Top-Transfer

Füchse verpflichten einen der besten Abwehrspieler der Welt

Der kroatische Nationalspieler Jakov Gojun erhält einen Dreijahresvertrag. Der Pokalsieger reagiert damit auf die langwierige Verletzung von Abwehrchef Spoljaric.

Foto: Axel Heimken / dpa

Die Zeit zum Handeln war endgültig gekommen. Zwar zeigte sich die Abwehr der Füchse nicht das erste Mal in dieser Saison in einem besorgniserregenden Zustand, aber 32 Gegentore im Duell mit Auf- und wieder Absteiger Bietigheim sind für eine auf europäischem Handballparkett agierende Mannschaft in der Tat zu viel. Mangelnde Aggressivität, fehlende Leidenschaft, kurz viel zu wenig Engagement in der Defensive, so lautete die ernüchternde Analyse von Trainer Dagur Sigurdsson und Geschäftsführer Bob Hanning nach dem knappen 33:32-Bundesliga-Heimsieg am Dienstagabend. Auf diese eklatante Schwäche reagierten die Füchse und gaben am Mittwoch die Verpflichtung des kroatischen Abwehrchefs Jakov Gojun von Paris Saint Germain bekannt. Der 29-jährige Nationalspieler erhält bei den Berlinern einen Dreijahresvertrag.

Der Wechsel darf als veritabler Coup eingestuft werden, gilt der 2,03 Meter große Gojun doch als einer der besten Abwehrspieler im Welthandball. „Wir sind stolz, dass er sich für die Füchse entschieden hat“, freut sich Hanning, „wir erhoffen uns damit wieder die nötige Stabilität und Konstanz in unserer Defensive.“ Gojun soll künftig als Abwehrchef fungieren. Die Berliner reagierten damit auf die langfristige Verletzung von Denis Spoljaric, der nach einer Hand-Operation diese Saison noch kein Spiel bestreiten konnte. „Deshalb ist bei uns nicht die Qualität in der Führung der Abwehr da“, erklärt Hanning. Zwar hat Spoljaric noch Vertrag bis 2016, aber es ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar, ob der Kroate zur kommenden Spielzeit fit wird.

RK Zagreb, Real Madrid, Paris Saint Germain HB – so lauten die bisherigen Stationen des Rückraumspielers Gojun, der sich auf die Füchse und die Bundesliga freut. „Ich wollte immer in der weltweit besten Liga spielen, und die Füchse Berlin sind ein seriös geführter Klub mit großen Ambitionen“, sagt Gojun zu seinem Wechsel. Mit Paris schaffte er es in diesem Jahr bis ins Viertelfinale der Champions League. In der kroatischen Nationalmannschaft, die den Spitznamen „Kauboji“ („Cowboys“) trägt, bestritt der Rechtshänder bislang 100 Länderspiele, erzielte darin 59 Tore. Und er ist im Auswahlteam wie ab kommende Saison bei den Füchsen der Nachfolger von Denis Spoljaric im Abwehrzentrum.

Gojun hat mit dem Hauptstadtklub Großes vor. „Ich möchte mit den Füchsen Titel gewinnen und die Mannschaft zurück in die Top drei der Bundesliga führen, um dann auch wieder Champions League zu spielen“, sagt er. „Nach Zagreb, Madrid und Paris ist es Zeit, um in einer neuen, großartigen Stadt zu wohnen. Ich mag große Städte, weil sie auch unendlich viele Möglichkeiten für meine Familie bieten.“

So wie für Gojun ist auch für die Füchse der Moment gekommen, weitreichende Änderungen vorzunehmen. „Alles hat seine Zeit im Leben“, sagt Manager Hanning und meint damit die aktuelle Füchse-Mannschaft. „Wir haben eine Grenze erreicht, das Team brennt nicht mehr in dem hohen Maß wie früher“, sagt Hanning, „das ist kein Vorwurf, aber es ist an der Zeit für einen Umbruch.“ Der Personalwechsel im Sommer hat es in sich. So kommen mit Drago Vukovic (TuS N-Lübbecke), Bjarki Elisson (ThSV Eisenach), Kent Robin Tönnesen (HSG Wetzlar), Ignacio Plaza Jimenez (Puerto Sagunto) und eben Jakov Gojun gleich fünf neue Spieler. Im Gegenzug verlassen Iker Romero, Petar Nenadic und Konstantin Igropulo den Verein. Auf Dagur Sigurdsson, der sich voll auf das Bundestraineramt konzentriert, folgt der Isländer Erlingur Richardsson.

Zuvor aber wollen die Füchse noch auf den Endrunden im DHB-Pokal (9./10. Mai 2015) in Hamburg und im EHF-Cup (16./17. Mai 2015) in Berlin glänzen. „Wir müssen gucken, dass wir mit dem letzten Tropfen Sprit ins Ziel kommen“, sagt Hanning, „wir könnten den größten Schritt in der Vereinsgeschichte machen.“