Als die Füchse Berlin am Sonnabendmittag am Flughafen in Frankfurt/Main landeten, hatten sie gleich mehrere Paar Krücken im Gepäck. Nicht aber den Pokal des Klub-Weltmeisters. Dieser Kurztrip nach Doha in die katarische Wüste zum Super Globe, der inoffiziellen Klub-WM, den hatte sich der Handball-Bundesligist definitiv anders vorgestellt.

Denn statt mit dem Preisgeld von 400.000 Dollar (knapp 350.000 Euro) das Minus von einer halben Million Euro, mit dem die Füchse in die Saison gestartet waren, mehr als zu halbieren, haben sie ihre Verletztenliste verdoppelt. Nun sind die 250.000 Dollar (knapp 220.000 Euro) Prämie nach dem verlorenen Finale gegen den FC Barcelona (24:29) nur noch Schmerzensgeld.

Endgültige Diagnosen erst am Montag

Denn das Lazarett der Berliner hat durch die Verletzungen von Linksaußen Kevin Struck (Bänderrisse), den Rechtsaußen Christoph Reißky (Außenbandriss im Knie) und Mattias Zachrisson (Bänderrisse) sowie Spielmacher Fabian Wiede (Verdacht auf Schienbeinabsplitterung und Bänderriss) in Doha gleich vierfachen Zuwachs bekommen. „Endgültige Diagnosen bei Fabi und Zachrisson erwarten wir erst am Montag“, sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. Bei Wiede rechnen die Berliner aber mit einer Zwangspause von sechs bis acht Wochen. Die restlichen sieben Verletzten werden in diesem Jahr wohl nicht mehr aufs Feld zurückkehren. Der Kampf um die Champions-League-Plätze – das erklärte Saisonziel der Füchse – ist inzwischen ein mehr als ambitioniertes Projekt.

Dabei hatten die Berliner zum Saisonstart doch extra alles anders gemacht. Mehr Athletiktraining, weniger mit dem Ball. Die Vermeidung von Verletzungen, sie stand an erster Stelle. Der Plan ging nicht auf. Seit Saisonstart ist fast keine Woche vergangen, in der nicht neue Verletzungsmeldungen aus dem Fuchsbau zu vernehmen waren. Deshalb wird der Kader für das Topspiel bei den Rhein-Neckar Löwen an diesem Sonntag (13.30 Uhr, Sky) nun mit Spielern aus der zweiten Mannschaft aufgefüllt. Linksaußen Tim Matthes, Rückraumspieler Lennart Gliese, der bundesligaerfahrene Rolando Urios und Rechtsaußen Bastian Genty werden das Team in Mannheim verstärken.

Belastungs-Diskussion beschäftigt die Bundesliga

Es wird eine Mammut-Aufgabe für den EHF-Pokalsieger. Das fünfte Spiel in acht Tagen. Und schonen kann Trainer Velimir Petkovic niemanden. Die Belastung ist hoch und wurde durch die Partien in Doha nur noch höher. Angesichts der Tatsache, dass es sich beim Super Globe um ein Einladungsturnier handelt, stellt sich die Frage, wie lohnenswert die Reise im Endeffekt war. „Es gibt viele Mannschaften, die gern Vizeweltmeister wären. Von daher sind wir stolz darauf. Aber wenn man vorher gewusst hätte, was man für einen Preis dafür zahlt, wären wir es vielleicht lieber nicht“, sagte Hanning. Nach dem Spiel in Mannheim ist immerhin eineinhalb Wochen Zeit zum Durchzuatmen. Die nächste Partie steht erst am 1. November (gegen Stuttgart) an. Doch nicht alle Füchse können sich die Verschnaufpause gönnen. Während Wiede verletzt passen muss, bereitet sich Torwart Silvio Heinevetter schon ab Montag mit dem deutschen Nationalteam auf die Qualifikationsspiele zur EM 2020 (Mittwoch gegen Israel, am Sonntag darauf gegen den Kosovo) vor.

Klagen über die hohe Belastung hört man in Berlin trotzdem nicht. Gerade die vergangene Woche ist ja auch ein hausgemachtes Problem. Doch innerhalb der Bundesliga schwelt der Konflikt schon länger. Kiels Hendrik Pekeler, Teamkollege Patrick Wiencek und Flensburgs Holger Glandorf hatten die Überbelastung der Bundesligaspieler kritisiert. Die zu kurze Sommerpause sei das Problem. Darunter leide auch die Konkurrenzfähigkeit der Bundesliga im internationalen Vergleich. Bei den Füchsen wird diese Debatte gerade auf wenig Interesse stoßen. Sie haben genügend eigene Probleme.