Handball

Michael Müller: „Ich will endlich Titel gewinnen“

Michael Müller wechselt im Sommer zu den Füchsen Berlin. Im Interview spricht er über seine Gründe, seine Ziele und skeptische Fans.

Jetzt noch Kontrahenten, ab Sommer Teamkollegen: Michael Müller (r.) wechselt von der MT Melsungen zu den Füchsen Berlin und spielt dann in einem Team mit Nationalspieler Paul Drux.

Jetzt noch Kontrahenten, ab Sommer Teamkollegen: Michael Müller (r.) wechselt von der MT Melsungen zu den Füchsen Berlin und spielt dann in einem Team mit Nationalspieler Paul Drux.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin. Die Anforderungen waren hoch. Ein rechter Rückraumspieler sollte es bei den Füchsen Berlin sein, Linkshänder natürlich. Einer, der die junge Mannschaft führen kann. „Wir wollten Typen haben“, sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. Mit Michael Müller von der MT Melsungen haben sie genau so einen gefunden. Der 34-Jährige ist in der Handball-Bundesliga bekannt – als einer, der polarisiert, der Emotionen und Kampfgeist lebt und sich damit nicht nur Freunde macht. Ab Sommer wird der deutsche Nationalspieler für die Berliner auf Torejagd gehen – ausgestattet mit einem Vertrag bis 2021. Mit der Morgenpost hat er über seine Gründe für den Wechsel gesprochen, worauf sich die Fans in Berlin freuen können und was er mit Cristiano Ronaldo gemeinsam hat.

Herr Müller, Ihnen ist bewusst, dass Sie in Berlin nur der zweitbekannteste Michael Müller sein werden?

Das ist mir bewusst! Über die Namensgleichheit mit dem Regierenden Bürgermeister weiß ich Bescheid.

Sie kommen aber trotzdem gern in die Hauptstadt?

Sehr gern. Ich freu mich riesig darauf.

Obwohl Sie vor knapp drei Wochen noch gesagt haben, dass Ihr Vertrag in Melsungen bis 2020 geht und Sie diesen auch erfüllen wollen. Was hat sich seitdem geändert?

Der Verein hat mir mitgeteilt, dass sie für die neue Saison nicht mehr mit mir planen. Ich bin vor acht Wochen Papa geworden, eigentlich hatten wir nicht vor, in eine andere Stadt zu ziehen. Als dann aber das Angebot aus Berlin kam, hat uns das als Familie riesig gefreut. Das ist eine tolle Aufgabe.

Welche Ziele verbinden Sie damit?

Die Füchse haben sich in den vergangenen Jahren oben etabliert, haben in Europa gespielt, dort den Titel gewonnen und auch den DHB-Pokal geholt. Jeder Spieler wünscht sich in seiner Karriere, irgendwann einen Pokal hochzuhalten. Und mit den Füchsen hat man die Möglichkeit dazu. Europapokal oder deutscher Pokalsieger zu werden, ist sicher leichter als die deutsche Meisterschaft. Die Ambitionen sind da und das Potenzial der Mannschaft auch.

Berlin hat ein recht junges Team, Geschäftsführer Bob Hanning setzt große Stücke auf seinen eigenen Nachwuchs. Welche Rolle können Sie als erfahrener Bundesliga-Profi da spielen?

Das werden wir sehen. Die Füchse haben jedes Jahr einen richtig guten Nachwuchs, können immer wieder neue Spieler in die Mannschaft einbauen. Ich bin jetzt nicht unbedingt der Jüngste, aber mir macht es Spaß, mit jungen Spielern auf dem Feld zu stehen. Und meine Erfahrung, die ich in den letzten Jahren in der Bundesliga gesammelt habe, gebe ich gern weiter. Ich freu mich, mit dieser jungen Mannschaft oben anzugreifen.

Sie sind mit 34 Jahren genauso alt wie Cristiano Ronaldo. Der schreibt mit seinem Verein Juventus Turin gerade die nächste Erfolgsgeschichte seiner Karriere. Können sich die Füchse jetzt auch auf die Champions League freuen? Scheint ja ein erfolgversprechendes Alter zu sein.

Im Sport ist ja wirklich wenig programmierbar. Das sehen wir in dieser Saison bei den Füchsen und auch in Melsungen – wie viele Verletzungen plötzlich anfallen können. Da muss man einfach gucken, wie man durch eine Saison kommt und dass alle Spieler fit bleiben. Wenn das der Fall ist, dann ist das in Berlin eine sehr gute Mannschaft, mit der ich die Teams ganz oben ein wenig ärgern will. Dann schauen wir, was am Ende dabei herauskommt.

Sie sind in der Bundesliga als polarisierender Spieler bekannt. Bei Ihren Besuchen in der Schmeling-Halle kommt es auch mal öfter zu Reibereien. Bob Hanning hat dazu gesagt, dass Reibung Wärme erzeugt. Ist das für Sie eine zusätzliche Motivation, dass es vielleicht nicht jeden freut, dass Sie zu den Füchsen wechseln?

Natürlich ist das eine Motivation. Aber man muss auch immer schauen, warum ich polarisiert habe. Weil ich immer für den Verein, für den ich spiele, alles gebe. Mir ging es immer nur um den Sieg und den Erfolg meiner Mannschaft, meines Vereins. Dasselbe werde ich bei den Füchsen Berlin machen. Von daher können alle, die negativ darüber denken, dass jetzt der Müller kommt, der polarisiert, der sich öfter mit Silvio Heinevetter angelegt hat, darauf verlassen, dass ich die nächsten zwei Jahre alles für die Füchse geben werde. Manchmal ist das vielleicht auch ein Tick zu viel, aber das gehört im Sport dazu. Wie Bob sagt, Reibung erzeugt Wärme, und Wärme ist immer eine schöne Sache, wenn es hitzig hergeht.

Sie haben viele Jahre zusammen mit Ihrem Zwillingsbruder Philipp gespielt. Fällt die Trennung jetzt schwer, oder kann sich Berlin in den nächsten Tagen noch auf die nächste Müller-Überraschung freuen?

Nein, dazu wird es nicht kommen. Mein Bruder wechselt nach Leipzig. Natürlich fällt die Trennung schwer, aber das gehört dazu. Wir waren ja schon getrennt, und dann war es schön, dass wir wieder zusammen gespielt haben. Weil es immer toll ist, in der Mannschaft eine Bezugsperson und einen Vertrauten zu haben. Aber jetzt trennen sich eben die Wege. So ist es im Sport und im Leben.

Seit Donnerstag ist Melsungen im Kampf um Platz fünf gleichauf mit den Füchsen. Es könnte also passieren, dass Sie mit Ihrem aktuellen Klub die Europapokal-Träume Ihres zukünftigen Vereins platzen lassen.

Das ist schon ein fader Beigeschmack. Aber man muss abwarten. Wir hatten in Melsungen auch viele Verletzte, es kommen nach und nach ein paar zurück. Es sind noch viele Punkte zu vergeben. Wir müssen noch in Flensburg und gegen Mannheim ran, das sind zwei richtig schwere Spiele. Mal schauen, wie wir da durchkommen. Es wär natürlich schön, nächste Saison mit den Füchsen international zu spielen. Aber ich habe in Melsungen einen Vertrag bis Juni. Bis dahin werde ich auch alles geben.