Handball

Berliner Füchse gehen volles Risiko und werden dafür belohnt

Das Berliner Handballteam hat jetzt die große Chance, den ersten Titel in der Vereinsgeschichte zu holen. Final Four im EHF Cup am 17./18. Mai in der Max-Schmeling-Halle.

Foto: imago sportfotodienst / imago/Camera 4

Bob Hanning ist die Erleichterung anzumerken. „Das Risiko, das wir eingegangen sind, hat sich gelohnt“, freut sich der Geschäftsführer der Füchse Berlin. Am Sonnabend um 17.31 Uhr, nach dem 25:25 beim französischen Vertreter Chambery Savoie, stand fest, dass das Handballteam von Trainer Dagur Sigurdsson nicht mehr vom ersten Gruppenplatz verdrängt werden kann und sich direkt für die Vierer-Endrunde um den EHF Cup in Berlin am 17./18. Mai qualifiziert hat.

Sigurdsson fasst es in vier Worte zusammen: „Wir sind sehr glücklich.“ Es ist ein Meilenstein für den Verein. Nachdem die Füchse bereits das Final Four um den deutschen Pokal (12./13. April) in Hamburg erreicht haben, haben sie nun sogar die Möglichkeit, in der Schmeling-Halle einen europäischen Titel zu gewinnen. Für den Klub, 2007 in die Bundesliga aufgestiegen, ist es die Chance.

Gleich heute wird man sich zusammensetzen und beratschlagen, welche Schritte nun gerade im Bereich Vermarktung folgen sollen. „Das Gute ist“, sagt Hanning zufrieden, „dass wir nun Handlungssicherheit haben.“ Sicher, die Füchse hatten zwei Matchbälle: Wäre man mit einer Niederlage aus Chambery zurückgekehrt, hätte ein Sieg gegen das Tabellenschlusslicht Hlohovec aus der Slowakei am kommenden Sonntag (17.15 Uhr, Schmeling-Halle) ebenfalls gereicht. Doch jetzt endgültig Bescheid zu wissen, lässt alle durchatmen.

Sicherheit bei der Sponsoren-Suche

Ab und an hatte Hanning in der Vergangenheit ein mulmiges Gefühl beschlichen. Es sei schon „eines der größeren Risiken“ gewesen, die er in seinen Jahren bei den Füchsen eingegangen sei. „Das war nicht ohne.“ Denn die Berliner hatten voll auf Europa gesetzt. Schon im Dezember 2013 hatte man den Zuschlag zur Austragung der Endrunde vom europäischen Handballverband EHF bekommen. Sozusagen auf Verdacht hatten sich die Füchse beworben, zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht wissend, ob sie sich auch wirklich qualifizieren würden.

Was wäre gewesen, wenn...? Es stand viel auf dem Spiel. „Ohne Füchse-Beteiligung wäre es ein schweres Unterfangen geworden“, gibt Hanning zu. Schließlich ist das finanzielle Risiko groß. Die Füchse müssen Geld in die Hand nehmen. Eine Summe im mittleren sechsstelligen Bereich kostet das ganze Spektakel. Wobei der Gastgeber auch die Prämien für die teilnehmenden Teams erwirtschaften muss. Mit den Füchsen als einem der Teilnehmer lässt sich die Veranstaltung natürlich ganz anders refinanzieren. „Termine unter Vorbehalt“ habe man mit potenziellen Werbepartnern in den vergangenen Wochen gemacht, berichtet Hanning. Jetzt kann endverhandelt werden, auch was die Übertragungsrechte fürs Fernsehen betrifft.

Immer wieder Ausfall der Verletzten kompensiert

Was den Füchsen in den vergangenen Wochen besonders Sorgen gemacht hatte, war die Verletzungsmisere: Teilweise fehlten in Sven-Sören Christophersen, Pavel Horak, Paul Drux und Oliver Milde gleich vier Rückraumspieler. Die Füchse gingen auf dem Zahnfleisch. „Heldenhaft“ sei es gewesen, was die Mannschaft trotz der Ausfälle immer wieder gezeigt habe, sagt Sigurdsson. „Wir mussten immer kämpfen, kämpfen, kämpfen“, erklärt Kapitän Iker Romero.

Aber die Berliner gaben nie auf, haderten nie mit dem Schicksal. Sinnbildlich dafür stand die Partie in Chambery, als Romero und Co. 13 Minuten vor Schluss mit drei Toren Differenz zurücklagen. „Wir haben wieder großen Willen gezeigt“, lobt Sigurdsson, Romero spricht von „harter Arbeit“.

Beide Mannschaften machten viele Fehler

Belohnt wurde das Team durch einen schier unglaublichen Coup in den letzten Sekunden, als doch noch das 25:25 erzwungen wurde, obwohl sowohl Konstantin Igropulo als auch Jesper Nielsen wegen Zwei-Minuten-Strafen zuschauen mussten.

Für beide Teams hatte viel auf dem Spiel gestanden. „Es gab viele Fehler auf beiden Seiten, damit war das Unentschieden das richtige Ergebnis“, sagt Sigurdsson. „Wir wussten, dass wir im Spiel gegen Hlohovec ja noch eine weitere Chance haben, aber das Beste für eine Mannschaft ist, wenn du jedes Spiel, was du nutzen kannst, auch nutzt“, meint Romero mit der ganzen Erfahrung seiner 33 Jahre und seiner 199 Länderspiele für Spanien. Das sei eben der Unterschied zwischen einer guten und einer richtig guten Mannschaft. „In Chambery sind wir aufgetreten wie eine richtig gute.“

Schon 5500 Tickets für Final Four verkauft

Die Füchse haben beste Werbung dafür betrieben, dass der Kartenvorverkauf noch einmal anzieht. 5500 Tickets sind schon weg. „Es gibt noch Karten, ich hoffe, Berlin hilft uns“, sagt Hanning.

Hilfe gab es bereits wenige Stunden nach dem Remis in Frankreich aus Göppingen. In der Bundesliga schlug Frisch Auf die MT Melsungen mit 29:26. Damit haben die Füchse als Fünfter (dieser Platz berechtigt auch im kommenden Jahr zur Teilnahme am EHF Cup) nun schon sechs Punkte Vorsprung auf den Sechsten Melsungen. Hannings fröhliche Bilanz: „Es war echt ein Super-Samstag für uns.“