Handball

Was Heinevetters Wechsel für die Füchse bedeutet

Mit dem Nationaltorhüter verlässt eine Identifikationsfigur die Berliner im Sommer 2020. Das hat nicht nur Folgen für die Personalplanung.

Silvio Heinevetter will seinen Vertrag bei den Füchsen über 2020 hinaus nicht verlängern.

Silvio Heinevetter will seinen Vertrag bei den Füchsen über 2020 hinaus nicht verlängern.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Die Frau im blauen Blazer ging zwischen den großen Männern fast ein wenig unter. Als sich die deutsche Nationalmannschaft am Montagnachmittag zum Gruppenfoto mit Bundeskanzlerin Angela Merkel aufstellte, überragten die Spieler Deutschlands mächtigste Frau um fast zwei Köpfe. Einer, der den Kopf stattdessen eher einzog, hatte sich in die zweite Reihe verzogen. Lächelte fast schüchtern und wollte so gar nicht im Fokus der Kameras stehen.

Vermeiden konnte Silvio Heinevetter das aber nicht. Der Torhüter der Füchse Berlin hatte kurz vor dem Empfang der deutschen Mannschaft im Bundeskanzleramt offiziell bekannt gegeben, dass es ihn im Sommer 2020 aus der Hauptstadt in die Provinz zieht. Eine Nachricht, die ihn automatisch in den Mittelpunkt katapultierte.

Nach zehn Jahren bei den Füchsen soll ein neuer Reiz her

Schon am Wochenende beim Final Four im DHB-Pokal war gemunkelt worden, dass die Zeit des 34-Jährigen bei den Berlinern bald vorbei sein könnte. Am Montag folgte dann die Bestätigung vom Verein und vom Spieler selbst, Heinevetter wechselt zur MT Melsungen. „Nach über zehn Jahren, Berlin und die Füchse zu verlassen, war für mich eine wahnsinnig schwere Entscheidung“, schrieb der Torhüter bei Instagram.

Eine Entscheidung, die bei den Füchsen allerdings kaum jemanden überrascht hat. „Es waren von Anfang an sehr offene und ehrliche Gespräche“, sagt Berlins Geschäftsführer Bob Hanning. „Am Ende einer Karriere, nach zehn Jahren beim gleichen Verein, ist es legitim, nochmal einen neuen Reiz zu wählen.“ Reizvoll ist sicherlich auch das, was Melsungen zu bieten hat.

In Melsungen lockt ein finanzkräftiger Sponsor

Die Gehälter in Nordhessen sollen mit denen der hochkarätigen Konkurrenz aus Flensburg, Kiel und Co. locker mithalten können. Grund dafür ist das Pharma-Unternehmen Braun, das seit wenigen Jahren Millionen in den Handball-Klub pumpt. Für Heinevetter wird das Geld nicht der einzige Grund für eine Luftveränderung gewesen sein.

Seit 2009 spielt der Torhüter bei den Füchsen – zehn Jahre, den wohl größten Teil seiner Karriere. Obwohl er sich bei seiner Vertragsverlängerung 2016 vorstellen konnte, seine aktive Laufbahn in Berlin zu beenden, scheint der Wechsel eine dringend gesuchte neue Aufgabe für ihn zu sein.

„Die MT Melsungen hat mir viel Wertschätzung entgegen gebracht und um mich gekämpft, wie man es sonst nur für eine tolle Frau macht“, sagt Heinevetter. Hört sich ganz so an, als hätte sich nach zehn Jahren dann doch zu viel Alltag in sein Leben geschlichen.

Ein Pokalsieg, zwei Klub-WM-Titel und zwei Triumphe im EHF-Cup

Auch wenn sie ihn in Berlin mindestens ebenso wertschätzen. Als emotionalen Führungsspieler, zu dem er sich nach seinem Wechsel aus Magdeburg entwickelt hat. Kaum eine Partie vergeht, ohne dass der Mann zwischen den Pfosten gestenreich mit den Schiedsrichtern diskutiert, aggressiv vorangeht, wenn das Spiel auf der Kippe steht oder mit sich und seiner Leistung hadert.

„Er ist eines unserer Gesichter“, sagt Hanning. „Wir hatten eine schöne Zeit miteinander.“ In der Heinevetter mit den Füchsen den DHB-Pokal gewann, zweimal die Klub-Weltmeisterschaft holte und ebenso oft im EHF-Cup triumphierte.

Hanning sucht jetzt einen Nachfolger

Dass mit Heinevetter ein Stück Berliner Identität geht, ist unbestritten. Aber Hanning lässt den Nationalkeeper auch deshalb ohne Groll ziehen, weil er weiß, dass da andere Spieler sind, die die Zukunft des Klubs sind. „Mit Fabian Wiede und Paul Drux haben wir weitere Gesichter, die unseren Verein prägen werden“, ist sich Hanning sicher.

Beim Stichwort Zukunft stellt sich natürlich auch die Frage, wer die unbestrittene Nummer eins im Füchse-Kasten ersetzen könnte. Erst vor wenigen Wochen hatte Hanning mit Torwart Martin Ziemer einen zweiten Schlussmann für die neue Saison präsentiert. Der Keeper der TSV Hannover-Burgdorf bekam einen Einjahresvertrag mit Option auf ein weiteres Jahr.

„Wir gehen davon aus, dass wir mit Ziemer zwei Jahre machen“, sagte Hanning. Im Sommer 2020 wäre der Hannoveraner dann allerdings schon 37. Dass Ziemer dann Heinevetters Nachfolge als Stammtorhüter antritt, ist unwahrscheinlich.

Am Mittwoch und Sonnabend geht es gegen Polen

Also geht nun die Suche nach einem neuen Mann für die übernächste Saison los. „Wir werden uns jetzt auf dem Markt umschauen, welche Nummer eins im Sommer 2020 zu uns kommen könnte“, sagt Hanning. Wer den Macher der Füchse kennt, weiß, dass Hanning sicher schon die eine oder andere Idee hat, wer die Zukunft im Tor der Berliner mitgestalten soll.

Heinevetter wird es jedenfalls nicht sein. Der Nationaltorhüter wird sich nach dem Wirbel um seine Person in dieser Woche erstmal auf die beiden EM-Qualifikationsspiele mit der deutschen Mannschaft gegen Polen (Mittwoch, 19 Uhr in Gliwice und Sonnabend, 14 Uhr in Halle/Westfalen) konzentrieren. Und sich wohl eher wieder mit starken Leistungen im Tor in den Mittelpunkt spielen wollen.

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