Handball

Bei den Füchsen ruft der Alltag

Nach einer furiosen Weltmeisterschaft geht es für die Nationalspieler der Berliner in der Bundesliga und im Europapokal um Titel.

Fabian Wiede, Deutschlands einziger Spieler im Allstar-Team der WM, startet am Donnerstag mit den Füchsen in die Rückrunde.

Fabian Wiede, Deutschlands einziger Spieler im Allstar-Team der WM, startet am Donnerstag mit den Füchsen in die Rückrunde.

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin.  Silvio Heinevetter hörte es schon von Weitem. Sein Sofa, das nach ihm rief. Und mit ihm die ersehnte Ruhe nach diesen turbulenten letzten Tagen der Handball-Weltmeisterschaft. Als sich der Torhüter der deutschen Nationalmannschaft am Montag auf den Rückweg in die Hauptstadt machte, hatte er nicht viel anderes im Sinn als die kommenden Stunden und Tage genau dort zu verbringen. Auf seinem Sofa. „Endlich zurück nach Berlin“, schrieb der 34-Jährige bei Instagram. „Die Couch ruft.“

Zeit, um das zu verarbeiten, was da am Sonntagnachmittag in Herning passiert war. Diese unglückliche Niederlage gegen Frankreich (25:26), den in letzter Sekunde geplatzten Traum von WM-Bronze. Aber auch Zeit, um aus dem Turniermodus zurück in den Bundesliga-Betrieb zu schalten. Denn schon am 7. Februar geht es für Heinevetter und seine Füchse Berlin in der Liga beim TBV Lemgo Lippe (19 Uhr, Konferenz frei empfangbar bei Sky Sport News HD) weiter.

Fast eine Million Menschen schauen in den Hallen zu

Bis dahin wird vielleicht auch Vereinskollege Hans Lindberg realisiert haben, was er zusammen mit der dänischen Nationalmannschaft durch den Erfolg im Finale gegen Norwegen (31:22) erreicht hat. Der Kapitän des Berliner Bundesligisten wird als Weltmeister zu seinem Klub zurückkehren. „Immer noch unbeschreiblich“, jubilierte der 37-Jährige am Montagmittag auf Instagram.

18 Tage Euphorie sind Geschichte, 18 Tage, in denen aus einfachen Sportfans wahre Handball-Fans wurden, in denen Deutschland, Dänemark, Norwegen und Co. fast eine Million Zuschauer in den Hallen begeisterten und in der Spitze zwölf Millionen Menschen vor die Fernseher lockten. „Wir haben eine überragende Weltmeisterschaft erlebt“, zog DHB-Präsident Andreas Michelmann Bilanz.

Turnier-Bilanz der Berliner kann sich sehen lassen

Und auch das WM-Fazit aus Sicht der Füchse kann sich sehen lassen: Ein Weltmeister, mit Heinevetter, Paul Drux und Fabian Wiede drei Viertplatzierte, die wohl schon bald stolz auf das sein werden, was sie geleistet haben, und mit Mattias Zachrisson noch ein Schwede, der am Ende auf Rang fünf landete. „Die eigentliche Sensation ist aber, dass wir keinen neuen Verletzten zu verzeichnen haben“, sagt Bob Hanning, Füchse-Geschäftsführer und DHB-Vizepräsident. Natürlich seien alle etwas angeschlagen. „Aber da ist es jetzt Aufgabe unseres Trainer- und Athletikteams, die richtige Balance zwischen Regeneration und Training zu finden“, sagt der Füchse-Boss.

Besonders bei Wiede und Drux. Die beiden Rückraumspieler standen über große Teile jeder Partie auf dem Feld, überzeugten nach der Verletzung von Regisseur Martin Strobel als Denker und Lenker des deutschen Spiels. Wiede glänzte im rechten Rückraum sogar so sehr, dass der 24-Jährige als einziger deutscher Nationalspieler in das Allstar-Team der WM gewählt wurde. „Da sind wir natürlich besonders stolz“, sagt Hanning.

Anfang April wartet das erste Highlight in Hamburg

Angst, dass seine beiden Schützlinge schon bald bei internationalen Topklubs auf dem Wunschzettel stehen könnten, hat der 50-Jährige nicht. „Da werde ich überhaupt nicht nervös. Die Spieler sind bei uns aufgewachsen“, sagt Hanning. „Und ich mache meine Hausaufgaben immer früh genug.“ Und der Berliner Weltmeister? „Hans wird seine Karriere bei uns beenden“, weiß Hanning. Die WM-Leistungen der Füchse-Spieler werden also vor allem eines zur Folge haben. Sie werden Rückenwind für eine hoffentlich erfolgreiche Bundesliga-Rückrunde sein.

Denn die Berliner haben in der zweiten Saisonhälfte viel vor. Allein im Februar warten auf das Team von Trainer Velimir Petkovic drei Partien in der Gruppenphase des EHF-Pokals und vier Bundesliga-Spiele. „Wir freuen uns jetzt auf die Aufgaben im Europapokal und den Bundesligastart gegen Lemgo“, sagt Hanning. Anfang April (6./7.) wartet dann das Final Four im DHB-Pokal in Hamburg. Die erste Chance auf einen Titel.

Wiede, Drux und Co. haben noch bis Donnerstag frei

Im EHF-Pokal soll es ebenfalls so weit gehen – bis ins Finalturnier Mitte Mai (17./18.) in Kiel. Schließlich steht dort das Projekt Titelverteidigung auf internationalem Parkett an. Los geht es schon drei Tage nach dem Bundesligastart gegen die Franzosen von St. Raphael Var (10. Februar, 15 Uhr).

Da kommt es den Füchsen ganz gelegen, dass sie nun auch mit dem einen oder anderen Rückkehrer aus dem Krankenstand rechnen können. Kevin Struck trainierte nach seinen Bänderrissen wieder mit der Mannschaft, und auch Torhüter Malte Semisch hat seinen Bandscheibenvorfall so gut wie überwunden. „Kevin soll schon gegen St. Raphael wieder spielen. Malte kehrt auch bald zurück“, sagt Hanning.

Genau wie die vier WM-Füchse, die am Sonntag noch auf der Platte in Herning standen. Bis Donnerstag haben Lindberg, Wiede, Heinevetter und Drux frei. Aber dann ruft auch für sie der Alltag.