Um die Emotionen von Velimir Petkovic zu ergründen, bedarf es keiner komplizierten Fragetechnik. Der Trainer der Füchse-Handballer kommuniziert seine Gefühlswelt sehr deutlich. Vor vier Wochen ärgerte sich der 61-Jährige im Ligaspiel gegen Hannover dermaßen über seinen Kreisläufer Ignacio Plaza Jimenez, dass er in der Auszeit schimpfte: „Unser Kreisläufer versteckt sich immer, also spielen wir jetzt ohne ihn.“

Glorreiche Vergangenheit mit Laen, Nielsen und Pevnov

Seit Plaza Jimenez sich eine Woche später im Spitzenspiel gegen den THW Kiel das Kreuzband riss, spielen die Füchse nun tatsächlich ohne ihn. Bis der Spanier wieder einsatzfähig ist, kann es März werden. Die Baustelle der Berliner am Kreis war schon vorher vorhanden, nun ist sie aber nicht mehr zu übersehen. Während sowohl die Topteams aus Flensburg, Kiel und Mannheim als auch Magdeburg, Melsungen oder Hannover-Burgdorf mindestens drei Männer für die Schlüsselposition haben, verfügen die Füchse mit Erik Schmidt über genau einen Mann – und mit dem sind sowohl Geschäftsführer Bob Hanning als auch Petkovic bislang nicht zufrieden.

„Gegen Flensburg hat Erik vorne stark gespielt“, sagt Hanning, ergänzt aber: „Im Gesamtpaket für einen ersten Kreisläufer haben wir uns bei seiner Verpflichtung mehr erwartet.“ Schmidt, der 2016 mit Deutschland Europameister wurde und seit dieser Saison das Füchse-Trikot trägt, soll in die Fußstapfen seiner Vorgänger treten, die dem Kreis eine besondere Note verliehen haben. Ein herausragendes Merkmal wie die strategische Überlegenheit eines Torsten Laen, die körperliche Präsenz eines Jesper Nielsen oder die ausgeflippte Dynamik eines Evgeni Pevnov muss er sich bei den Füchsen aber erst noch aneignen.

Die nächsten Tage werden zur Belastungsprobe

Derzeit ist Schmidt ein ruhiger Arbeiter, in der Beschreibung seines Charakters drängt sich das Wort „besonnen“ auf. So richtig ausrasten sieht man ihn weder bei einem Sieg noch bei einer Niederlage. Für Petkovic, der emotional ganz anders funktioniert, sieht es daher manchmal so aus, als wolle sein Kreisläufer nicht so richtig. „Nachvollziehen kann ich das“, sagt Schmidt. „Wenn das auf ihn so wirkt, ist das blöd. Dass ich ruhig bin, heißt aber nicht, dass ich nicht bei der Sache bin. Es ist einfach meine Art, Handball zu spielen.“

Momentan arbeitet er im Training sowohl daran, den von Petkovic geforderten Biss verstärkt zu entwickeln, als auch sein Abwehrverhalten zu verbessern. „In Friesenheim und Hannover haben wir offensiver gedeckt, hier ist es sehr defensiv, das bedeutet eine Umstellung im Timing“, erklärt er. Schmidt ist sich seiner Verantwortung bewusst. Er muss jetzt auf den Punkt fit sein, denn eine Alternative haben die Füchse in naher Zukunft nicht für ihn. Die nächsten anderthalb Wochen werden eine Belastungsprobe: Nach dem Ligaspiel am Donnerstag in Minden (19 Uhr, Sky) reisen die Füchse weiter nach Portugal, wo sie am Sonnabend im EHF-Pokal auf den FC Porto treffen. In der Woche darauf steht das Rückspiel in Berlin an sowie das Ligaspiel gegen die HSG Wetzlar. „Irgendwann wird die Saison lang, da wäre es gut, einen zweiten Kreisläufer zu holen“, sagt Rückraumspieler Steffen Fäth.

Kroate Mandalinic wechselt von Zagreb nach Berlin

Manager Hanning spielt die Thematik herunter. „Ab Februar wird das vielleicht ein Problem. Momentan haben die Spieler ja dauernd Urlaub und jeder normale Arbeitnehmer eine höhere Belastung.“ Hannings Reaktion erinnert ein bisschen an die Fabel vom Fuchs, dem die Trauben angeblich nicht schmecken, die für ihn unerreichbar hoch oben im Baum hängen. Was soll der Manager auch tun? Er hat den Markt sondiert und keinen verfügbaren Kreisläufer gefunden, der den Füchsen schnell helfen könnte. „Ich bin nicht mal mit einem in Verhandlung“, klagt er. Auch in der eigenen Jugend, der Hanning sonst so gern eine Chance gibt, hat er keine Wunderwaffe ausmachen können. „Ich will einen jungen Spieler jetzt nicht verbrennen, das würde ihm nicht gerecht“, sagt er.

Stattdessen hat er sich um das drohende Loch im Rückraum gekümmert. Im Januar stößt der kroatische Nationalspieler Stipe Mandalinic (25) von RK Zagreb zu den Füchsen. Damit dürfte dann auch der Abgang Petar Nenadics zum Champions-League-Teilnehmer KC Veszprem besiegelt sein. Der Serbe, der wegen einer Wadenverletzung am Mittwoch nicht gemeinsam mit dem Team nach Minden reiste, wird bereits seit Monaten von dem ungarischen Spitzenklub umworben, der bereit sein soll, bis zu 500.000 Euro zu investieren, damit Nenadic schon zur Rückrunde wechselt. Mit diesem Taschengeld fällt es Hanning dann möglicherweise auch leichter, einen neuen Kreisläufer zu finden. Auch dieser wird aber seine Eingewöhnungszeit brauchen.

Füchse wollen bleiben, wo sie sind: ganz oben

Bei den Füchsen ist also in Zukunft viel Feinabstimmung gefragt, damit die Personalrochaden sich nicht negativ auf die in den vergangenen Wochen so hart erarbeitete gute Tabellenposition auswirken. „Wir wollen da bleiben, wo wir jetzt stehen“, sagt Petkovic. Gemeint ist die Tabellenspitze, da ist der Füchse-Trainer gewohnt eindeutig.