Handball

Serbiens Handballer: Gefürchtet und gefordert

Serbiens Trainer Nenad Perunicic setzt gegen Deutschland auf Kampfgeist und Füchse-Spieler Mijajlo Marsenic.

Foto: ANNEGRET HILSE / REUTERS

Berlin.  Nenad Perunicic marschierte durch die Katakomben der Arena. Man wollte sich dem serbischen Trainer lieber nicht in den Weg stellen. Diesem 2,03 Meter großen Handball-Koloss, der nach den Partien seiner Mannschaft gegen Russland (30:30) und Brasilien (22:24) von guter Laune ungefähr so weit entfernt war wie die serbische Mannschaft nun vom WM-Finale.

„Ich war zu keinem Zeitpunkt enttäuscht, es herrschte eher Wut“, sagte Perunicic nach dem knappen Sieg gegen Korea am Dienstag (31:29). Denn der mühsame Erfolg konnte die vergangenen Leistungen nicht vergessen machen. „Wir hätten die Spiele gegen Russland und Brasilien gewinnen können.“ Wenn er das so sagt, mit grimmigem Blick, könnte man auch sagen, dass sein Team diese Partien hätte gewinnen müssen.

Coach Perunicic wuchs in der Bundesliga zum Profi-Handballer

„Ich bin überwältigt von der mentalen Blockade der Jungs, die scheinbar nicht genug an sich selbst glauben, oder ich habe sie wahrscheinlich nicht gut genug vorbereitet“, haderte Perunicic, der von 1997 bis 2005 bei Kiel, in Magdeburg und der SG Wallau gespielt hat und für den es die erste WM als Cheftrainer ist. Seine Halbzeitansprachen sind gefürchtet, sein Auftreten an der Seitenlinie dominant. Das bekommen seine Spieler des Öfteren zu spüren.

So wie Mijajlo Marsenic. Der Kreisläufer der Füchse Berlin gehört zu den Leistungsträgern im jungen serbischen Team, er hat mit 73 Länderspielen die größte Erfahrung auf dem internationalen Parkett. Als sich der 25-Jährige in der ersten WM-Partie gegen Frankreich einen Cut an der Stirn zuzog, schubste ihn sein Coach Richtung Kabine. Perunicic ging das alles nicht schnell genug. Der Berliner sollte die Schnittwunde klammern und verbinden lassen. Möglichst fix, damit er sich zeitnah wieder auf dem Feld einfinden könnte.

Füchse-Boss Hanning ist zufrieden mit Marsenic’ Leistung

Denn dort ist Marsenic ein wichtiger Baustein, „er spielt eine zentrale Rolle im Spiel der Serben“, sagt Füchse-Geschäftsführer und DHB-Vizepräsident Bob Hanning vor dem Spiel des deutschen Teams heute gegen die serbische Auswahl (18 Uhr, ARD). „Er spielt ein gutes Turnier“, sagt Hanning. Auch Marsenic selbst ist angetan von dieser WM. Die für ihn ja auch irgendwie ein Turnier in der Heimat ist. „Es ist für mich wie zu Hause“, sagt der 2,03-Meter-Hüne. „Ich habe ein paar Fans aus der Schmeling-Halle gesehen, die uns unterstützen, wenn wir in der Bundesliga spielen. Das hat mich echt gefreut.“

Auch Füchse-Trainer Velimir Petkovic hat sich die Partien seines Schützlings angesehen, gesprochen hat Marsenic mit ihm aber nicht. „Ich hoffe, er ist zufrieden.“ Stellvertretend ist zumindest Hanning „sehr zufrieden mit ihm“.

Serben bleibt die Platzierungsrunde in Kopenhagen

Heute trifft Marsenic nun auf seine Vereinskameraden Fabian Wiede, Paul Drux und Silvio Heinevetter. „Wir freuen uns auf das Spiel gegen Deutschland. Gegen den Gastgeber, in Berlin, vor 13.500 Zuschauern. Das ist eine großartige Motivation für uns“, sagt er. Auch wenn Serbien nur noch eine geringe Chance auf den Einzug in die Hauptrunde hat. Dafür müsste Perunicic’ Team schon gewinnen. Und gleichzeitig auf die Niederlagen von Russland und Brasilien hoffen. „Wir glauben an uns. Immer. Und werden versuchen, unser Bestes zu geben. Egal, wie es am Ende ausgeht“, sagt Marsenic.

Ansonsten bleibt den Serben ja auch immer noch der President’s Cup. Wo die in der Vorrunde gescheiterten Mannschaften die übrigen Platzierungen ausspielen. „Die Gegner müssen bei jedem Spiel wissen, es gibt gegen die Serben einen sehr großen Kampf“, sagt Perunicic. Da mag man ihm auch nicht widersprechen.

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