war Marsenic. Der Abwehrspieler ruderte in Richtung der Tribünen wie ein Animateur mit den Armen, als er in der Halbzeitpause auf dem Weg in den Spielertunnel war.
Kiel-Trainer Filip Jicha: „Unglaublich intensives, brutales Bundesliga-Spiel“
Immer wieder war es Milosavljev im Tor der Berliner, der sämtliche Abschlüsse der Norddeutschen abwehrte und Kiel rund um Skipagötu weiter in die Ernüchterung trieb. Vorne stach zudem Lukas Laube in den Reihen der Gäste negativ heraus. Der Schweizer musste in der 38. Minute bereits seine zweite Zeitstrafe von zwei Minuten hinnehmen, nachdem er – wie schon in der ersten Hälfte (26.) – zu stark gegen die Hausherren vorgegangen war.
Das Spiel blieb hektisch. Aufseiten der Berliner bekamen sowohl Darj (46.) als auch Torhüter Milosavljev (47.) wegen Meckerns eine Zwei-Minuten-Zeitstrafe. Die Folge war eine umkämpfte Crunchtime in der Endphase des Spiels – mit dem glücklichen Ausgang für die Gastgeber. Die Füchse hielten dem Erfolgsdruck stand. Kiels Trainer Filip Jicha sprach im Nachgang von einem „unglaublich intensiven, brutalen Bundesliga-Spiel“. Auch nach über viereinhalb Jahren konnte der THW in der Hauptstadt keinen Auswärtssieg feiern.
Verstärkung im Anflug? Bob Hanning lässt aufhorchen
„Das ist eine große Energieleistung gewesen, und in den letzten zehn Minuten haben wir uns fast um den Lohn der Arbeit gebracht“, sagte Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse.
„Wir müssen uns jetzt nach Verstärkung umsehen“, fuhr Hanning fort. Die verletzungsbedingten Ausfälle von Fabian Wiede (Kreuzbandriss) und Nils Lichtlein (Muskelverletzung) wiegen schwer, was auch das Duell mit den Kielern deutlich gezeigt hat. Deshalb habe man zuletzt „zwei, drei gute Gespräche“ geführt und werde wohl spätestens in der kommenden Woche einen Zugang vermelden können.



