Handball

Füchse: Reifeprüfung für Paul Drux

Der Rückraumspieler der Füchse muss gegen Minden wieder zum Anführer werden und den Angriff beleben.

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin.  Die Lösung für viele Probleme, mit denen sich die Füchse Berlin gerade herumschlagen, ist eigentlich recht einfach. Sie ist 1,92 Meter groß, hat einen starken rechten Wurfarm und heißt Paul Drux. Der Rückraumspieler des Handball-Bundesligisten soll die Probleme lösen, die vor allem bei der Auftaktniederlage der neuen Saison in Göppingen (18:21) sichtbar wurden.

Ein ideenloses Angriffsspiel, zu viele Fehlwürfe, kein Leistungsträger, der Verantwortung auf dem Feld übernahm. Es sind viele Probleme, die Drux nun zu lösen hat. Am besten schnell. Denn die Mannschaft braucht den 23-Jährigen in Normalform schon beim Heimspiel am Donnerstag gegen Minden (19 Uhr, Schmeling-Halle) – als Spielmacher, als Anführer und als Ideengeber im Angriff. Vor allem dann, wenn andere wichtige Führungsspieler wie Fabian Wiede (Fußverletzung) und Kapitän Hans Lindberg (Operation am Knie) ausfallen.

Wiede und Kapitän Lindberg fallen verletzt aus

Denn ein Problem kann Drux nicht lösen: die Verletzungsmisere der Füchse. Neben Lindberg und Wiede fehlt auch Kreisläufer Johan Koch (Leistenprobleme). Was das für das Angriffsspiel der Füchse bedeutet, war ihn Göppingen zu sehen. Nur 18 Mal trafen die Berliner ins gegnerische Netz. Zu wenig, um erfolgreich in die neue Spielzeit zu starten. Das musste auch Drux erkennen, der nur dreimal traf. „Wir haben in der Nachbesprechung gesagt, dass wir wahrscheinlich noch zwei Tage hätten spielen können und das hätte am Ausgang nichts geändert“, sagt Drux, „wir hatten zu viele technische Fehler und Fehlwürfe.“

Deshalb habe man im Training nun das Spielsystem verfeinert, die Laufwege für jeden Spieler klar gemacht. „Wenn wir die Fehler abstellen, haben wir auch eine gute Chance“, sagt Drux. Er ist die Lösung für die Probleme im Angriff und auf der Spielmacherposition, weil er selbst Lösungen findet. Dabei hinterfragt er eben auch seine eigene Leistung. „Wenn man fünf oder sechs daneben wirft, kann man nicht zufrieden sein“, sagt Drux.

Verletzungen warfen den 23-Jährigen immer wieder zurück

Coach Petkovic sah zum Saisonauftakt ebenfalls einen Paul Drux, der „unter Durchschnitt geblieben“ ist. Nicht der Anspruch des Nationalspielers. Er ist selbstkritisch, gibt sich nicht so schnell mit etwas zufrieden und will immer noch einen Schritt weitergehen. Es sind die Charaktereigenschaften eines Führungsspielers. Und zu einem solchen soll das Eigengewächs, das von 2012 bis 2014 mit der A-Jugend der Berliner deutscher Meister wurde, nun weiter wachsen. Das ist nichts Neues für Drux. Diesen Anspruch hatte er schon in der vergangenen Saison. Bisher hatte er nur immer das Pech, sich in den entscheidenden Phasen zu verletzten. Bei der EM im Januar diesen Jahres zog er sich einen Meniskusriss zu, fiel nach einer OP bis Mitte März aus. Eine Woche nach seinem Comeback folgte ein Bänderriss. Wieder hieß es für Drux: einige Wochen zuschauen. „Die Motivation ist jetzt groß, gesund zu bleiben. Um dann über einen längeren Zeitraum auch mehr Verantwortung übernehmen zu können“, sagt er.

Das tut er schon jetzt. Vor allem für die neuen Spieler. Auf dem Feld hat er immer ein Auge für den Nebenmann – und das ist gerade besonders wichtig. Denn dort stehen im rechten und linken Rückraum mit Jacob Holm und Wael Jallouz hin und wieder gleich zwei neue Füchse-Spieler. Zwei, die noch gar keine oder im Fall von Jallouz nur sehr wenig Bundesligaerfahrung haben. „Gerade in so einer Phase muss ich natürlich vorneweg gehen“, sagt Drux. Dieses Vorhaben setzte er in Göppingen schon teilweise um. Als er am Ende einer Auszeit das letzte Wort ergriff und seine Mitspieler motivierte. Trainer Petkovic gefällt das. „Ich wäre sogar froh, wenn von Paul noch mehr kommt“, sagt der 62-Jährige.

WM im eigenen Land ist das Ziel des Nationalspielers

Drux weiß, was man bei den Füchsen von ihm erwartet. Doch den Druck, der auf ihm lastet, merkt man ihm nicht an. Man mag manchmal vergessen, dass er mit seinen 23 Jahren noch am Anfang seiner Karriere steht. Einer Karriere, in der er schon den DHB-Pokal und zweimal den EHF-Cup gewonnen hat. In der er den EM-Titel 2016 mit der deutschen Nationalmannschaft verpasste, weil er an der Schulter verletzt war. Nun steht im Januar 2019 die WM im eigenen Land an. Die Gruppenphase spielt das deutsche Team in Berlin, Drux’ Wahlheimat. Die Hauptrunde in Köln, in der Nähe seiner alten Heimat, Gummersbach. „Ich will erst einmal mit den Füchsen gewinnen. Wenn wir gut spielen, wird der Bundestrainer das auch sehen“, sagt Drux, „natürlich will ich bei der WM dabei sein, aber jetzt haben wir noch ein paar schwierige Monate mit den Füchsen vor uns“, sagt Drux. Schwierige Monate, die auch seine Reifeprüfung werden.

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