Fabian Wiede verzog das Gesicht. Vor Schmerz, weil der Spielmacher der Füchse Berlin mit angeknackster Hüfte gespielt hatte. Vor allem aber vor Frust, weil die Saison im DHB-Pokal für den Handball-Bundesligisten aus der Hauptstadt schon wieder früh beendet ist. In der zweiten Runde war am Mittwochabend Schluss, 32:34 (14:16) hieß es am Ende gegen die SG Flensburg-Handewitt. Achtelfinale, adé.
„Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Wir haben alles gegeben und am Ende unglücklich verloren“, erklärte Trainer Jaron Siewert. „Wir konnten das Spiel lange offen halten. Am Ende waren es ein paar Fehlwürfe und Kleinigkeiten zu viel.“
Füchse Berlin liefern einen harten Kampf
Das Ziel der Füchse war eigentlich, möglichst lange in allen drei Wettbewerben um den Titel mitzuspielen. Dass der Pokal aber nicht die Lieblingsbühne der Berliner ist, war mit Blick auf die jüngste Historie kein Geheimnis. Nach 2014, nach dem Triumph gegen Flensburg war immer spätestens im Halbfinale Schluss, meist aber schon früher.
Und so gibt es auch in dieser Saison keine Versöhnung. „Es ist bitter. Das war ein harter Kampf“, erklärte Kapitän Paul Drux, der mit sieben Toren immerhin bester Werfer seiner Mannschaft war. „Hinten raus hat man gemerkt, dass die Kraft fehlt.“
Denn die Vorzeichen waren nicht die allerbesten. Rückraumshooter Lasse Andersson fehlt seit drei Wochen mit einem Bänderriss. Am Dienstagabend folgte dann die Hiobsbotschaft, dass Mathias Gidsel auch bis Jahresende ausfällt. Diagnose: knöcherner Ausriss an der linken Wurfhand inklusive Verletzung des Bandapparates.
Gidsel fehlt den Füchsen Berlin mit seinem Spielwitz
Der 23-Jährige reiste trotzdem mit Sportvorstand Stefan Kretzschmar nach Flensburg, um seine Teamkollegen wenigstens mental zu unterstützen. Dass er nicht mitmischen konnte, sah er irgendwie schon fast pragmatisch und sagte vor dem Spiel: „Es hätte schlimmer sein können.“ Immerhin muss der Shootingstar nicht operiert werden.
Trotzdem fehlte er mit seinem Durchsetzungsvermögen, seinem Spielwitz und seinen unkonventionellen Lösungen an allen Ecken und Enden. Wiede stand zwar nach einem Bänderschaden überraschend schon wieder im Kader und entspannte die Personalsituation im Rückraum ein wenig. Der Nationalspieler musste sich aber nach zehn Minuten behandeln lassen, weil die Hüfte zwickte.
Wiede biss auf die Zähne, zog die gesamte Partie durch und stand damit beispielhaft für den Kampfgeist, den die Füchse an den Tag legten. Am Einsatz lag es nicht, dass gegen wacher wirkende Flensburger – nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte – am Ende nichts ging.
Füchse Berlin mit zwei kleinen Comebacks
Zweimal sah es schon früh in der zweiten Halbzeit so aus, als wäre die Partie entschieden. Als die Mannschaft von Trainer Siewert den Start nach Wiederanpfiff verschlief und plötzlich 15:20 hinten lag (35. Minute). Und als zehn Minuten vor Schluss vier Tore Rückstand auf der Ergebnistafel standen (24:28/50.).
„Da haben wir noch mal gezeigt, was in uns steckt“, erklärte Drux. Zweimal kamen die Berliner zurück. Allerdings nie so zwingend, dass die Gastgeber in der Hölle Nord die Führung abgeben mussten. Dafür wirkte das Spiel der Berliner zu fahrig. Dafür schlichen sich zu viele Fehler ein.
Zwei weitere Titelchancen für die Füchse Berlin
Dabei hatten auch die Flensburger einen Rückschlag zu verkraften. Leistungsträger Jim Gottfridsson verabschiedete sich schon in Hälfte eins direkt in die Kabine, weil die Wade nicht mehr mitmachte. Dafür reüssierte Kevin Möller im Tor der SG mit zwölf Paraden – drei mehr als sie Dejan Milosavljev auf der Gegenseite zeigen konnte. Ein Duell, das am Ende mitentscheidend war.
„Wir müssen das schnellstmöglich abhaken, den Fokus wieder auf die Liga und die European League lenken“, erklärte Trainer Siewert, der sich auch in der Vorsaison in der zweiten Runde vom DHB-Pokal verabschieden musste. „Das sind zwei Wettbewerbe, in denen wir noch im Rennen sind.“ Und das soll auch lange so bleiben, wenn es nach den Füchsen geht.


