Handball

Heinevetter hält den Heimsieg fest

Der Nationaltorhüter sichert den Füchsen die zwei Punkte gegen Lemgo. Jetzt fliegen die Berliner mit Zuversicht zur Vereins-WM.

Nationalspieler Silvio Heinevetter hielt gegen Lemgo stark und zeigte 13 Paraden.

Nationalspieler Silvio Heinevetter hielt gegen Lemgo stark und zeigte 13 Paraden.

Foto: Fabian Sommer / dpa

Berlin.  Silvio Heinevetter saß zwei Meter vor seinem Tor auf dem Boden und streckte beide Beine von sich. Sein Blick strahlte hohe Zufriedenheit aus, und von den Rängen der Schmeling-Halle brandete Applaus für das soeben dargebotene Spektakel auf. Binnen weniger Sekunden hatte der Torhüter der Füchse Berlin zwei Würfe der Lemgoer Angreifer abgewehrt; den zweiten, indem er in der für ihn typischen Manier artistisch parallel zum Hallenboden in der Luft hing. Heinevetters Rettungstaten waren der glanzvolle Schlusspunkt unter einer rasanten Bundesligapartie gegen den TBV Lemgo Lippe, die die Füchse vor 7360 Zuschauern mit 29:23 (15:10) gewannen. Mit dem sechsten Bundesligasieg in Serie rückten die Berliner in der Tabelle auf Rang fünf vor.

Natürlich waren die Autogramme des Berliner Schlussmanns nach der Partie heiß begehrt. Heinevetter erfüllte geduldig die Wünsche der Fans, und das trotz einer gewissen Zeitnot. Immerhin musste er noch nach Hause fahren, die Reisetasche packen und dann zum Flughafen Tegel düsen, wo er mit der Mannschaft am Abend zum Super Globe nach Doha abflog. Gedanken an die Vereins-WM in Katar, die am Dienstag mit dem Viertelfinale gegen ES Taubaté aus Brasilien (16 Uhr) beginnt, hatte Heinevetter aber rund um das Lemgo-Spiel noch nicht. „Wenn du nur einen Schritt weiterdenkst, als du musst, dann vergisst du das Gehen. Und wenn da nur fünf Prozent fehlen, dann verlierst du das Spiel heute“, sagte der 33-Jährige und lächelte: „Aber jetzt können wir langsam an den Flughafen denken.“

Lindberg glänzt mit sieben Toren als bester Werfer

Gegen den Tabellenelften aus Lemgo begannen die Fuchse furios mit temporeichem Handball. Der Däne Jacob Holm brachte die Füchse in der 17. Minute mit 9:5 in Führung. „Zicke zacke, zicke zacke, Holm, Holm, Holm“, sangen die Zuschauer. Im Tor zeigte Heinevetter seine Klasse, insgesamt gelangen dem Nationalspieler 13 Paraden, darunter in spielentscheidenden Phasen. „Wir haben sehr gut und konzentriert angefangen und die richtige Einstellung gehabt“, freute sich Cheftrainer Velimir Petkovic, „zur Pause hätten wir eine höhere Führung verdient gehabt.“

Im zweiten Durchgang geriet der Füchse-Motor ein bisschen ins Stottern. Nach einer Sieben-Tore-Führung (18:11/35. Minute) kam Lemgo zweimal auf zwei Tore heran, doch die Berliner behielten souverän die Kontrolle über das Spiel. Weil Heinevetter die wichtigen Würfe hielt und Hans Lindberg im Gegenzug die Siebenmeter verwandelte. Der Kapitän war am Ende mit sieben Toren (davon vier Siebenmeter) bester Berliner Werfer. Und so geriet der Erfolg nie wirklich in Gefahr. „Silvio Heinevetter hat uns am Ende den Zahn gezogen“, gestand Gäste-Trainer Florian Kehrmann ein. Petkovic war einfach froh, dass seine Mannschaft das Spiel so gut nach Hause gebracht habe. „Jetzt fliegen wir die ganze Nacht mit guter Laune zur Vereins-WM.“

Kreisläufer Koch fällt nach Gehirnerschütterung aus

Getrübt wurde die gute Stimmung allerdings von der Verletzung Johan Kochs, der den Flug nach Doha nicht mit antreten konnte. Der Kreisläufer hatte in der 37. Minute eine Schädelprellung erlitten. Eine Untersuchung im Krankenhaus ergab eine Gehirnerschütterung. Gute Nachrichten gab es dafür von Mijajlo Marsenic. Der Serbe ist nach einem Fingerbruch wieder fit, soll beim Super Globe sein Comeback feiern.

Zweimal schon konnten die Füchse die Vereins-WM im Wüstenstaat gewinnen (2015, 2016), im vergangenen Jahr gelang Platz zwei. Dank einer Wildcard dürfen die Berliner nun wieder an dem renommierten Turnier teilnehmen und haben eine machbare Auftakthürde vor der Brust. Insgesamt drei Spiele stehen in Katar an, nach der Rückkehr am Sonnabend nach Frankfurt/Main müssen die Berliner dann am Sonntag bei den Rhein-Neckar Löwen antreten. Das bedeutet fünf Spiele in nur acht Tagen. „Ganz ehrlich, das wird schon eine Mammutaufgabe“, sagte Heinevetter, „so ein Flug kann einem auch ganz schön in den Knochen stecken.“

Geschäftsführer Hanning ist guter Dinge

Fabian Wiede sieht die Belastung mit dem nötigen Pragmatismus: „Wir müssen einfach alle Kräfte bündeln und das Beste rausholen“, sagte der Nationalspieler. Und Trainer Petkovic gab sich wie immer als Vollprofi: „Meine Ziele für den Super Globe sind groß, ich erwarte, das wir mit dem Weltpokal zurückkommen.“ Da stehen freilich noch Top-Teams wie der FC Barcelona oder Champions-League-Sieger Montpellier HB dazwischen.

Dass am Sonntag das Top-Spiel bei den Rhein-Neckar Löwen folgt, ließ Bob Hanning ein bisschen Richtung der Mannheimer sticheln. „Aufgrund der Belastung müssten wir eigentlich unsere A-Jugend zu diesem Spiel schicken“, sagte der Geschäftsführer der Füchse. Die Löwen hatten in der vergangenen Saison nach einem Terminstreit zwischen Europaverband EHF und der Bundesliga ihre Zweitvertretung im Viertelfinale der Champions League bei KS Kielce in Polen antreten lassen. Hanning: „Ich bin aber guter Dinge, dass wir Füchse die Herausforderung meistern.“