Problemlöser, Erfolgsgarant, Schlüsselspieler, der Mann für die großen Spiele. Es ist noch gar nicht so lang her, da hätte sich Fabian Wiede problemlos genau diese Beinamen in seinen Personalausweis eintragen lassen können. Und Handball-Deutschland wäre mehr als einverstanden gewesen.

Anfang des Jahres, Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark und mittendrin dieser Fabian Wiede, der am Ende des Turniers als einziger deutscher Nationalspieler ins Allstar-Team gewählt wurde. Weil er mit 24 Toren überzeugte, nach dem Ausfall von Martin Strobel als Spielmacher glänzte und sich zum neuen Anführer der Mannschaft von Bundestrainer Christian Prokop aufschwang.

Verletzte Schulter verhindert problemlose Vorbereitung

Jetzt, neun Monate später ist der Problemlöser selbst zum Problem geworden. Vor allem für die Füchse. Denn der Erfolgsgarant funktioniert nicht mehr so, wie er es selbst gern hätte. „Ich bin nicht zufrieden mit mir“, sagt Wiede vor der Bundesliga-Partie seiner Berliner gegen den TVB Stuttgart an diesem Sonntag (16 Uhr, Max-Schmeling-Halle).

Seit Monaten begleiten den 25-Jährigen Formschwäche und Verletzungsprobleme. „Mir fehlt der Druck aus dem Rückraum, da hatte ich noch kein gutes Gefühl, auch wegen meiner Verletzung“, sagt der Spielmacher, der im Sommer an einer lädierten Schulter laborierte. „Ich hab im Training gemerkt, dass ich noch nicht so werfen kann, wie ich es damals konnte.“

In den ersten Saisonspielen fällt Wiede durch zahlreiche Fehler auf

Damals. Als sie nach einer erfolgreichen WM auch in Berlin auf ihren Führungsspieler setzten – und in einer schwachen Rückrunde enttäuscht mitansehen mussten, wie Wiedes Leistungskurve beinah unaufhaltsam fiel. „Wenn ich einen Fabi habe, der sicher aus neun Metern trifft, ist alles anders“, weiß auch Trainer Velimir Petkovic.

Mittlerweile wird Wiede vieles vorgeworfen. Dass ihm die Motivation fehle, dass er mit dem Kopf schon längst bei einem anderen Verein sei, dass er im Dauerstreit mit Trainer Petkovic stehe. Manch ein Kritikpunkt ist durchaus berechtigt. Seine zahlreichen Fehlwürfe und technischen Fehler in den ersten Saisonpartien, Streitereien am Spielfeldrand mit dem Coach und dazu noch eine Körpersprache, mit der man einen Ratgeber zum Thema „Hängende Schultern“ schreiben könnte.

Das Angriffsspiel der Füchse soll variabler werden

Aber Wiede ist sich all dessen bewusst. Beschönigt nichts, was in den vergangenen Wochen schief gelaufen ist und weiß auch, dass es nun auf ihn ankommt. Damit die Krise, in der die Füchse schon kurz nach dem Saisonstart stecken, bald der Vergangenheit angehört. „Ich weiß, dass ich hier mittlerweile eine sehr große Verantwortung habe, und ich stehe dahinter“, sagt Wiede. „Ich weiß, dass ich das Team – zusammen mit Simon und mit Paul – führen muss.“

Deswegen hat sich der Nationalspieler nach der desolaten Leistung gegen Minden (25:29) und vor dem Befreiungsschlag gegen Göppingen (28:25) mit den anderen Spielmachern zusammengesetzt. Mit Paul Drux, mit Simon Ernst und mit Jacob Holm. „Wir wollen schauen, dass wir noch mehr Spielzüge einbringen. Damit wir nicht so leicht zu lesen sind“, erklärt Wiede. „Und das ist nichts gegen Petko, der seinen Spielstil hat. Das ist einfach nur, um unser Spiel noch variabler zu gestalten“, schiebt der 1,94 Meter große Rückraum-Spezialist hinterher.

Schon mehrfach hat er sich beim Trainer entschuldigt

Denn das Verhältnis zum Trainer sei gut. „Ich verstehe mich mit Petko super. Wir reden viel, haben im Training viel Spaß“, erklärt er. Meinungsverschiedenheiten seien aber normal, weil eben jeder seine eigenen Ideen habe. „Es sollte aber natürlich nicht so wirken, dass wir uns irgendwie bekriegen. Da müssen wir schon aufpassen. Weil es für Außenstehende kein gutes Zeichen ist, wenn wir da aneinandergeraten“, weiß Wiede. „Da hab ich mich auch schon öfter entschuldigt, dass es nicht so gemeint war.“

Selbstkritik ist eben kein Fremdwort für Wiede. Er hadert mit seiner Leistung, hinterfragt vieles und ackert im Kraftraum, um seine Topform wiederzuerlangen. „Ich will zu meiner alten Leistung zurückfinden und werde hier im Training bei den Füchsen daran arbeiten“, sagt der gebürtige Bad Belziger.

Ein Vereinswechsel ist für Wiede kein Thema

Hier. Bei den Füchsen. Mit einem anderen Verein beschäftigt sich Wiede nämlich nicht. „Ich hab noch vier Jahre Vertrag hier. Ich will mir niemals vorwerfen müssen, dass ich nicht alles gegeben habe für den Verein, für den ich spiele“, sagt der einstige Nachwuchs-Fuchs, den Manager Bob Hanning bis 2023 an den Hauptstadtklub gebunden hat.

Ein Vereinswechsel ist also kein Thema, ein Zerwürfnis mit dem Coach ebenso wenig. Nach nur zwei Siegen aus den ersten vier Saisonspielen bleibt also noch das Problem mit der Punkteausbeute, das es für Wiede zu lösen gilt. „Mit der richtigen Einstellung und der richtigen Taktik werden wir gegen Stuttgart ein besseres Ergebnis erzielen als in den letzten Wochen“, sagt Wiede. Mit dieser Selbstsicherheit könnte auch er dann wieder vom Problem zum dringend benötigten Problemlöser werden.