Handball

Füchse Berlin überzeugen dank Qual und Moral

Warum die Berliner Handballer trotz schwieriger Personallage oft über ihr Leistungslimit gehen. Grund ist der Glaube an sich selbst.

Der Däne Jacob Holm (r.) zeigte gegen Aalborg wie seine Mitspieler, was ein Team mit Leidenschaft und unbedingtem Willen erreichen kann.

Der Däne Jacob Holm (r.) zeigte gegen Aalborg wie seine Mitspieler, was ein Team mit Leidenschaft und unbedingtem Willen erreichen kann.

Foto: Sport Moments/Basting / picture alliance / Sport Moments/Basting

Berlin.  Hans Lindberg wollte sich gar nicht erst auf irgendwelche Träumereien einlassen. Die Titelverteidigung im EHF-Pokal? „Das ist noch so weit weg“, sagte der Kapitän der Füchse Berlin. Viel näher war da die furiose Aufholjagd, mit der sein Team am Sonntagnachmittag gegen den dänischen Vertreter aus Aalborg die Frage nach dem wiederholten Titelgewinn überhaupt möglich gemacht hatte.

Das 28:23 (11:13) in der dritten Runde des EHF-Pokals, das den Handball-Bundesligisten aus der Hauptstadt in die Gruppenphase des europäischen Wettbewerbs beförderte, war ein Sinnbild für das, was sich nun seit zwei Jahren in Berlin entwickelt.

Die Füchse hatten gekämpft, sich gegen den zwischenzeitlichen Rückstand von sechs Toren gestemmt und nie den Glauben daran verloren, dass es irgendwie klappen kann mit dem Weiterkommen. Am Ende hatten sie es geschafft. Mit Qual und Moral, einer Mentalität, die Trainer Velimir Petkovic seinem Team einimpft, seit er im Dezember 2016 seine Arbeit bei den Berlinern aufgenommen hat.

Holm und Simak reifen schon früh zu Leistungsträgern

„Wir haben gesehen, was Berlin ist, was diese Mannschaft hier ist, warum wir in dieser Phase, in der wir so viele Verletzte haben, nicht zusammengebrochen sind“, sagte der 62-Jährige, sichtlich stolz angesichts dessen, was sein Team geleistet hatte. Der Coach durfte mit ansehen, wie seine Jungs, die ihm bei neun Verletzten noch geblieben sind, von Minute zu Minute wuchsen. An der Verantwortung, die jeder Spieler übernehmen musste, als die Leistungsträger schwächelten. Oder fehlten. Wie schon während der gesamten Saison. Die eigenen Erwartungen hat bei den Füchsen deswegen aber niemand zurückgeschraubt.

Stattdessen sind eben die zu Schlüsselfiguren gereift, die dafür noch gar nicht vorgesehen waren. Wie Jacob Holm. Der Däne, der in dieser Saison behutsam an den Bundesliga-Alltag herangeführt werden sollte und plötzlich entscheidender Mann im Rückraum ist. Oder Frederik Simak. Der Jungsfuchs, der genau wie Holm im Rückraum mittlerweile fast in jedem Spiel volle 60 Minuten auf dem Feld steht.

Petkovic erwartet im Februar einige Leistungsträger zurück

Sie gehen über ihr Leistungslimit. Eine Einstellung, die den Absturz der Berliner in der Bundesliga verhindert und den Erfolg gegen Aalborg ermöglicht hat. „Petko redet immer über unseren Charakter und Einsatz. Aber man hat deutlich gesehen, was sich entwickelt hat, seit er gekommen ist“, sagte Lindberg mit einer kleinen Liebeserklärung an seinen Coach. „Wir hatten viele schwere Zeiten, aber wir haben immer an uns geglaubt und Erfolg gehabt. Das haben wir in den letzten zwei Jahren richtig stark gemacht.“

Schon in der vergangenen Saison hatten die Füchse im Viertelfinale des EHF-Cups acht Tore gegen Nasice aufgeholt und den Grundstein für den Titel gelegt. Einen ähnlichen Effekt könnte nun auch die Aufholjagd gegen Aalborg haben. Besonders wenn man bedenkt, welche Spieler im kommenden Jahr in den Kader zurückkehren. „Jeder weiß, dass wir in der Gruppenphase im Februar ganz andere Leute auf der Platte stehen haben“, sagte Trainer Petkovic. Und dann ist der Traum von der Titelverteidigung doch durchaus erlaubt.

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