Michael Kraus tritt an den Siebenmeterpunkt, er täuscht den Wurf an. Im Tor der Füchse zuckt Silvio Heinevetter kurz nach rechts, dann fliegt der Ball auch schon an ihm vorbei ins Tor. Unhaltbar. Treffer für Stuttgart und nach 47 Minuten bereits das zehnte Tor für den Handball-Weltmeister von 2007. Am Ende waren es elf (davon sechs Siebenmeter) und Kraus damit einer der Gründe, warum die Füchse im Bundesligaspiel gegen TVB Stuttgart vor 7131 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle mit 25:30 (12:17) verloren.
„Ich bin richtig enttäuscht, aber das ist Sport, irgendwann kommt so etwas mal“, sagte Füchse-Trainer Velimir Petkovic. „Stuttgart hat die richtige Taktik gegen uns gefunden, der Sieg war für sie verdient.“ Das sah auch Geschäftsführer Bob Hanning so, „denn wir hatten in der ersten Hälfte keinen Zugriff, haben Kraus die Chance zum Wurf gegeben und uns das Leben schwer gemacht.“
Seit Wochen haben die Füchse mit zahlreichen Verletzten zu kämpfen, fast die Hälfte des Kaders fehlt langfristig. Die Füchse können die ganzen Ausfälle nur schwer kompensieren, am Ende fehlten Kraft und Konzentration. „Aber da müssen wir mal durch“, sagte Hanning. „Das ist eine echte Herausforderung und spannend zu sehen, wie wir die Situation meistern.“ Von einer Krise will der Manager nicht reden. „Ich glaube nicht, dass wir unten sind. Noch nicht. Aber es war irgendwie auch klar, dass so etwas mal passiert.“ Kraus (35), einst „Bravo-Boy des Jahres“ sowie enger Freund von Petkovic seit der gemeinsamen Zeit in Göppingen, federte derweil leichten Schrittes in die Kabine. Er machte in der Partie den Unterschied. Gemeinsam mit Johannes Bitter, ebenfalls Weltmeister von 2007, und noch immer mit überragenden Reflexen ausgestattet. Dem 36-Jährigen gelangen in seinem 500. Bundesligaspiel 14 Paraden, er zog den Berliner Angreifern den Nerv.
Die Füchse starteten gleich mit mehreren Fehlwürfen in die Partie, sodass sie in Rückstand gerieten (3:6/14. Minute). Dazu gesellten sich Passfehler, die immer wieder zu Kontern führten (7:10/21.). Die Gäste aus Stuttgart nahmen die Geschenke der Berliner nur allzu gern an. Die Berliner mühten sich nach den noch zur Verfügung stehenden Kräften, aber die Wende gelang ihnen nicht mehr.



