Handball

In Göppingen wartet auf die Füchse ein Charaktertest

Die Füchse Berlin wollen am Sonntag in Göppingen die Wiedergutmachung. Der Job von Trainer Velimir Petkovic ist derweil nicht in Gefahr.

Will seine Mannschaft in Göppingen zum zweiten Saisonsieg führen: Trainer Velimir Petkovic (M.).

Will seine Mannschaft in Göppingen zum zweiten Saisonsieg führen: Trainer Velimir Petkovic (M.).

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Äußerlich war alles beim Alten, als sich die Füchse Berlin am Sonnabend auf den Weg Richtung Göppingen machten. Die Spieler, die sich am vergangenen Mittwoch gegen Minden (25:29) so desolat präsentiert hatten, waren auch jetzt wieder an Bord. Am Sonntag (13.30 Uhr, Sky) aber soll trotzdem eine ganz andere Mannschaft auf dem Feld stehen. Eine Mannschaft mit einer ganz anderen Einstellung, einer anderen Körpersprache, einem anderen Spielverständnis als zuletzt. Der Handball-Bundesligist aus der Hauptstadt steht nach nur einem Sieg aus den ersten drei Saisonspielen unter Druck. „Wir dürfen uns jetzt nicht in ein noch tieferes Loch spielen“, fordert Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning.

Hanning führt sachliche Gespräche mit einzelnen Spielern

Nach der Pleite gegen Minden hatte der Manager einzelnen Spielern unter vier Augen ins Gewissen geredet, auch mit Trainer Velimir Petkovic hat sich der 51-Jährige intensiv ausgetauscht. „Ich habe nicht getobt. Wir haben versucht, die Probleme ruhig und sachlich zu analysieren“, sagt Hanning. „Wir haben viele Gespräche geführt und hoffen, dass die Jungs am Sonntag eine Reaktion zeigen.“

Für Trainer Petkovic und seine Spieler geht es in diesem Charaktertest in Göppingen um viel. Um Wiedergutmachung, darum, sich selbst zu beweisen, dass man das Handballspielen nicht verlernt hat und mit den deutschen Spitzenklubs mithalten kann – schließlich ist das der Anspruch, mit dem die Berliner in die neue Spielzeit gestartet waren.

Spielmacher Ernst kehrt in den Kader zurück

Nur um eines geht es nicht: um Petkovics Job. „Wer mich kennt, der weiß, dass ich in 16 Jahren nur einmal zu so einer Maßnahme gegriffen habe“, sagt Hanning. „Da müssten wir uns schon sehr sicher sein, dass das der Schlüssel ist. Und das sind wir nicht.“ Bedeutet: der Ursprung der Probleme liegt nicht beim Trainer und die Lösung nicht in einem Rauswurf.

Auch die Profis haben die blamable Vorstellung gegen Minden bisher ohne härtere Konsequenzen überstanden. Niemand wurde suspendiert oder anderweitig bestraft. Alle bekommen eine neue Chance, in diesem „richtig, richtig schwierigen Spiel“, wie Petkovic weiß. Rückraum-Spezialist Fabian Wiede muss beweisen, dass er durchaus noch in der Lage ist, das Spiel der Berliner zu lenken. Torhüter Silvio Heinevetter wird gefordert sein, den Unmut über den verlorenen Stammplatz zwischen den Pfosten nicht allzu offen zur Schau zu stellen.

Und der gesamte Füchse-Angriff sollte zeigen, dass die Torflaute in den ersten Partien nur ein vorübergehendes Problem war. Hoffnung macht da zumindest die Rückkehr von Spielmacher Simon Ernst, der nach einem Pferdekuss wieder als belebendes Element im bislang so behäbigen Angriffsspiel gefragt ist.

Auch Göppingen verpatzt den Saisonstart

Doch nicht nur die Füchse stehen unter Erfolgsdruck. Gegner Göppingen befindet sich nach zwei Niederlagen zum Auftakt in einer ähnlichen Situation wie der Tabellenzehnte aus Berlin. „Beide Mannschaften müssen nach ihrem jeweiligen Saisonstart unbedingt gewinnen. Aber wir wollen gegen einen ambitionierten Gegner unbedingt doppelt punkten“, sagt Petkovic.

Die Vorzeichen der Partie lassen bei Petkovics Rückkehr in die alte Heimat wenig Raum für Sentimentalitäten. Neun Jahre stand der 63-Jährige in Göppingen an der Seitenlinie, holte 2011 und 2012 mit dem Traditionsklub aus Baden-Württemberg den EHF-Pokal. Nun geht es für ihn aber mit den Füchsen darum, solche Erfolge auch in Berlin bald wieder in nahe Zukunft rücken zu lassen.