Mijajlo Marsenic packte sich Jerry Tollbring am Trikot und schrie ihn an, dann stürmten schon alle anderen Teamkollegen auf den kleinen Schweden zu. Der Linksaußen der Füchse Berlin hatte fünf Sekunden vor Schluss im dramatischen Spiel gegen Wisla Plock den Siegtreffer zum 25:24 (12:12) erzielt, nun versank er in einer riesigen Jubeltraube aus seinen Mitspielern. „Dieses Gefühl war perfekt. So ist man noch ein bisschen mehr glücklich als sonst“, sagte Tollbring mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
Der Reiz der Champions League zeigte sich an diesem Abend nicht nur in der Max-Schmeling-Halle, sondern auch drumherum. Schon anderthalb Stunden vor Anpfiff zog eine Handvoll blau gekleideter Gästefans grölend die Bernauer Straße entlang und stimmte Wechselgesänge mit einer anderen polnischen Fangruppe an, die ihre Schals aus dem obersten Fenster eines Hotels direkt an der Straße wedelten.
Füchse Berlin: Rückraum kommt gegen Plock zunächst nicht zur Entfaltung
Wisla Plock, amtierender polnischer Meister und Pokalsieger, wurde von rund 250 stolzen Gästefans begleitet, die ihre Mannschaft dann auch in der Halle im Stile von Fußballfans mit Dauergesängen anfeuerten. Die Berliner Fans unter den 5696 Zuschauern hatten ihre Mühe, beim Lautstärkepegel Schritt zu halten.
Auf dem Platz begegneten sich beide Mannschaften aber auf Augenhöhe. Die Gäste machten den Füchsen dann vor allem durch eine kompakte, aggressive Deckung zu schaffen. „Wir wussten, dass es ein sehr hartes Spiel wird“, sagte Trainer Jaron Siewert. „Vielleicht hatten wir ein bisschen Angst vor diesem harten Spiel, wir hatten nicht denselben Rhythmus im Angriff wie in den Spielen zuvor.“ So entwickelte sich für die Berliner ein untypisches Spiel. Normalerweise ist der Rückraum mit Mathias Gidsel und Lasse Andersson Herzstück der Mannschaft, Plock präsentierte sich jedoch bestens darauf vorbereitet und ließ die beiden Dänen kaum zur Entfaltung kommen.
Torwart Milosavljev überzeugt
Die Füchse waren aber durchaus in der Lage, darauf zu reagieren und kamen über den Kreis mit Mijajlo Marsenic oder über die Flügelzange mit Tollbring und Tobias Reichmann zum Erfolg. In der eigenen Abwehr offenbarten sich währenddessen immer wieder Lücken im Mittelblock, die auch schon in den vergangenen Wochen mehrfach aufgetreten waren. Dank eines starken Dejan Milosavljev (acht Paraden in der ersten Hälfte) ging es jedoch mit einem 12:12-Remis in die Pause.
Auch im zweiten Durchgang hatte Berlins Neu-Kapitän Max Darj alle Hände voll zu tun, um die Deckung zusammenzuhalten. Sein Vorgänger Paul Drux konnte nach seinem verletzungsbedingten Karriereende in der Vorwoche inzwischen wieder lächeln, schließlich war er in dieser Woche zum zweiten Mal Vater geworden. Das Spiel seiner ehemaligen Kameraden verfolgte er dennoch im feinen Zwirn von der Tribüne – und sah eine dramatische Schlussphase.
Rund um eine rote Karte gegen Plocks Dawid Dawydzik (48.) konnten sich die Füchse zunächst etwas absetzen (23:20, 50.). Die Polen kamen aber nochmal heran und konnten in der letzten Minute zum 24:24 ausgleichen, ehe Tollbring mit seinem „Golden Goal“ (O-Ton Reichmann) den umjubelten Schlusspunkt setzte. „Wir sind sehr glücklich, dass wir die nächsten zwei Punkte in der Champions League haben“, bilanzierte Siewert.



