Als sich Silvio Heinevetter am Montag mit den anderen Handball-Nationalspielern in Wetzlar zum Lehrgang traf, waren viele Geschenke wohl noch gar nicht ausgepackt. Nach dem Bundesligaspiel der Füchse Berlin bei den Rhein-Neckar Löwen (25:28) am Sonntag ging es für Heinevetter, der seinen 34. Geburtstag gefeiert hatte, weiter nach Hessen. Nach fünf Spielen in acht Tagen war keine Zeit zum Durchschnaufen. Und auch nicht zum Geschenke auspacken.

Denn schon am Mittwoch gegen Israel (19 Uhr) steht für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) das erste von zwei Qualifikationsspielen zur EM 2020 an. Am Sonntag reist das Team von Bundestrainer Christian Prokop nach Pristina zur Partie gegen den Kosovo (19.30 Uhr). „Zwei Siege sind absolute Pflicht. Über Resultate sollten wir uns angesichts dieser beiden Gegner nicht unterhalten“, sagte Füchse-Geschäftsführer und DHB-Vizepräsident Bob Hanning zu den letzten Pflichtspielen vor der WM in Deutschland und Dänemark (10. bis 27. Januar 2019).

DHB-Präsident Michelmann kontert Pekelers Kritik

Der 50-Jährige forderte nach zuletzt enttäuschenden Turnieren (Platz neun bei EM 2018 und WM 2017) hundertprozentige Bereitschaft für den sportlichen Erfolg. „Wir sollten uns voll auf die 40x20 Meter des Spielfeldes fokussieren. Das täte uns allen gut“, sagte Hanning. Vor allem, weil der Fokus zuletzt weit außerhalb dieser Begrenzung lag und für ordentlich Unruhe im Handball-Kosmos sorgte. Es war mal wieder die Belastung der Spieler, die zu heftigen Debatten zwischen Verband und in diesem Fall Hendrik Pekeler (THW Kiel) führte. Der Abwehrchef des DHB-Teams sorgte sich um die Gesundheit der Spieler und machte die hohe Belastung für die schwindende Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga im internationalen Vergleich verantwortlich.

Eine Menge Zündstoff für eine Diskussion, die im deutschen Handball seit mehr als 20 Jahren geführt wird. Dass Pekeler dann auch noch monierte, dass „nicht mehr im Interesse der Sportler sondern nur der Funktionäre entschieden“ werde, rief DHB-Präsident Andreas Michelmann auf den Plan. Das sei „Unsinn“, die Bundesliga habe sich zuletzt intensiv dafür eingesetzt, dass die Belastung nicht höher wird.

Verkleinerung der Liga würde kleine Klubs bedrohen

Dennoch blieb Pekeler mit seiner Kritik nicht allein. Teamkollege Patrick Wiencek schlug eine Reduzierung der Liga von 18 auf 14 Teams vor. Ex-Weltmeister Holger Glandorf (SG Flensburg-Handewitt) bemängelte die kurze Sommerpause. Drei Wochen seien „viel zu wenig, um richtig zu regenerieren“, sagte der 35-Jährige. Vor allem, wenn es für einen Spieler die Regel ist, durch Champions League und DHB-Pokal mehr als 60 Spiele pro Saison zu machen. Ein Schicksal, das in dieser Spielzeit den Rhein-Neckar Löwen blüht.

Doch eine längere Sommerpause würde zu Lasten des Nationalteams gehen, das nach Saisonende noch Länder- und Qualifikationsspiele bestreitet. Zudem würde eine kleinere Liga finanzielle Einbußen nach sich ziehen. Denn weniger Spiele bedeuten auch weniger Einnahmen. Gerade für die kleinen Klubs ein existenzbedrohendes Szenario.

Wiede, Zachrisson und Reißky kehren bei den Füchsen Anfang Dezember zurück

Es ist offensichtlich: Eine einfache Lösung gibt es in diesem Konflikt nicht. Und die Verantwortlichen befürchten, dass die Unruhe auch noch Auswirkungen auf die WM haben könnte. „Wir sind alle gut beraten, unseren Job zu 100 Prozent zu machen und uns nicht mit Nebenkriegsschauplätzen zu befassen. Solche Dinge sind so kurz vor einer WM im eigenen Land nicht zielführend“, sagte Hanning, der sich am Montag noch über gute Nachrichten von den Füchsen freuen konnte. Gleich drei verletzte Spieler werden wohl früher fit sein als bisher erwartet. Fabian Wiede (Innenbandverletzung), Mattias Zachrisson (Bänderrisse) und Christoph Reißky (Außenbandriss im Knie), die sich bei der Klub-WM in Doha verletzt hatten, werden Anfang Dezember ins Team zurückkehren.