Kommentar

Vom hohen Preis der WM

Inga Böddeling über das Scheitern der Füchse und die letzte Chance auf ein versöhnliches Saisonende.

Die Kieler stellten die Füchse um Paul Drux (r.) vor Probleme.

Die Kieler stellten die Füchse um Paul Drux (r.) vor Probleme.

Foto: bm / dpa/Sergej Glanze

Hamburg. Das eigene Scheitern zu akzeptieren ist nicht immer einfach. Bei den Füchsen Berlin hatten sie am Sonnabend aber zumindest diese Aufgabe erfolgreich erledigt. Sie hatten die gefürchtete Niederlage im Pokal-Halbfinale akzeptiert. Sie hatten es akzeptiert, dass sie mit den ganz Großen einfach nicht bis zum Ende mithalten können. Nicht mehr.

Noch im Dezember war die Euphorie riesig gewesen. Der in letzter Sekunde erkämpfte Einzug ins Final Four sollte der Startschuss für eine fulminante Rückrunde werden. Nun droht stattdessen die erste titellose Saison seit 2013. Was ist dazwischen bloß passiert?

Der Januar. Der Monat, in dem Deutschland Handball gefeiert hat, in dem sich das deutsche Nationalteam mit den Berlinern Fabian Wiede, Silvio Heinevetter und Paul Drux im Rampenlicht der medialen Aufmerksamkeit sonnte und an dessen Ende der Hauptstadtklub mit einem gehörigen WM-Kater erwachte.

Denn die WM, der vierte Platz für die deutschen Nationalspieler, der Titel für Kapitän Hans Lindberg – all das hat die Füchse den Erfolg gekostet. Der Fall vom gefeierten WM-Star zum mittelmäßigen Bundesliga-Spieler ist nicht sonderlich tief. Dafür aber umso härter. Aber Moment, mittelmäßig? Ja, ganz genau. Viel mehr als das war von den Berlinern nach der Turnierpause nicht mehr übrig.

Die WM-Spieler kehrten ausgezehrt und mental müde zurück zu ihrem Verein, kriegten nicht die Kurve, um im Alltagsgeschäft zu bestehen. Den übrigen, die daheim geblieben waren, fehlte der Rhythmus. Das Mannschaftsgefüge ist auseinandergefallen.

Dass Manager Bob Hanning in genau dieser Phase die Neuausrichtung für die kommende Saison preisgab, war als Zeichen an die Spieler zu verstehen. Schaut her, wir fangen notfalls auch schon mal ohne euch an. Denn irgendwann zählt dann auch die WM-Müdigkeit nicht mehr als Ausrede.

Die Füchse haben jetzt noch einen einzigen Rettungsanker, um diese durchwachsene Saison zu einem versöhnlichen Ende zu bringen: das Final Four im EHF-Cup. Um das zu erreichen, muss die Mannschaft von Trainer Velimir Petkovic erstmal aus ihrem Leistungstief finden und im Viertelfinale Hannover schlagen. Als Titelverteidiger daran zu scheitern, wäre sicher nicht so leicht zu akzeptieren.