Füchse Berlin

Jacob Holm: Handball statt Rock’n’Roll

Das dänische Füchse-Talent ist passionierter Sportler und Gitarrist, musste sich aber für eine Karriere entscheiden.

Zwei Leidenschaften in einer Person: Jacob Holm sitzt mit seiner Gitarre in der Trainingshalle der Füchse Berlin.

Zwei Leidenschaften in einer Person: Jacob Holm sitzt mit seiner Gitarre in der Trainingshalle der Füchse Berlin.

Foto: Anikka Bauer

Berlin.  Es sollte unbedingt der Pilzkopf sein. Als Jacob Holm seinem Friseur vergangenen September einen Besuch abstattete, gab es nur diese eine Ansage: „Mach mich zum fünften Beatle.“ Da hatte der 23-Jährige gerade seine Bundesliga-Karriere bei den Füchsen Berlin gestartet, mit denen er heute gegen den VfL Gummersbach antritt (16 Uhr, Schmeling-Halle). War vom dänischen Toptalent direkt zum absoluten Leistungsträger aufgestiegen und wollte doch nicht vergessen, dass es in seinem Leben noch eine zweite Leidenschaft gibt. Dass sein Herz neben dem Handball auch für die Musik schlägt.

Nicht unbedingt für die der erfolgreichsten Band der Musikgeschichte. Sondern eher für seine eigene, die er mit der dänischen Indie-Rockband „Viva La Wolfe“ macht. Doch mittlerweile sind die Haare wieder gewachsen. Jacob Holm hat sie unter einer schwarzen Mütze versteckt, als er mit seiner Gitarre mitten in der Trainingshalle der Füchse im Sportzentrum Hohenschönhausen sitzt. Hier vereinen sich seine beiden Talente, die doch eigentlich so schwer zu vereinbaren sind.

Heut schreibt er noch Songs für die Band

Das musste auch der Rückraumspieler feststellen, als er im Sommer aus seiner Heimatstadt Esbjerg zu den Füchsen kam. „Ich konnte nicht mehr weiter in der Band spielen. Schon als es an die Planung von Konzerten ging, wurde es schwierig“, sagt Holm, der seine Bandkollegen schon seit der Schule kennt, mit ihnen 2015 „Viva La Wolfe“ gründete und seitdem als lokale Berühmtheit auf mehreren Festivals rund um Esbjerg aufgetreten ist. „Aber ich schreibe immer noch Songs für die Jungs und bin deshalb immer noch ein Teil der Truppe.“

Lieder über die Liebe, natürlich. Aber manche Songs handeln auch von der Schwierigkeit, den richtigen Weg im Leben zu finden. Eine Herausforderung, die auch Holm meistern musste. „Als Kind versucht man immer, seine eigene Identität zu finden. Da haben sich meine Wünsche und Träume eine Million Mal geändert“, erzählt er.

Seine Oma brachte ihn zur Musik, die Eltern zum Sport

Die eigene Identität zu finden, war gar nicht so einfach. Seine Großmutter drückte ihm eine Gitarre in die Hand, als er acht Jahre alt war. Da hatte Holm schon knapp zwei Jahre Handball gespielt. Hatte seinen Eltern nachgeeifert, die ebenfalls passionierte Handballer waren. Hätte man also den Siebenjährigen Jacob gefragt, was er werden will, hätte man eine durchaus überraschende Antwort bekommen.

„Die meiste Zeit wollte ich Profi-Fußballer werden“, sagt er. Doch die Erkenntnis, dass „ich dann doch besser mit dem Ball in der Hand als mit dem Ball am Fuß bin“, hat den Traum platzen lassen. Vor sechs Jahren musste dann auch die endgültige Entscheidung fallen – als die dänischen Jugend-Nationalteams anklopften. „Da habe ich den Weg gewählt, den ich jetzt gehe“, sagt Holm. „Weil du nicht bei U18-Turnieren bestehen kannst, wenn du den Lifestyle eines Musikers führst. Da war mir klar: Ja, es ist Handball.“ Musik blieb seine zweite Liebe.

Sein Einstand bei den Füchsen war durchwachsen

Deshalb hat er auch den Lebensstil des Musikers nicht ganz ablegen können. Irgendwie schwebt er immer etwas zwischen den Welten. „In meiner Band war ich bei Weitem der Organisierteste. Ich war immer der, der halbwegs pünktlich zur verabredeten Zeit auftauchte“, sagt Holm lachend. „Viele meiner Teamkollegen würden mich aber wahrscheinlich als unstrukturiert und chaotisch beschreiben.“

Vor allem, wenn sie an Holms erstes Heimspiel bei den Füchsen zurückdenken. In der Partie gegen Minden musste sich der Däne in der zweiten Hälfte übergeben. „Das war aber nicht, weil ich so nervös war“, sagt Holm. Schließlich ist er es gewohnt, vor Publikum aufzutreten. Er hatte einen Schlag abbekommen, kaum mehr Luft gekriegt – der Kreislauf hatte versagt. Doch damit noch nicht genug. „Die Jungs haben sich echt drüber lustig gemacht, noch bis nach dem Spiel, als wir im Vip-Raum waren“, erinnert sich Holm. „Da habe ich dann auch direkt mal aus Versehen den Feueralarm ausgelöst. War ein ganz toller Einstand.“

Im heimischen Tonstudio verbringt er seine Freizeit

Abgesehen davon hat sich Holm gut in Berlin eingelebt – und sich in seiner Wohnung in Prenzlauer Berg ein eigenes kleines Tonstudio eingerichtet. „Da verbringe ich die meiste meiner Freizeit“, erzählt er. Natürlich hat er auch mit seiner Freundin alle wichtigen Sehenswürdigkeiten besucht. Aber Musik? „Das ist das, was ich mache, wenn ich nichts tue“, sagt Holm.

Oder was er tut, wenn er mit seinem Team von Auswärtsspielen heimfährt. Oder bei gemeinsamen Grillabenden. „Da spiele ich dann auch mal. Oder wir singen zusammen“, erzählt Holm. Nur Kabinen-DJ ist der junge Däne noch nicht. Den Job macht sein Landsmann, Kapitän Hans Lindberg. „Das ist ja auch eine verantwortungsbewusste Aufgabe, da alle Geschmäcker zu treffen“, sagt Holm grinsend. Schließlich gefallen die Beatles ja wirklich nicht jedem.