Handball

Die Füchse haben einen Weltmeister

Kapitän Hans Lindberg und Dänemark besiegen Norwegen im Finale und feiern ihren ersten WM-Titel.

Rot-goldener Freudentaumel: Dänemarks Handballer um Füchse-Kapitän Hans Lindberg (3. v. l.) feiern den ersten Weltmeistertitel ihres Landes.

Rot-goldener Freudentaumel: Dänemarks Handballer um Füchse-Kapitän Hans Lindberg (3. v. l.) feiern den ersten Weltmeistertitel ihres Landes.

Foto: Martin Meissner / Foto: Meissner/dpa

Berlin.  Er hatte sich 52 Minuten gedulden müssen, bis auch er bei diesem furiosen Auftritt seiner Mannschaft mitmischen durfte. Doch als Hans Lindberg endlich seine rote Trainingsjacke ausgezogen hatte, war der Profi der Füchse Berlin längst Weltmeister. Denn die Gastgeber aus Dänemark hatten in diesem Finale der Handball-WM am Sonntag zu keinem Moment daran zweifeln lassen, dass sie am Ende die goldene Trophäe Richtung Hallendecke stemmen würden. Das 31:22 (18:11) gegen Norwegen war die Erfüllung des lang ersehnten Titeltraums.

„Es ist das Größte, was es jemals gab. Jetzt werden wir ein riesiges Bier trinken“, sagte Nationalcoach Nikolaj Jacobsen. Und so stand sein Team da im goldenen Glitter-Regen, ließ sich von den 12.000 Fans in der Jyske Bank Boxen in Herning feiern und nahm den Pokal von Kronprinz Frederik entgegen. Der WM-Titel im eigenen Land, der erste in ihrer Handball-Geschichte, er war für die Dänen der einzig logische Schlusspunkt dieses Turniers. In dem sie kein einziges Spiel verloren, nicht einmal einen Punkt abgegeben hatten.

„Wir waren oft nah dran. Daher haben wir es jetzt verdient. Es ist unglaublich“, sagte Mikkel Hansen angesichts der verlorenen WM-Endspiele 1967, 2011 und 2013. Doch vor diesem allerletzten Schritt zur WM-Krone war sogar der große Superstar, der zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt wurde und sich mit 72 Treffern zum besten Torschützen krönte, nervös gewesen. Hansen verwarf schon wenige Sekunden nach dem Anpfiff einen Siebenmeter und fand auch während der folgenden 60 Minuten nie zu der Form, mit der das Rückraum-Ass von Paris Saint-Germain sein Team bis ins Finale befördert hatte. Aber stattdessen sprangen seine Teamkollegen ein. Flensburgs Lasse Svan, Rasmus Lauge und Anders Zachariassen oder Mads Mensah Larsen von den Rhein-Neckar Löwen legten wieder einmal das Tempo vor, das den Olympiasieger von 2016 schon über das gesamte Turnier ausgezeichnet hatte. Und Kiels Torhüter Niklas Landin trieb den Gegner mit zahlreichen Paraden zur Verzweiflung. Mit Hochgeschwindigkeits-Handball, einer kompakten Abwehr und der gnadenlos effizienten Offensive überrannte der Titelfavorit die teils überforderten Norweger.

Die Bundesliga kann sich für die am 7. Februar beginnende Rückrunde also auf zehn Weltmeister freuen. Und einer davon kommt aus Berlin. Auch wenn Lindberg insgesamt nur wenige Minuten auf dem Feld gestanden hatte. Im ersten Vorrundenspiel gegen Chile (39:16) hatte sich der 37 Jahre alte Berliner an der Wade verletzt, war danach aus dem Kader gestrichen worden und erst für das Endspiel wieder reinrotiert.

Doch sein Einsatz auf der Bank oder auf der Tribüne war mindestens so unermüdlich gewesen wie der seiner Teamkollegen auf dem Feld. Auch deshalb gab es von Kronprinz Frederik bei der Siegerehrung nochmal eine besonders herzliche Umarmung.

Schließlich hatten die beiden über weite Strecken der vergangenen Stunde ein Schicksal geteilt. Sie hatten die Dänen auf dem Weg zum erträumten ersten WM-Titel lautstark unterstützt. Aufspringen, jubeln, hinsetzen, aufspringen, jubeln und wieder hinsetzen – und zusehen, wie Dänemark am Ende mit neun Toren Vorsprung in einen kollektiven Freudentaumel verfiel. In den sich dann auch Lindberg mit Söhnchen Aron mischte.