Heute treffen die Füchse Berlin beim Super Globe in Doha (Katar) im Viertelfinale auf den brasilianischen Vertreter ES Taubaté (16 Uhr). Ihr Ziel ist das Erreichen des Finals am Freitag, dem Turniersieger winken 400.000 Dollar Prämie. Zweimal schon konnten die Hauptstadt-Handballer die Klub-WM gewinnen (2015, 2016). Das Gefühl des Triumphs kennt auch Wael Jallouz (27), der im vergangenen Jahr mit dem FC Barcelona in Doha gewann, jetzt ist der Nationalspieler für ein Jahr an die Füchse ausgeliehen.
Monsieur Jallouz, welche Bedeutung hat die Klub-WM?
Wael Jallouz: Beim Super Globe treten die besten Vereinsmannschaften der Welt an, das ist großartig. Es ist ein sehr renommiertes Turnier, vom Stellenwert eigentlich nur vergleichbar mit der Champions League, das man unbedingt gewinnen will. Und mit diesem Ziel treten wir auch in Doha an. Natürlich wäre ein Finale gegen Titelverteidiger Barcelona mein absoluter Traum, aber dafür müsste Barcelona voraussichtlich Champions-League-Sieger Montpellier HB aus dem Weg räumen.
Ihr Start bei den Füchsen gestaltete sich schwierig, da Sie auch im Fitnessbereich Nachholbedarf hatten. Auch zuletzt kamen Sie nur wenig zum Einsatz. Wie fühlen Sie sich jetzt?
Ich war in der Tat nicht richtig fit, habe aber in den vergangenen Wochen viel an mir gearbeitet und fühle mich jetzt gut. Ich denke, dass ich physisch wieder gut dabei bin. Ich habe noch eine kleine Entzündung im Auge, die mich aber nicht groß beeinträchtigt. Es geht mir immer besser, ich bin bereit, alles für die Mannschaft der Füchse zu geben.
Sie sind im Juli aus Barcelona nach Berlin umgezogen. Wie gut haben Sie sich hier eingelebt?
Beides sind Weltstädte, daher ist der Unterschied gar nicht so groß, und ich habe mich recht schnell zurechtgefunden. Auch weil ich schon ein bisschen deutsch spreche. Von meiner Wohnung in Mitte erkunde ich die Stadt, gern auch zu Fuß. Und Berlin ist wirklich eine interessante Stadt mit viel internationalem Flair.
In der Saison 2013/2014 haben Sie schon einmal in Deutschland für den Rekordmeister THW Kiel gespielt?
Das war kein leichtes Jahr für mich. Ich war das erste Mal im Ausland, musste mich erst an die Spielweise in der Bundesliga gewöhnen. Bei den Füchsen fühlte ich mich gleich wohl, es geht viel familiärer zu, wir haben neben dem Sport auch Spaß zusammen, die Spieler pflegen ein freundschaftliches Miteinander. Das ist klasse und wichtig für mich.
Haben Sie außerhalb der Füchse schon Fuß gefasst und Freunde gewonnen?
Oh ja, ich hatte auch ein paar Kontakte, die mir geholfen haben, zum Beispiel einen Kumpel, dessen Vater Teamarzt der tunesischen Nationalmannschaft ist. Da kommt man schnell rein, geht öfter mal zusammen Essen.
Sie haben Tunesien 2013 verlassen, spielten in Kiel und Barcelona. Fühlen Sie sich mittlerweile schon mehr als Europäer?
Nun, Heimat bleibt Heimat, für immer, aber man muss sich selbstverständlich anpassen an das Land, in dem man lebt. Ich bin ein Tunesier mit einem Teil europäischer Seele, das trifft es vielleicht am besten.
Sie spielen mit Ihrem Bruder Tarek, der bei Espérance Sportive de Tunis unter Vertrag steht, in der tunesischen Nationalmannschaft, die sich auch für die WM 2019 qualifiziert hat.
Es ist immer eine große Freude und Ehre, für sein Land aufzulaufen. Und die WM in Deutschland und Dänemark wird sicher großartig, weil sie in Ländern stattfindet, wo große Handballbegeisterung herrscht. Die gibt es auch in Tunesien, wo 2005 schon einmal die WM stattgefunden hat. Bei der WM 2019 ist unser erstes Ziel, die Hauptrunde zu erreichen, dafür müssen wir in unserer Sechser-Gruppe unter die ersten Drei kommen, und dann geht es Spiel für Spiel weiter.
Wie ist der Stellenwert von Handball
in Ihrer Heimat?
Sehr groß, Handball ist landesweit klar die Nummer zwei hinter Fußball. Viele Kinder spielen ihn schon auf der Straße, oder sie erlernen ihn in der Schule. Die Sportart wird sehr geachtet und gefördert.



