Als Petr Stochl Anfang September beim Heimspiel der Füchse gegen Flensburg in der Schmeling-Halle zu Besuch war, hatte er noch gescherzt, dass er nach Berlin zurückkehre. Aber nicht zwischen die Pfosten. Dass das nur zwei Monate später nicht mehr ganz der Wahrheit entsprechen würde, hätte der einstige Torwart des Handball-Bundesligisten wohl selbst nicht gedacht.

Weil sich mit Malte Semisch (Bandscheibenvorfall) aber nun der neunte Spieler in den Krankenstand verabschiedet hat, wird Routinier Stochl (42) schon beim Spiel gegen die HSG Wetzlar an diesem Donnerstag (19 Uhr, Sky) seinen Platz im Tor einnehmen. „Als Teil dieser tollen Füchse-Familie ist es für mich selbstverständlich auszuhelfen“, sagt Stochl. Semisch wird vier Wochen ausfallen, Fredrik Genz, dritter Torwart, fehlt auch noch eine Woche verletzt, den Engpass wird Stochl nun überbrücken.

Trainer Petkovic vertraut Gojun und Schmidt

Eigentlich hatte der Tscheche seine Karriere nach zwölf Jahren bei den Füchsen im Sommer beendet. Und ist seit Saisonstart Torwarttrainer von Silvio Heinevetter und Semisch. Nun feiert das erfolgreiche Torhüter-Duo der vergangenen Jahre die Wiedervereinigung. Heinevetter und Stochl waren die große Konstante beim EHF-Pokalsieger, ein Erfolgsgarant.

Und Erfolg ist das, was der verletzungsgebeutelte Tabellensechste gerade gut gebrauchen kann. Bei der Niederlage gegen Stuttgart (25:30) vergangenen Donnerstag offenbarte das Team von Trainer Velimir Petkovic einen erschreckend harmlosen Rückraum, ein daraus resultierendes schwaches Offensivspiel und ungewöhnliche Lücken in der Abwehr. „Wenn ich sehe, dass wir gegen Stuttgart so leichte Tore kassiert haben, da war ich richtig unzufrieden mit der Deckung“, sagt Coach Petkovic. Denn es war im bisherigen Verlauf der Saison doch immer seine Abwehr, auf die er sich verlassen konnte. Der Mittelblock mit 2,04-Meter-Riese Jakov Gojun und Kreisläufer Erik Schmidt, er war das so wichtige Vorhängeschloss, das die Abwehrkette zusammenhielt. Und das nur wenige gegnerische Offensivreihen knacken konnten.

Erste Stammkräfte kommen Anfang Dezember zurück

Deshalb kommt es auch in den nächsten dreieinhalb Wochen, in denen in der Liga und im EHF-Pokal sechs Partien anstehen, auf die Defensive an. „Ich bleibe dabei. Wenn es vorne nicht so gut läuft, kannst du ein Spiel nur durch gute Deckung drehen. Ich will, dass das jeder Spieler versteht“, sagt der 62-Jährige, der aus Mangel an Offensiv-Alternativen im Angriff mit zwei Kreisläufern spielen lässt. Dass der dezimierte Kader gerade durch vier Akteure aus der zweiten Mannschaft verstärkt wird, macht die Umsetzung dieses Spielverständnisses nicht einfacher. „Diese Jungen sind richtig gute Leute, geben in jedem Training 100 Prozent. Aber es ist natürlich nicht einfach, wenn man so jungen Spielern plötzlich sagt, du musst 60 Minuten Bundesliga spielen. Deshalb müssen wir erfahrene Leute jetzt noch ein bisschen mehr machen“, weiß auch Gojun um seine Verantwortung.

Denn die nächsten Partien sind richtungsweisend. „Irgendwie muss es klappen, oder wir sind unten“, sagt Petkovic. Bis Stammkräfte wie Fabian Wiede und Paul Drux Anfang Dezember in den Kader zurückkehren, kämpfen die Füchse nach zwei Niederlagen in Folge gegen den Absturz. „Wir haben jetzt ein schweres Programm. Wetzlar, Melsungen, Kiel. Jetzt gilt es: Kopf hoch und weitermachen“, sagt Gojun. Für zwei Wochen zusammen mit Stochl. Und der weiß ja jetzt, wie schnell sich Dinge ändern können.