Mathias Gidsel befand sich in unnatürlicher Umgebung. Als sich die Partie der Füchse Berlin gegen den VfL Potsdam am Sonntag dem Ende neigte, saß der Leistungsträger des Handball-Bundesligisten auf der Bank. Da, wo sich der 26-Jährige eigentlich nicht so wohlfühlt.

Nach einer kräftezehrenden Weltmeisterschaft, die am vergangenen Sonntag in Oslo mit dem WM-Triumph endete, gönnte Trainer Jaron Siewert seinem nimmermüden Weltmeister dann aber doch eine kleine Pause. Der 36:19 (20:10)-Sieg zum Auftakt in die zweite Saisonhälfte war besiegelt. Und im Mittelpunkt hatte Gidsel sowieso gestanden – auch ohne weitere Einsatzminuten in der Schlussphase.

Mit den Füchsen Berlin freuen sich 8219 Zuschauer in der Schmeling-Halle

Vor der Partie hatten die Füchse bekannt gegeben, dass der Welthandballer seinen Vertrag vorzeitig bis 2029 verlängert hat. Eine Nachricht, die die 8219 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle nur noch lauter jubeln ließ. Und wie sollte es anders sein: Gidsel ließ es sich an diesem Tag nicht nehmen, auch noch die meisten Tore der Partie zu werfen (sieben, zusammen mit Lasse Andersson).

Ein rundum gelungener Tag, der sich nahtlos in die Festwochen des Rückraumspielers einreiht. Handball-Weltmeister, Torschützenkönig und wertvollster Spieler des Turniers. Und nun auch noch die Vertragsverlängerung.

„Mathias Gidsel hat eine immense Bedeutung für den Verein und die Entwicklung der Mannschaft“, erklärte Sportvorstand Stefan Kretzschmar. „Ich freue mich, den Spieler, aber auch den Menschen Mathias Gidsel bei uns zu wissen.“

Füchse Berlin: Mathias Gidsel fühlt sich in Berlin heimisch

Es ist nur ein weiteres Jahr im Vergleich zum bislang gültigen Kontrakt bis 2028. Aber es ist ein Signal. An die Konkurrenz, an die Vereine, die mit dem 26-Jährigen flirteten. Die SG Flensburg-Handewitt soll ganz vorn mit dabei gewesen sein, der Klub von Gidsel Freund Simon Pytlick.

Auch interessant

„Wir freuen uns sehr, dass der beste Handballer der Welt nun von sich aus alle Spekulationen beendet hat“, sagte Geschäftsführer Bob Hanning. „Im handballerischen Bereich steht keiner so sehr für Erfolg und Entwicklung des Klubs wie Mathias Gidsel.“

Der dänische Überflieger, der 2022 aus der Heimat in die deutsche Hauptstadt wechselte, mag Berlin. Der Rückraumspieler fühlt sich mit Freundin Katrine und Hund Hermann in Prenzlauer Berg heimisch, mag Currywurst mittlerweile lieber als dänische Hotdogs, fährt überall mit der Straßenbahn hin und hat eine Wohnung gekauft, die er dann auch noch eigenhändig renoviert hat.

Gidsel sieht die Füchse auf dem Weg zur deutschen Meisterschaft

Gidsel wollte also unbedingt in Berlin bleiben. Aber bei einem Spieler mit einer solchen Veranlagung ist das auch immer eine Frage des Geldes. Wirtschaftlich können die Füchse mit Klubs wie Flensburg oder Kiel nicht mithalten. Zu sehr hat die Corona-Pandemie am Verein gezehrt, dann sind auch noch mehrere Sponsoren abgesprungen. Doch für den Welthandballer fand man eine Lösung, über die Stillschweigen vereinbart wurde.

Am vergangenen Montag wurden Mathias Gidsel und die dänischen Handball-Weltmeister von tausenden Fans in Kopenhagen empfangen.
Am vergangenen Montag wurden Mathias Gidsel und die dänischen Handball-Weltmeister von tausenden Fans in Kopenhagen empfangen. © AFP | Mads Claus Rasmussen

Der weltmeisterliche Coup, den die Füchse um Sportvorstand Kretzschmar und Geschäftsführer Hanning mit der Vertragsverlängerung gelandet haben, bringt aber auch Ansprüche mit sich. Gidsel will Titel gewinnen. Daraus hat der Toptorschütze der Bundesliga noch nie ein Geheimnis gemacht.

„Ich habe das Gefühl, die Füchse können sich als Verein weiterentwickeln, aber auch ich als Spieler“, sagte Gidsel zu seiner Zukunftsentscheidung. „Deswegen habe ich den Vertrag verlängert. In den letzten Jahren haben wir ein gutes Niveau gezeigt, und sind auf einem guten Weg, die erste deutsche Meisterschaft zu gewinnen.“

Die Füchse Berlin mit Kampfansage an die Bundesliga

Dass es in der vergangenen Saison trotz exzellenter Ausgangsposition zu keinem Titel gereicht hat, wurmte vor allem den dänischen Leistungsträger. Die Goldmedaille, die er mit seiner Landesauswahl bei den Olympischen Spielen in Paris gewann, entschädigte für die Enttäuschung auf Klubebene. Dann folgte vor einer Woche auch noch der vierte WM-Titel in Folge für Dänemark.

In Zukunft will sich Gidsel aber nicht mehr mit den Nationalmannschaftstriumphen abfinden. „Das ist nicht nur ein Versprechen von Mathias, sondern auch eines von uns, den Verein weiterentwickeln zu wollen“, sagte Handball-Legende Kretzschmar. Der Sportvorstand muss nun ein Umfeld schaffen, mit dem die Füchse nicht nur zu den Topklubs der Liga gehören. Sie wollen an die Spitze.

Mit Gidsel haben die Berliner dafür ideale Voraussetzungen geschaffen. Doch diese Kampfansage kommt auch mit einer Menge Erwartungsdruck daher.

Mehr über die Füchse Berlin lesen Sie hier.