Handball

Die zwei Gesichter der Füchse

Junge Spieler überzeugen gegen Meister Flensburg, einige Leistungsträger sind noch nicht in Topform. Was Grund zur Sorge und zur Hoffnung gibt.

Der Schwede Mattias Zachrisson erzielte gegen Flensburg drei Tore von Rechtsaußen, vergab seine Chancen aber in den entscheidenden Momenten.

Der Schwede Mattias Zachrisson erzielte gegen Flensburg drei Tore von Rechtsaußen, vergab seine Chancen aber in den entscheidenden Momenten.

Foto: Andreas Gora / picture alliance / Andreas Gora

Berlin.  Als Mattias Zachrisson in der 40. Minute frei auf das gegnerische Tor zulief, wähnten sich die Füchse wieder in Reichweite. Der erneute Ausgleich gegen den deutschen Meister SG Flensburg-Handewitt. Er war so nah. Zachrisson setzte zum Sprung an und zirkelte den Ball ins Netz. Allerdings in das hinter dem Tor, das die Zuschauer vor unliebsamen Begegnungen mit dem runden und klebrigen Leder schützt.

Es war der Knackpunkt des Spiels. Der Wendepunkt, der einer überzeugenden Leistung den Einbruch folgen ließ. Und den Handball-Bundesligisten um den verdienten Lohn brachte. „Ich bin nicht richtig enttäuscht. Ich habe 40 Minuten einen überragenden Handball gesehen. Deshalb verliere ich als Trainer jetzt nicht den Kopf“, sagte Coach Velimir Petkovic nach der 25:30-Niederlage am Dienstagabend. Denn er hatte ein Team gesehen, das überraschend gut zusammenspielte, der erfahrenen Mannschaft aus Flensburg mehr als Paroli bot. Und er hatte ein Team gesehen, dem die Kraft fehlte, um das, was sich die Berliner in der ersten Halbzeit aufgebaut hatten, zu Ende zu bringen.

Zugang Jallouz hat noch Trainingsrückstand

Es waren diese zwei Gesichter, die die Füchse gegen die SG offenbarten. Und die Hoffnung und Sorge zugleich verbreiteten. „Das, was die jungen Spieler hier in der ersten Halbzeit gemacht haben, war phänomenal“, sagte Petkovic. Rechtsaußen Christoph Reißky (23), Siebenmeterschütze Frederik Simak (20) und Rückraumass Jacob Holm (23) hatten wie schon im ersten Heimspiel gegen Minden mit Ideen und Toren geglänzt. Geschäftsführer Bob Hanning sah von Reißky sogar „das beste Spiel seiner Karriere“. Dass den Jungen nach der kräfteraubenden ersten Hälfte die Puste ausging, war für Hanning nur nachvollziehbar. Dass es jedoch wieder der Nachwuchs war, der überzeugte, ließ den Macher kritisch auf seine Leistungsträger blicken. „Wir haben da noch Potenzial nach oben. Es sind noch nicht alle auf dem Leistungsniveau, auf dem sie sein müssten“, sagte der 50-Jährige. Spielmacher Paul Drux fiel eher mit zu vielen Fehlern in der Abwehr auf statt als sicherer Ballverteiler. Rechtsaußen Zachrisson patzte nicht nur kurz bevor die Partie kippte, sondern auch vor der Pause, als der Schwede beim Stand von 16:13 freistehend über das leere Tor warf. „Macht der das Ding rein, haben wir plus vier. Dann muss Flensburg vier Tore aufholen“, so Hanning.

Aufholen ist auch das Stichwort für Wael Jallouz. Der Zugang aus Barcelona ist immer noch nicht auf dem Level, auf dem ihn die Mannschaft braucht. „Alle wissen, was er kann, dass er der Königstransfer ist. Das ist der Mann für die einfachen Tore“, sagte Hanning. „Aber im Moment ist er nicht da, ist körperlich nicht fit.“ In dieser Verfassung kam der 27 Jahre alte Tunesier bereits Anfang Juli in Berlin an, hatte in Barcelona nach mehreren Verletzungen kaum gespielt und hat nun den Trainingsrückstand noch nicht aufgeholt. Gegen Flensburg wirkte der Rückraumspieler recht behäbig und kam zu nur einem Torwurf.

Linkshänder Wiede soll gegen Hannover spielen

Drux, Zachrisson, Jallouz – diese Namen sind nicht die einzigen, die auf der Suche nach den Gründen für die Niederlage fallen. „Wir haben viele Verletzte, das hat uns die Punkte gekostet“, sagte Abwehrchef Jakov Gojun. Die verletzten Fabian Wiede und Kapitän Hans Lindberg, sie werden schmerzlich vermisst. Immerhin konnte Kreisläufer Johan Koch wieder eingreifen. Und auch für Wiede scheint die Leidenszeit bald vorbei zu sein.

Der 24-Jährige hat noch eine Woche Zeit, um für das nächste Heimspiel gegen Hannover (13. September) fit zu werden. „Wir haben große Hoffnung, dass Fabi dann wieder spielt“, sagte Hanning. Mit Wiede kehrt die Hoffnung auf ein stabileres Spiel zurück, auf einen ideenreichen Angriff und auf weniger Kraftverlust. „Ich habe ein sehr gutes Gefühl, wenn ich Wiede und Reißky habe“, sagte Hanning. Dieses sehr gute Gefühl, es soll sich gegen Hannover wieder einstellen.

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