Neun Verletzte, ein Krankheitsfall – die Füchse Berlin sind derzeit arg gebeutelt. Und so füllen sie für die Handball-Bundesligapartie an diesem Donnerstag gegen TVB Stuttgart (19 Uhr, Max-Schmeling-Halle) ihren Kader mit Nachwuchsspielern auf. Auch über Berlins Grenzen hinweg erlebte der Handball jüngst schwere Rückschläge. So muss Frankreich die Titelverteidigung bei der WM im Januar in Deutschland und Dänemark ohne Superstar Nikola Karabatic (Fuß-OP) angehen, den Ausfall von Nationalspieler Julius Kühn (Kreuzbandriss) bezeichnete Füchse-Boss und DHB-Vizepräsident Bob Hanning als „Drama“. Füchse-Kapitän Hans Lindberg (37) beklagt die Überbelastung und erzählt, wie die Füchse damit umgehen.
Herr Lindberg, bei den Füchsen fällt die halbe Mannschaft aus. Wie löst man das?
Hans Lindberg: Natürlich sind das jetzt ganz andere Voraussetzungen, aber Jammern hilft da wenig. Stuttgart setzt ja nicht aus lauter Solidarität auch neun Spieler auf die Tribüne. Durch die vielen Jungen agiert man mehr im Basisbereich. Es darf alles nicht zu kompliziert sein. Und bei uns gilt eh der Grundsatz, dass Einsatz und Leistung zu einhundert Prozent stimmen müssen, unabhängig davon, wieviel Verletzte wir haben. Das ist auch immer eine Frage des Charakters – und den haben wir.
Im Angriff fehlt es aber an Optionen. Mit Frederik Simak und Jacob Holm stehen nur noch zwei Rückraumspieler zu Verfügung, nachdem sich Wael Jallouz am Dienstag krank gemeldet hat.
Im Angriff versuchen wir, cleverer zu agieren. Normal spielen wir sehr schnellen Handball, der auf hohem technischen Niveau ist. Doch derzeit fehlen uns die Spieler dafür, wir haben im rechten Rückraum zum Beispiel keine Linkshänder, das ist eine Hypothek im Handball. Wir können viele einstudierte Spielzüge gar nicht umsetzen.
Die Verletzungen der Spieler sind weniger muskulär, sondern oft Folgen von Unfällen im Spiel, die leider passieren können.
Das sehe ich anders. Es ist doch so, dass wir aufgrund des Pogramms einer sehr hohen Gesamtbelastung ausgesetzt sind. Wir haben in diesem Sommer nur zweieinhalb Wochen Urlaub gehabt, das ist zu wenig, damit der Körper einmal richtig regeneriert. Und dann müssen wir über die gesamte Saison das Topniveau abrufen. Als Nationalspieler hast du dann im Januar noch eine EM oder WM. Da ist man irgendwann müde, und dann erleidest du auch mal eine Verletzung, wo der Körper einfach einknickt. So ist es beim Super Globe in Katar Fabian Wiede, Mattias Zachrisson und Kevin Struck passiert. Der Körper ist bei der Dauerbelastung nicht mehr stets wachsam.
Die starke Belastung im Handball ist schon sehr lange der Fall. Warum ändert sich das nicht?
Weil keiner auf uns Spieler hört. Und dann werden jetzt auch noch die Teilnehmerzahlen bei EM und WM aufgestockt. Alle wollen immer mehr und mehr – und keiner ist bereit, abzuspecken. Die quantitative Belastung ist einfach zu hoch.
Eine Lösung wäre ein größerer Kader zu Saisonbeginn, der verletzungsbedingte Ausfälle zu kompensieren vermag.
Klar, dann hast du Verhältnisse wie bei Ungars Spitzenklub Veszprem. Aber 30 Spieler im Kader kosten sehr viel Geld, das kann sich kaum einer leisten. Noch schlimmer ist es für die Teams, die auch noch in der Champions League spielen. Wenn ich unsere aktuellen Ausfälle sehe, ist es gut, dass wir keine Wildcard für die Königsklasse bekommen haben.
Viele Bundesliga-Mannschaften trifft die Mehrfachbelastung gar nicht. Die Situation ist demnach komplex.
Sechs Mannschaften in der Bundesliga spielen in europäischen Wettbewerben, und diese Teams haben auch viele Nationalspieler. Die zwölf anderen Teams dagegen haben ihre Bundesligapartien und dann vielleicht noch zwei Pokalspiele, das war’s. Da bleibt in der Tat genug Zeit zum Regenerieren.
Dabei haben die Füchse jetzt mit 19 Spielern den größten Kader aller Zeiten. Auch aus der Erfahrung heraus, dass es vergangene Saison schon sehr viele Verletzte gab.
Das stimmt, das Verletzungspech ist jetzt einfach auch zu krass. Das habe ich so noch nie erlebt. Fakt ist, dass die noch gesunden Spieler jetzt fast alle 60 Minuten durchspielen müssen und sie das auch anfälliger macht. Weil sie keine Verschnaufpausen erhalten oder kleine Malaisen auskurieren können. Optimal ist anders. Während des Spiels ist das kein Problem, wir alle lieben und leben den Handball. Aber die Zeit dazwischen hat man zu kämpfen. Man will sich ja auch verbessern und im Laufe einer Saison immer ein paar Prozente drauflegen.
Macht Ihr Job Ihnen da noch Spaß?
Auf jeden Fall, Handball macht immer Spaß. Und ich gehe jeden Tag an meine Grenze.
Sind andere europäische Ligen im Vorteil?
Wir haben mit der hohen Belastung in der Tat ein speziell deutsches Problem. Die Franzosen zum Beispiel haben eine kleinere Liga mit nur 14 Mannschaften, sie fangen auch erst Anfang August mit der Vorbereitung an. Wir haben schon am 11. Juli begonnen. Das gleiche gilt für Ungarn, Dänemark und auch Spanien. Natürlich wollen die Zuschauer in allen Ligen die Topstars sehen, aber irgendwann macht der Körper da nicht mehr mit.
Eine Option wäre ein Rückzug aus der Nationalmannschaft.
Klar, aber der Handball ist auch stark vom Erfolg der Nationalteams abhängig. Da müssen die Besten spielen. Und der Status als Nationalspieler bestimmt auch unseren Marktwert.
Alexandra Gross
Berlin x
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Insgesamt neun Verletzte, dazu droht Jallouz krankheitsbedingt auszufallen.
Füchse aus Doha mit vier weiteren Verletzten. In Frankreich Superstar Nikola Karabatic. Zuletzt auch Julius Kühn mit Kreuzbahndriss und WM-Aus.
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Berliner Morgenpost: Neun Verletzte, trotzdem zuletzt in der Liga bei Meister Rhein-Neckar Löwen achtbar geschlagen. Jetzt gegen Stuttgart.
Hans Lindberg: Natürlich ist das etwas Anderes, wenn fast der halbe Kader fehlt, aber Jammern hilft da wenig. Stuttgart lässt aus lauter Solidarität jetzt nicht auch neun Spieler auf die Tribüne. Durch die vielen jungen Spieler, die den Kader auffüllen, damit wir überhaupt eine Mannschaft zusammen bekommen, agiert man mehr im Basisbereich. Es darf alles nicht zu kompliziert sein. Und bei uns gilt eh der Grundsatz, dass Einsatz und Leistung zu einhundert Prozent stimmen müssen, unabhängig davon, wieviel Verletzte wir haben. Das ist auch immer eine Frage des Charakteres, und den haben wir. Trotz des dezimierten Kaders stehen wir in der Abwehr immer noch richtig gut.
Nur im Angriff fehlt es an Optionen. Mit Frederik Simak und Jacob Holm sind nur noch zwei richtige Rückraumspieler zu Verfügung, nachdem sich Wael Jallouz am Dienstag krank gemeldet hat.
Im Angriff suchen wir Lösungen, versuchen dort, cleverer zu ageren. Normal spielen wir sehr schnellen Handball, der auf einem hohen technischem Niveau ist. Doch derzeit fehlen uns die Spieler dafür, wir haben im rechten Rückraum zum Beispiel keine Linkshänder, das ist eine Hypotek im Handball. Wir können viele von uns einstudierte Spielzüge gar nicht umsetzen, es entsteht einfach ein anderes Handballspiel.
Sie spielen jetzt schon xx Jahre Profi-Handball. Wann haben Sie mit einer Mannschaft zuletzt neun Verletzte gleichzeitig beklagen müssen?
Das habe ich noch nie erlebt.
Dabei handelt es sich weniger um muskuläre Verletzungen, sondern vielmehr um Folgen von Zusammenstößen oder Unfällen im Spiel, die leider passieren können.
Da sehe ich anders. Es ist doch so, dass wir Handballprofis aufgrund des Pogramms einer sehr hohen Gesamtbelastung ausgesetzt sind. Wir haben in diesem Sommer nur zweieinhalb Wochen Urlaub gehabt, das ist zu wenig, damit sich der Körper einmal richtig regeneriert und er einmal wieder finden kann. Und dann müssen wir über die gesamte Saison das Topniveau abrufen. Als Nationalspieler hast du dann im Januar entweder eine EM oder WM. Da ist der Körper dann irgendwann auch einmal müde, und dann erleidest du auch mal eine Verletzung, wo der Körper einfach einknickt. So ist es beim Super Globe in Katar Fabian Wiede, Mattias Zachrisson und Kevin Struck passsiert. Der Körper ist mit einem gewissen Maß an Dauerbelastung nicht mehr stets wachsam, er macht da manchmal seine eigene Sachen.
Das ist im Handball aber schon sehr lange der Fall. Warum ändert sich das nicht?
Weil keiner auf die Spieler hört. Und dann werden jetzt auch noch EM und WM vom Mannschaftsfeld her aufgestockt. Alle wollen immer mehr und mehr. Und keiner ist bereit, abzuspecken. Die quantitative Belastung ist einfach zu hoch.
Eine Lösung wäre ein größerer Kader zu Saisonbeginn, der verletzungsbedingt Ausfälle dann zu kompensieren vermag.
Klar, dann hast du Verhälntisse wie bei Ungars Spitzenklub Veszprem. Aber das kostest wieder viel Geld und kann sich kaum einer leisten. Noch schlimmer ist es für die Teams, die auch noch in der Champions League spielen. Wenn ich unsere aktuellen Ausfälle sehe, ist es gut, dass wir keine Wildcard für die Königsklasse bekommen haben.
Viele Bundesliga-Mannschaften trifft die Mehrfachbelastung gar nicht. Die Situation ist komplex.
Sechs Mannschaften in der Bundesliga spielen in europäischen Wettbewerben, und diese Teams haben auch viele Nationalspieler. Die zwölf anderen Teams dagegen haben ihre Bundesligapartien und dann vielleicht noch zwei Pokalspieler, das war’s. Da bleibt in der Tat genug Zeit zum Regenerieren.
Dabei haben die Füchse jetzt mit 19 Spielern den größten Kader seit dem Aufstieg in die Bundesiga 2007. Auch aus der Erfahrung heraus, dass es in der vergangene Saison schon sehr viele Verletzte gab.
Da stimmt, aber das Verletzungspech jetzt ist einfach auch zu krass. Fakt ist, dass die noch gesunden Spieler jetzt fast alle 60 Minuten durchspielen müssen und sie das natürlich damit auch anfälliger macht. Weil sie nicht die nötigen Verschnaufpausen erhalten oder kleine Malaisen auskurieren können. Optimal ist in der Tat etwas anderes. Während des Spiels ist das kein Problem, wir alle lieben und leben den Handball und werfen uns voll rein. Aber die Zeit dazwischen hat man zu kämpfen. Man will sich ja auch verbessern und im Laufe einer Saison immer ein paar Prozente drauflegen.
Macht Ihr Job ihnen da noch Spaß?
Auf jeden Fall, Handball macht immer Spaß. Und ich gehe jeden Tag an meine Grenze.
Sind andere europäische Ligen im Vorteil?
Wir haben mit der hohen Belastung in der Tat ein speziell deutsches Problem. Die Franzosen zum Beispiel haben eine kleinere Liga mit nur 14 Mannschaften, sie fangen auch erst Anfang August mit der Vorbereitung an. Wir haben am 11. Juli begonnen. Das gleiche gilt für Ungarn, Dänemark und auch Spanien. Natürlich wollen die Zuschauer in allen Ligen die Topstars sehen, aber irgendwann macht der Körper da nicht mehr mit.
Eine Option wäre ein Rückzug aus der Nationalmannschaft.
Klar, aber der Handball ist auch stark vom Erfolg der Nationalteams abhängig. Da müssen die Besten spielen. Und der Status als Nationalspieler bestimmt auch unseren Marktwert.
Bei der großen Belastung, wo entspannen Sie?
Die Familie ist mein Rückzugsort. Da haben wir viel Spaß, ich finde die nötige Entspannung und Ruhe.
Alexandra Gross
Berlin x
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Insgesamt neun Verletzte, dazu droht Jallouz krankheitsbedingt auszufallen.
Füchse aus Doha mit vier weiteren Verletzten. In Frankreich Superstar Nikola Karabatic. Zuletzt auch Julius Kühn mit Kreuzbahndriss und WM-Aus.
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Berliner Morgenpost: Neun Verletzte, trotzdem zuletzt in der Liga bei Meister Rhein-Neckar Löwen achtbar geschlagen. Jetzt gegen Stuttgart.
Hans Lindberg: Natürlich ist das etwas Anderes, wenn fast der halbe Kader fehlt, aber Jammern hilft da wenig. Stuttgart lässt aus lauter Solidarität jetzt nicht auch neun Spieler auf die Tribüne. Durch die vielen jungen Spieler, die den Kader auffüllen, damit wir überhaupt eine Mannschaft zusammen bekommen, agiert man mehr im Basisbereich. Es darf alles nicht zu kompliziert sein. Und bei uns gilt eh der Grundsatz, dass Einsatz und Leistung zu einhundert Prozent stimmen müssen, unabhängig davon, wieviel Verletzte wir haben. Das ist auch immer eine Frage des Charakteres, und den haben wir. Trotz des dezimierten Kaders stehen wir in der Abwehr immer noch richtig gut.
Nur im Angriff fehlt es an Optionen. Mit Frederik Simak und Jacob Holm sind nur noch zwei richtige Rückraumspieler zu Verfügung, nachdem sich Wael Jallouz am Dienstag krank gemeldet hat.
Im Angriff suchen wir Lösungen, versuchen dort, cleverer zu ageren. Normal spielen wir sehr schnellen Handball, der auf einem hohen technischem Niveau ist. Doch derzeit fehlen uns die Spieler dafür, wir haben im rechten Rückraum zum Beispiel keine Linkshänder, das ist eine Hypotek im Handball. Wir können viele von uns einstudierte Spielzüge gar nicht umsetzen, es entsteht einfach ein anderes Handballspiel.
Sie spielen jetzt schon xx Jahre Profi-Handball. Wann haben Sie mit einer Mannschaft zuletzt neun Verletzte gleichzeitig beklagen müssen?
Das habe ich noch nie erlebt.
Dabei handelt es sich weniger um muskuläre Verletzungen, sondern vielmehr um Folgen von Zusammenstößen oder Unfällen im Spiel, die leider passieren können.
Da sehe ich anders. Es ist doch so, dass wir Handballprofis aufgrund des Pogramms einer sehr hohen Gesamtbelastung ausgesetzt sind. Wir haben in diesem Sommer nur zweieinhalb Wochen Urlaub gehabt, das ist zu wenig, damit sich der Körper einmal richtig regeneriert und er einmal wieder finden kann. Und dann müssen wir über die gesamte Saison das Topniveau abrufen. Als Nationalspieler hast du dann im Januar entweder eine EM oder WM. Da ist der Körper dann irgendwann auch einmal müde, und dann erleidest du auch mal eine Verletzung, wo der Körper einfach einknickt. So ist es beim Super Globe in Katar Fabian Wiede, Mattias Zachrisson und Kevin Struck passsiert. Der Körper ist mit einem gewissen Maß an Dauerbelastung nicht mehr stets wachsam, er macht da manchmal seine eigene Sachen.
Das ist im Handball aber schon sehr lange der Fall. Warum ändert sich das nicht?
Weil keiner auf die Spieler hört. Und dann werden jetzt auch noch EM und WM vom Mannschaftsfeld her aufgestockt. Alle wollen immer mehr und mehr. Und keiner ist bereit, abzuspecken. Die quantitative Belastung ist einfach zu hoch.
Eine Lösung wäre ein größerer Kader zu Saisonbeginn, der verletzungsbedingt Ausfälle dann zu kompensieren vermag.
Klar, dann hast du Verhälntisse wie bei Ungars Spitzenklub Veszprem. Aber das kostest wieder viel Geld und kann sich kaum einer leisten. Noch schlimmer ist es für die Teams, die auch noch in der Champions League spielen. Wenn ich unsere aktuellen Ausfälle sehe, ist es gut, dass wir keine Wildcard für die Königsklasse bekommen haben.
Viele Bundesliga-Mannschaften trifft die Mehrfachbelastung gar nicht. Die Situation ist komplex.
Sechs Mannschaften in der Bundesliga spielen in europäischen Wettbewerben, und diese Teams haben auch viele Nationalspieler. Die zwölf anderen Teams dagegen haben ihre Bundesligapartien und dann vielleicht noch zwei Pokalspieler, das war’s. Da bleibt in der Tat genug Zeit zum Regenerieren.
Dabei haben die Füchse jetzt mit 19 Spielern den größten Kader seit dem Aufstieg in die Bundesiga 2007. Auch aus der Erfahrung heraus, dass es in der vergangene Saison schon sehr viele Verletzte gab.
Da stimmt, aber das Verletzungspech jetzt ist einfach auch zu krass. Fakt ist, dass die noch gesunden Spieler jetzt fast alle 60 Minuten durchspielen müssen und sie das natürlich damit auch anfälliger macht. Weil sie nicht die nötigen Verschnaufpausen erhalten oder kleine Malaisen auskurieren können. Optimal ist in der Tat etwas anderes. Während des Spiels ist das kein Problem, wir alle lieben und leben den Handball und werfen uns voll rein. Aber die Zeit dazwischen hat man zu kämpfen. Man will sich ja auch verbessern und im Laufe einer Saison immer ein paar Prozente drauflegen.
Macht Ihr Job ihnen da noch Spaß?
Auf jeden Fall, Handball macht immer Spaß. Und ich gehe jeden Tag an meine Grenze.
Sind andere europäische Ligen im Vorteil?
Wir haben mit der hohen Belastung in der Tat ein speziell deutsches Problem. Die Franzosen zum Beispiel haben eine kleinere Liga mit nur 14 Mannschaften, sie fangen auch erst Anfang August mit der Vorbereitung an. Wir haben am 11. Juli begonnen. Das gleiche gilt für Ungarn, Dänemark und auch Spanien. Natürlich wollen die Zuschauer in allen Ligen die Topstars sehen, aber irgendwann macht der Körper da nicht mehr mit.
Eine Option wäre ein Rückzug aus der Nationalmannschaft.
Klar, aber der Handball ist auch stark vom Erfolg der Nationalteams abhängig. Da müssen die Besten spielen. Und der Status als Nationalspieler bestimmt auch unseren Marktwert.
Bei der großen Belastung, wo entspannen Sie?
Die Familie ist mein Rückzugsort. Da haben wir viel Spaß, ich finde die nötige Entspannung und Ruhe.
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Insgesamt neun Verletzte, dazu droht Jallouz krankheitsbedingt auszufallen.
Füchse aus Doha mit vier weiteren Verletzten. In Frankreich Superstar Nikola Karabatic. Zuletzt auch Julius Kühn mit Kreuzbahndriss und WM-Aus.
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Berliner Morgenpost: Neun Verletzte, trotzdem zuletzt in der Liga bei Meister Rhein-Neckar Löwen achtbar geschlagen. Jetzt gegen Stuttgart.
Hans Lindberg: Natürlich ist das etwas Anderes, wenn fast der halbe Kader fehlt, aber Jammern hilft da wenig. Stuttgart lässt aus lauter Solidarität jetzt nicht auch neun Spieler auf die Tribüne. Durch die vielen jungen Spieler, die den Kader auffüllen, damit wir überhaupt eine Mannschaft zusammen bekommen, agiert man mehr im Basisbereich. Es darf alles nicht zu kompliziert sein. Und bei uns gilt eh der Grundsatz, dass Einsatz und Leistung zu einhundert Prozent stimmen müssen, unabhängig davon, wieviel Verletzte wir haben. Das ist auch immer eine Frage des Charakteres, und den haben wir. Trotz des dezimierten Kaders stehen wir in der Abwehr immer noch richtig gut.
Nur im Angriff fehlt es an Optionen. Mit Frederik Simak und Jacob Holm sind nur noch zwei richtige Rückraumspieler zu Verfügung, nachdem sich Wael Jallouz am Dienstag krank gemeldet hat.
Im Angriff suchen wir Lösungen, versuchen dort, cleverer zu ageren. Normal spielen wir sehr schnellen Handball, der auf einem hohen technischem Niveau ist. Doch derzeit fehlen uns die Spieler dafür, wir haben im rechten Rückraum zum Beispiel keine Linkshänder, das ist eine Hypotek im Handball. Wir können viele von uns einstudierte Spielzüge gar nicht umsetzen, es entsteht einfach ein anderes Handballspiel.
Sie spielen jetzt schon xx Jahre Profi-Handball. Wann haben Sie mit einer Mannschaft zuletzt neun Verletzte gleichzeitig beklagen müssen?
Das habe ich noch nie erlebt.
Dabei handelt es sich weniger um muskuläre Verletzungen, sondern vielmehr um Folgen von Zusammenstößen oder Unfällen im Spiel, die leider passieren können.
Da sehe ich anders. Es ist doch so, dass wir Handballprofis aufgrund des Pogramms einer sehr hohen Gesamtbelastung ausgesetzt sind. Wir haben in diesem Sommer nur zweieinhalb Wochen Urlaub gehabt, das ist zu wenig, damit sich der Körper einmal richtig regeneriert und er einmal wieder finden kann. Und dann müssen wir über die gesamte Saison das Topniveau abrufen. Als Nationalspieler hast du dann im Januar entweder eine EM oder WM. Da ist der Körper dann irgendwann auch einmal müde, und dann erleidest du auch mal eine Verletzung, wo der Körper einfach einknickt. So ist es beim Super Globe in Katar Fabian Wiede, Mattias Zachrisson und Kevin Struck passsiert. Der Körper ist mit einem gewissen Maß an Dauerbelastung nicht mehr stets wachsam, er macht da manchmal seine eigene Sachen.
Das ist im Handball aber schon sehr lange der Fall. Warum ändert sich das nicht?
Weil keiner auf die Spieler hört. Und dann werden jetzt auch noch EM und WM vom Mannschaftsfeld her aufgestockt. Alle wollen immer mehr und mehr. Und keiner ist bereit, abzuspecken. Die quantitative Belastung ist einfach zu hoch.
Eine Lösung wäre ein größerer Kader zu Saisonbeginn, der verletzungsbedingt Ausfälle dann zu kompensieren vermag.
Klar, dann hast du Verhälntisse wie bei Ungars Spitzenklub Veszprem. Aber das kostest wieder viel Geld und kann sich kaum einer leisten. Noch schlimmer ist es für die Teams, die auch noch in der Champions League spielen. Wenn ich unsere aktuellen Ausfälle sehe, ist es gut, dass wir keine Wildcard für die Königsklasse bekommen haben.
Viele Bundesliga-Mannschaften trifft die Mehrfachbelastung gar nicht. Die Situation ist komplex.
Sechs Mannschaften in der Bundesliga spielen in europäischen Wettbewerben, und diese Teams haben auch viele Nationalspieler. Die zwölf anderen Teams dagegen haben ihre Bundesligapartien und dann vielleicht noch zwei Pokalspieler, das war’s. Da bleibt in der Tat genug Zeit zum Regenerieren.
Dabei haben die Füchse jetzt mit 19 Spielern den größten Kader seit dem Aufstieg in die Bundesiga 2007. Auch aus der Erfahrung heraus, dass es in der vergangene Saison schon sehr viele Verletzte gab.
Da stimmt, aber das Verletzungspech jetzt ist einfach auch zu krass. Fakt ist, dass die noch gesunden Spieler jetzt fast alle 60 Minuten durchspielen müssen und sie das natürlich damit auch anfälliger macht. Weil sie nicht die nötigen Verschnaufpausen erhalten oder kleine Malaisen auskurieren können. Optimal ist in der Tat etwas anderes. Während des Spiels ist das kein Problem, wir alle lieben und leben den Handball und werfen uns voll rein. Aber die Zeit dazwischen hat man zu kämpfen. Man will sich ja auch verbessern und im Laufe einer Saison immer ein paar Prozente drauflegen.
Macht Ihr Job ihnen da noch Spaß?
Auf jeden Fall, Handball macht immer Spaß. Und ich gehe jeden Tag an meine Grenze.
Sind andere europäische Ligen im Vorteil?
Wir haben mit der hohen Belastung in der Tat ein speziell deutsches Problem. Die Franzosen zum Beispiel haben eine kleinere Liga mit nur 14 Mannschaften, sie fangen auch erst Anfang August mit der Vorbereitung an. Wir haben am 11. Juli begonnen. Das gleiche gilt für Ungarn, Dänemark und auch Spanien. Natürlich wollen die Zuschauer in allen Ligen die Topstars sehen, aber irgendwann macht der Körper da nicht mehr mit.
Eine Option wäre ein Rückzug aus der Nationalmannschaft.
Klar, aber der Handball ist auch stark vom Erfolg der Nationalteams abhängig. Da müssen die Besten spielen. Und der Status als Nationalspieler bestimmt auch unseren Marktwert.
Bei der großen Belastung, wo entspannen Sie?
Die Familie ist mein Rückzugsort. Da haben wir viel Spaß, ich finde die nötige Entspannung und Ruhe.


