Handball

Ex-Fuchs Bjarki Elisson: Von der Weltstadt in die heile Welt

Der Isländer wechselte im Sommer von den Füchsen Berlin zum TBV Lemgo und trifft am Sonntag in der neuen Heimat auf die alten Kollegen.

Bjarki Elisson ist in Lemgo mit 32 Toren der treffsicherste Schütze.

Bjarki Elisson ist in Lemgo mit 32 Toren der treffsicherste Schütze.

Foto: EIBNER/Jan Strohdiek / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Berlin. Bjarki Elisson wird verlieren. So viel steht zumindest dann fest, wenn der Linksaußen des TBV Lemgo weiter an seiner Strategie festhält. Jedes Wochenende tippt der 29-Jährige beim vereinsinternen Fußball-Bundesliga-Tippspiel auf den 1. FC Union. „Das funktioniert nicht immer, aber ich bleibe der Mannschaft treu“, sagt Elisson, der sich „riesig gefreut hat“, als der Aufsteiger vor drei Wochen Borussia Dortmund geschlagen hat. „Das ist mein Verein.“

Das Herz des Isländers, es schlägt eben immer noch für die Hauptstadt. Nicht nur für die Köpenicker. Auch für die Füchse Berlin. Dass er den Klub am Ende der vergangenen Handball-Bundesliga-Saison verlassen musste, hat Elisson immer noch nicht ganz verschmerzt. Trotzdem freut er sich darauf, dass es schon am Sonntag (16 Uhr, Sky) in Lemgo zum großen Wiedersehen kommt. Dann muss die Mannschaft von Berlins Trainer Velimir Petkovic zum Auswärtsspiel in Ostwestfalen antreten.

In Lemgo ist er zum Siebenmeterschützen aufgestiegen

„Ich freue mich richtig darauf, die Jungs zu treffen. Ich hab viele Freunde in der Mannschaft, mag Petko und seinen Co-Trainer Max Rinderle“, sagt Elisson. „Aber ich werde leider alles geben, damit die enttäuscht nach Hause fahren.“ Denn ähnlich durchwachsen wie die Füchse ist auch Lemgo in die Saison gestartet. Drei Punkte nach fünf Spielen lautet die magere Ausbeute. „Wie wir aufgetreten sind, zum Beispiel gegen Hannover, war einfach nicht gut genug“, sagt Elisson, der mit bislang 32 Treffern der beste Torschütze der Lemgoer ist.

Der isländische Nationalspieler hat sich nahtlos eingefügt, ist Stammspieler im Team von Trainer Florian Kehrmann und hat sich gleich als Siebenmeterschütze etabliert. „Die Jungs hier sind super nett, das ist ein richtiger Familienklub“, erzählt Elisson. „Wir machen viel zusammen. Mindestens einmal im Monat ist Kabinenfest, auch für die Familie.“

Umstellung von der Großstadt auf die Provinz war schwierig

Nicht nur im Verein ist der 1,91 Meter große Außenspieler gut angekommen. Auch in seiner neuen Heimat. Zusammen mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter lebt Elisson in Klüt, einem 1700-Einwohner-Örtchen zwischen Lemgo und Detmold – von der Weltstadt ging es in die heile Welt. „Die Umstellung war natürlich groß, das hat ein bisschen gedauert“, erzählt der Ex-Fuchs, der vor allem die vielen Cafés und Restaurants vermisst. „Meine Familie und ich waren eben die Großstadt gewohnt. Hier gibt’s jetzt weniger Leute, dafür ist mehr Ruhe. Aber ich glaube, mittlerweile haben wir uns eingewöhnt.“

Elissons Tochter geht in den örtlichen Kindergarten, hat in der Nachbarschaft schon Freunde gefunden. Auch seine Frau ist viel unterwegs und fühlt sich wohl. „So wird das hier langsam unser Zuhause“, sagt Elisson. Wenn den Neu-Lemgoer dann aber doch die Sehnsucht nach der Großstadt überkommt, macht er einen Abstecher nach Berlin. So wie vor einigen Wochen, als er mit seiner Familie an einem freien Wochenende in die Hauptstadt fuhr – und beim ehemaligen Füchse-Teamkollegen Mattias Zachrisson übernachtete. „Leider hatten wir nicht viel Zeit, aber es war schön, mal wieder da zu sein.“

Dass die Füchse nicht um ihn gekämpft haben, war ein Fehler

Immerhin vier Jahre war Elisson bei den Füchsen, Berlin war seine Heimat. Aber auch wenn er nicht ganz einverstanden war mit seinem Wechsel im Sommer, Groll hegt er gegenüber seinem Ex-Verein nicht. Am Ende war es seine eigene Entscheidung zu gehen. „Ich hätte wahrscheinlich bleiben können. Zu der Zeit, als ich meinen Vertrag in Lemgo unterschrieben habe, war es nicht so, dass die Füchse eine Vertragsverlängerung schon abgelehnt hatten. Bob Hanning hat aber zu mir gesagt, dass sie mir zu dem Zeitpunkt keine Antwort geben konnten und ich musste warten“, erinnert sich Elisson. „Also habe ich mich für Lemgo entschieden.“

Und in Berlin ließen sie ihren konstanten Linksaußen ziehen. „Ein Fehler“, wie Elisson findet. „Sie hätten um mich kämpfen sollen, das ist immer noch meine Meinung.“ Nun kämpft der Top-Torschütze des TBV eben gegen die Füchse. „Ich gehe aber nicht in das Spiel, um mich zu zeigen. Das wäre falsch. Ich gehe rein, um meiner Mannschaft zu helfen, um Punkte für den TBV zu holen“, sagt Elisson. Und schiebt mit einem Lachen hinterher: „Ich habe vier Jahre in Berlin gespielt, die wissen genau, wie gut ich bin.“

In Lemgo wissen sie das jetzt auch, vor allem wissen sie das zu schätzen und setzen für den zweiten Saisonsieg am Sonntag auf ihren neuen Linksaußen. Denn auf dem Feld ist Bjarki Elisson dann doch deutlich treffsicherer als beim Bundesliga-Tippspiel.