Handball

Die Füchse machen Ernst

Beim Befreiungsschlag in Göppingen zeigt Spielmacher Simon Ernst, wie wichtig er in dieser Saison für die Füchse Berlin werden kann.

Simon Ernst (r.) kommt bei den Füchsen immer besser in Form.

Simon Ernst (r.) kommt bei den Füchsen immer besser in Form.

Foto: EIBNER/Michael Schmidt / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Berlin. Mit Vorschusslorbeeren ist das immer so eine Sache. Die Erwartungshaltung ist hoch, der Erfolgsdruck noch größer. Damit umzugehen, ist nicht einfach. Vor allem nicht, wenn man durch einen erneuten Rückschlag gestoppt wird. Simon Ernst aber scheint all das überhaupt nichts ausgemacht zu haben.

Nach 16 Monaten Verletzungspause und einem abermaligen Ausfall nur zwei Wochen nach seinem Debüt für die Füchse Berlin hat der 25-Jährige beim 28:25-Befreiungsschlag am Sonntag in Göppingen gezeigt, dass die Hoffnungen, die der Berliner Handball-Bundesligist in den Rückraumspieler setzt, durchaus berechtigt sind.

Zusammen mit Jacob Holm sichert er den Sieg

„Simon hat eine überragende erste Halbzeit gespielt“, lobte Trainer Velimir Petkovic. „Aber in der zweiten Hälfte haben wir gesehen, dass er das Niveau nicht halten kann.“ Was keineswegs Kritik an der Leistung seines Spielmachers ist. Petkovic weiß und betont seit Wochen, dass sie die Spielzeiten von Ernst, der in den vergangenen zwei Jahren zwei Kreuzbandrisse erlitten hatte, dosieren müssen. Der Nationalspieler muss behutsam an eine vollständige Belastung herangeführt werden.

Umso besser, dass der Trainer mit Jacob Holm, seinem zweiten Rückkehrer in der Rückraum Mitte, noch adäquaten Ersatz in der zweiten Hälfte parat hatte. Abwechselnd wendete das Duo beim Stand von 18:18 (39.) die drohende Niederlage und damit ein erneutes Debakel ab. „Das kann nur der erste Schritt gewesen sein“, sagte Ernst später. Was sowohl für die Mannschaft als auch für ihn gilt.

In Göppingen trifft Ernst gleich fünf Mal

In den ersten beiden Partien dieser Saison häuften sich die Fehler in seinem Spiel – Fehlpässe, Fehlwürfe, Fehlentscheidungen. Angesichts seiner langen Handball-Abstinenz verzeihbar. Vor allem weil Ernst gegen Göppingen schon vieles besser machte. Fünf Tore und eine kreative Spielgestaltung machen Mut für diese noch lange Saison.

Genau so wie die Tatsache, dass der gebürtige Dürener noch Zeit braucht, um zu seiner Topform zu finden. Denn auch wenn sie in Berlin die Wichtigkeit, die Ernst für das Spiel der Füchse hat, nicht überfrachten wollen – er ist ein Stabilisator in der Mannschaft. Einer, der das Konstrukt, das bislang schon häufig auseinandergefallen ist, zusammenhalten kann. Ohne dabei viel Wind um seine eigene Person zu machen. „Das Ergebnis steht über allem“, sagte er. Nicht ohne das obligatorische breite Grinsen im Gesicht, das den 1,95 Meter großen Rückraumspezialisten stets begleitet, seit er endlich auf sein geliebtes Spielfeld zurückkehren durfte.

Manager Hanning lobt den „tollen Handballer“

Ernst ist eben ein Teamplayer, „ein Spieler, der voll von Energie steckt, er hat uns so lange gefehlt. Er ist so ein toller Mensch, so ein toller Handballer“, schwärmte auch Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning, der den Europameister von 2016 in die Hauptstadt gelotst hatte. Hier ein aufmunternder Schulterklopfer für Fabian Wiede, da nach einer gelungenen Abwehraktion mit Jakov Gojun abklatschen und nochmal drei Schritte zurück, um Torwart Dejan Milosavljev zu einer seiner vielen Glanzparaden zu beglückwünschen. Und saß Ernst zwischenzeitlich auf der Bank, motivierte er seine Teamkollegen eben von dort aus.

„Ich freue ich mich, dass ich immer besser reinkomme in die Saison“, sagte Ernst. Schon am Sonntag (16 Uhr, Max-Schmeling-Halle) hat er gegen den TVB Stuttgart die Chance, diesen Weg weiterzugehen. „Das ist ein Pflichtsieg für uns. Wir müssen uns step by step wieder nach oben arbeiten in der Tabelle.“ Denn nach zwei Siegen aus vier Spielen ist auch der Erfolgsdruck bei den Füchsen recht hoch.