Handball

Frederik Simak: Ein Jungfuchs wird erwachsen

Wie vier bestimmte Tage die noch junge Karriere des Rückraumspielers bei den Füchsen Berlin beeinflusst haben.

Frederik Simak (l.) entwickelt sich bei den Füchsen vom Nachwuchstalent

Frederik Simak (l.) entwickelt sich bei den Füchsen vom Nachwuchstalent

Foto: Marco Wolf / picture alliance / Marco Wolf

Berlin.  Als Frederik Simak an den Tag seines Profi-Debüts zurückdenkt, muss er grinsen. Ein Sonntag Ende März 2017, EHF-Pokal gegen den slowenischen Erstligisten RD Riko Ribnica. „Da hab ich eine Rote Karte bekommen. Daran erinnere ich mich noch gut. Das war geil. Also nicht die rote Karte, aber da hab ich auch mein erstes Tor gemacht, ein bisschen spielen dürfen. Das ist immer was Besonderes“, sagt der linke Rückraumspieler der Füchse Berlin.

Solche Tage bleiben wohl jedem Profisportler in Erinnerung. Weil sie prägend sind. Für die Karriere und das eigene Leben. Simak hat schon mehrere solcher Tage in seiner noch jungen Karriere erlebt. Aber es war vor allem dieser Tag im März 2017, der ihn auch selbst verändert hat. „Ich bin seitdem im Kopf ein bisschen ruhiger geworden, bin nicht mehr ganz so aufgeregt, wie beim ersten Mal. Klar, Nervosität ist immer da, aber das wird von Spiel zu Spiel immer besser“, erzählt Simak.

Gegen Minden gelingt ihm eine hundertprozentige Trefferquote

Mittlerweile bekommt der 20-Jährige im Team von Trainer Velimir Petkovic Woche für Woche die Chance, Erfahrungen auf der großen Handball-Bühne zu sammeln. So wie an einem Donnerstagabend Ende August. Wieder so ein prägender Tag. Simak lief im ersten Heimspiel der Saison gegen Minden zum fünften Mal mit entschlossenem Blick zur Siebenmetermarke. Und zum fünften Mal zimmerte er den Ball unter die Latte. Am Ende steuerte er sechs Tore zum ersten Füchse-Sieg der neuen Spielzeit bei. Trefferquote: 100 Prozent.

Simak gab sich danach zurückhaltend. Er wollte nicht so viel über die Siebenmeter reden und schon gar nicht über sich. Dabei war es der Tag, an dem aus dem Jungfuchs endgültig ein Bundesligaspieler wurde. Seitdem pendelt der 1,96 Meter große Rechtshänder nicht mehr zwischen den Handball-Welten. Zwischen zweiter Mannschaft und dem Erstligateam, zwischen dritter Spielklasse und Oberhaus. Und er wird auch an diesem Sonntag im Heimspiel gegen den TBV Lemgo Lippe (13.30 Uhr, Schmeling-Halle) zum Stammpersonal gehören.

Trainer Petkovic will den Jungstar nicht zu schnell loben

Doch dafür ist nicht allein sein Können vom Siebenmeterpunkt verantwortlich. Die Strafwürfe, das betonen sie bei den Füchsen alle, sie sind nicht das, was den jungen Berliner auszeichnen. Und auch für Simak selbst sind die Siebenmeter nur „ein schöner Bonus“, mit denen er sich „gut auszeichnen“ kann. Doch Coach Petkovic hält – verhalten ausgedrückt – wenig von der Tatsache, Simaks Leistung an seiner Siebenmeterquote festzumachen. „Ich hab ihn natürlich gelobt, weil er keine Nerven gezeigt hat. Siebenmeter musst du können, aber das ist nichts, was ein junger Spieler unbedingt in seinem Handball-Repertoire haben muss“, sagt Petkovic.

Der Trainer des Tabellensechsten wird manchmal gar wütend, wenn er nach der Entwicklung seines jungen Rückraumspielers gefragt wird. „Wenn ich sehe, dass Freddy so viel Lob bekommt, stoppe ich das immer. Ich will ihn nicht so schnell loben. Ich freue mich, ich sehe eine Entwicklung, ich sehe Schritte nach vorne, bei jedem Training. Aber das ist der normale Weg für einen jungen Spieler, der groß werden will“, sagt der Trainer. Ihm sei es wichtig, dass Simak auch aus dem Spiel heraus seine Qualitäten einbringen kann. Schließlich verfolgen sie bei den Füchsen eine ganz bestimmte Philosophie. Sie wollen ihren breiten Kader nutzen und dabei vor allem auf junge Spieler setzen.

Die Bronzemedaille mit der U20 gibt viel Selbstvertrauen

Etwas, das Geschäftsführer Bob Hanning schon seit Jahren unterstützt. Mit seinem Auge für die besonderen Talente. So entdeckte er Simak vor drei Jahren bei einem Auswahl-Turnier und gab ihm seine Visitenkarte. „Da war ich 16. Das war echt ein cooles Kompliment, dass Bob direkt nach dem Spiel zu mir kam und gesagt hat, ich will dich hier in Berlin haben“, sagt Simak. Damals spielte er bei der SG Ottenheim/Altenheim in der A-Jugend-Bundesliga. Dass er von dort so schnell in der ersten Liga landen würde, hätte er an diesem wieder einmal prägenden Tag nicht gedacht.

Inzwischen wächst er dort jedoch vom Jungfuchs zum Leistungsträger heran. Ein Weg, den vor ihm auch Paul Drux und Fabian Wiede gegangen sind. „Das, was Paul und Fabi erreicht haben, ist richtig richtig gut. Das will ich natürlich auch schaffen“, sagt Simak. Das Selbstvertrauen dazu hat er, auch dank eines Sonntags Ende Juli dieses Jahres. Bei der EM in Slowenien holte sich Simak mit der deutschen U20 die Bronzemedaille. „Das hat natürlich einen positiven Einfluss. Man hat schon mehr Selbstvertrauen, traut sich dann auch was“, sagt Simak. Zum Beispiel die Rolle von Drux zu übernehmen, der den Füchsen im linken Rückraum nach einer Fuß-OP erst einmal fehlen wird. „Es kommt mir zugute, weil ich jetzt mehr Spielzeit kriege. Da hab ich auch ein bisschen Glück. Aber man muss im Profisport auch Glück haben“, sagt Simak. Das Glück, am richtigen Tag am richtigen Ort zu sein.