Das Treffen am Morgen mutete an wie eine Familienzusammenkunft. Mit Jakov Gojun, Marko Kopljar und Drago Vukovic boten sich gleich drei kroatische Füchsespieler an, Zugang Stipe Mandalinic als Dolmetscher zur Seite zu stehen. Der 25-Jährige, der seit Donnerstag in Berlin ist, spricht kein Deutsch und kaum Englisch. Die Füchse sind seine erste Station außerhalb Kroatiens, wo er in den vergangenen fünf Jahren für den Champions-League-Teilnehmer RK Zagreb antrat.
„Er muss erst einmal ankommen“, sagt Abwehrchef Gojun. Ein Auto hat Mandalinic noch nicht, also holt Gojun ihn aus seinem Hotel am Kurfürstendamm ab, damit sie gemeinsam zum Training fahren können. Die Füchse unterstützen ihren Zugang auch bei der Wohnungssuche. Mit seiner Frau Matea (26), die er im Sommer geheiratet hat und deren Antlitz seinen rechten Arm als Tattoo ziert, will Mandalinic eine Familie gründen. Möglicherweise passiert das sogar in Berlin, denn der Kroate hat zwar derzeit nur einen Vertrag bis zum Sommer 2018 unterschrieben, geplant ist aber, das Engagement bis 2021 zu fixieren. Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning hat langfristig gedacht, als er Zagreb einen Obolus zahlte, um Mandalinic schon vor Januar aus seinem Vertrag zu lösen. Er soll Steffen Fäth ersetzen, der in der kommenden Saison zu den Rhein-Neckar Löwen wechselt. Und falls Petar Nenadic bereits im Januar nach Veszprem geht, hat Hanning in Mandalinic auch gleich einen torgefährlichen Spieler für die Rückrunde.
Verzicht auf die Champions League
49 Mal traf Mandalinic bisher in der Champions League und war damit der beste Werfer, bis er die Partie am Donnerstag gegen den FC Barcelona verpasste und von seinen Kontrahenten eingeholt wurde. Für die Füchse verzichtete er darauf, die Saison in der Königsklasse bis zum Ende zu spielen. „Es war immer ein Traum von mir, in der Bundesliga zu spielen“, sagt er. „Außerdem ist ja der Plan, dass wir uns mit den Füchsen auch für die Champions League qualifizieren.“ 2003 hat Mandalinic als Zehnjähriger vor dem Fernseher verfolgt, wie die kroatische Nationalmannschaft EM-Gold gewann. Danach hat er seine bisherigen Hobbys Fußball und Basketball aufgegeben und sich dem Handball verschrieben. Acht Jahre später gewann er selbst EM-Gold mit der U18 Auswahl, bei der U20-EM wurde er zum wertvollsten Spieler des Turniers ernannt und konnte sein WM-Debüt 2013 im A-Nationalteam mit der Bronzemedaille krönen.
Der Hauptstadtklub empfängt Wetzlar in der Schmeling-Halle
2015 riss er sich zweimal das rechte Kreuzband und musste länger pausieren. „Seit dem letzten Jahr bin ich wieder richtig gut in Form und freue mich, bei der EM im Januar in meinem Heimatland zu spielen“, gesteht er. Das erste Gruppenspiel wird sogar in seiner Heimatstadt Split ausgetragen, wo er mit dem Handball begonnen hat.
Die deutsche Liga verfolgt Mandalinic schon seit Jahren im Fernsehen. Sie sei auch viel spannender als die kroatische, die seit Jahrzehnten von Zagreb dominiert wird. „Hier ist jedes Team gefährlich“, sagt er. Dazu zählt er auch die HSG Wetzlar, die an diesem Sonntag in der Schmeling-Halle gastiert (15 Uhr, Sky). „Es macht Spaß hier zuzuschauen, so ein Spektakel habe ich nicht oft erlebt“, sagt Mandalinic, der am Donnerstag bereits die Partie gegen Porto verfolgt hat. Jetzt kann er für die Füchse erstmals selbst ins Geschehen eingreifen. „Wir müssen ihm helfen reinzukommen“, sagt Gojun. Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: „In einem halben Jahr muss er dann auch die Interviews alleine geben.“


