Handball

Jungfuchs Tim Matthes gehört die Zukunft

Tim Matthes hat sich bei den Füchsen in den Fokus gespielt. Auch gegen Göppingen setzt Trainer Velimir Petkovic auf den 19-Jährigen.

Tim Matthes kam in dieser Saison schon in 14 Bundesligaspielen für die Füchse zum Einsatz. Und sechs Mal im EHF-Pokal.

Tim Matthes kam in dieser Saison schon in 14 Bundesligaspielen für die Füchse zum Einsatz. Und sechs Mal im EHF-Pokal.

Foto: Bernd König / imago/Bernd König

Berlin. Instagram? Nichts. Facebook? Auch nichts. Wikipedia-Artikel? Nicht zu finden. Tim Matthes ist ein unbeschriebenes Blatt. Zumindest was den Internetauftritt des Youngsters der Füchse Berlin angeht. „Ich bin kein großer Fan von Sozialen Medien. Ich hab nicht das Bedürfnis, mich da zu zeigen“, sagt der 19 Jahre alte Linksaußen des Berliner Handball-Bundesligisten. „Ich treffe mich lieber mit Freunden in der Realität, als mich in den Sozialen Medien zu verlieren und Zeit zu vergeuden.“

Am Sonnabend Abstiegskampf in Liga drei

Zeit ist ein kostbares Gut im Leben des Tim Matthes. An diesem Donnerstag steht er mit der ersten Mannschaft der Füchse im Bundesliga-Spiel gegen Göppingen (19 Uhr, Max-Schmeling-Halle) auf dem Feld. Am Sonnabend wartet mit der Zweitvertretung der Abstiegskampf in der dritten Liga – ausgerechnet gegen den SC Magdeburg. „So eine Doppelbelastung ist schon anstrengend, vor allem für die Psyche“, sagt Matthes. „Aber ich stecke das gerade ganz gut weg.“

Offensichtlich. In dieser Saison hat der Jungfuchs, ausgestattet mit einem Profivertrag bis 2022, schon 14 Bundesliga-Partien bestritten und stand bei allen sechs Spielen im EHF-Pokal im Kader. „Ich will ihn immer dabei haben“, sagt Trainer Velimir Petkovic, der gegen Göppingen zwar wieder auf Spielmacher Fabian Wiede zurückgreifen kann, dafür aber Abwehrchef Jakov Gojun (grippaler Infekt) schmerzlich vermissen wird.

Hanning und Zerbe schützen ihre Talente

Dass der Trainer nicht immer auf Matthes setzen kann, hat damit zu tun, dass Geschäftsführer Bob Hanning und Sportkoordinator Volker Zerbe auf ihre Talente aufpassen. „Die beiden gehen vorsichtig mit den jungen Spielern um. Das ist der richtige Weg“, weiß Petkovic. Die Berliner brauchen Matthes in der neuen Saison, er ist einer mit großer Zukunft.

Zusammen mit Kevin Struck (22) wird er das Linksaußen-Tandem bilden. Dass Hanning auf ein solch junges Duo setzt, ist Zeichen dafür, dass der Füchse-Boss trotz der jüngsten Verpflichtungen von Rückraumspieler Michael Müller (34) und Torhüter Martin Ziemer (35) weiterhin seiner Jugend vertraut.

In die Zweite Liga wollte er nicht

Erst vor einem Jahr hatte Hanning mit seinem Nachwuchstalent über dessen Perspektiven gesprochen. Berlin? Bundesliga? Er hätte da ein lukratives Angebot aus der Zweiten Liga. Aber Matthes wollte entweder in Berlin bleiben oder ins Ausland wechseln. Er blieb bei den Füchsen, sammelte in der zweiten Mannschaft Spielpraxis und Erfahrung.

Und näherte sich Schritt für Schritt der deutschen Eliteliga. „Manchmal ist es besser als junger Spieler, nicht den schnellsten Weg nach ganz oben zu nehmen“, sagt Matthes. Für einen Jungprofi, der immerhin schon EM-Bronze mit der deutschen U20 gewonnen hat, ist das eine überraschend reflektierte Aussage.

An Politik und Gesellschaft interessiert

Hanning gerät ins Schwärmen, wenn er über Matthes spricht, der in der B-Jugend vom AC Berlin zu den Füchsen wechselte. „Tim ist ein akribischer Arbeiter mit einem unfassbaren Ehrgeiz“, sagt er. Nebenbei gibt es aber noch etwas anderes als Sport im Leben. Der gebürtige Berliner studiert BWL an der Hochschule für Technik und Wirtschaft, interessiert sich für politische sowie gesellschaftliche Themen. Er liest gerade ein Buch über das bedingungslose Grundeinkommen. Um vom Handball mal abzuschalten.

Gar nicht so einfach, wenn man an sieben Tagen in der Woche zwischen zweiter Mannschaft, Bundesliga-Duellen, Europa und Training pendelt. Im Sommer soll es aber damit ja vorbei sein. Dann gilt der volle Fokus der ersten Mannschaft. Dann wird sicherlich auch der Wikipedia-Eintrag nicht mehr lange auf sich warten lassen.