Der kleine Psychotrick zeigte große Wirkung. Vor dem Anwurf des Bundesligaspiels gegen den HSV Hamburg hatte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning seinen A-Jugendspielern Paul Drux (17) und Fabian Wiede (18) noch rasch mitgeteilt, dass alle ihre Lehrer vom Schul- und Leistungssportzentrum (SLZB) auf der Tribüne der Max-Schmeling-Halle saßen.
Die beiden Schüler ließen sich von der Anwesenheit der Pädagogen zum Glück nicht lähmen, im Gegenteil, in den letzten zwölf Minuten wirbelten Drux und Wiede im linken und rechten Rückraum, das sind nicht weniger als die Königspositionen im Handball. Hanning lächelte: „Hat ja ziemlich gut geklappt.“
Es war ein denkwürdiger Handballabend in der Schmeling-Halle. Mit einer überragenden Leistung in Angriff und Abwehr – es war die beste Darbietung der Saison – fegten die Füchse den HSV Hamburg mit 37:27 vom Parkett und machten damit einen großen Schritt für die erneute Qualifikation für den internationalen Wettbewerb.
Sie dominierten die Partie derart, dass Trainer Dagur Sigurdsson bereits lange vor Spielschluss den Nachwuchsleuten eine Chance gab. Insgesamt standen neben Drux und Wiede mit Colja Löffler, Johannes Sellin, Evgeni Pevnov und Torhüter Silvio Heinevetter sechs deutsche Spieler auf dem Platz und lehrten den internationalen Stars aus Hamburg das Fürchten. Der 18 Jahre alte Wiede brillierte gar mit drei Assists und einem Treffer. „Paul und Fabian haben ihre Aufgabe sehr gut gelöst. Wenn man das dann in der Kombination mit Sellin und Löffler sieht, ist das ein tolles Zeichen für uns.“
Füchse-Manager Hanning mächtig stolz
Natürlich war Hanning mächtig stolz nach dem Erfolg gegen den HSV, bewies die Partie doch auch, dass die nachhaltige Jugendarbeit der Füchse von Erfolg gekrönt ist. „Wir machen das mit der Nachwuchsförderung ja nicht zum Spaß“, sagte Hanning, „wir gehen ganz bewusst diesen Weg für unseren Verein und wollen damit auch dem deutschen Handball etwas Gutes tun.“ Die Mischung macht es offenbar aus, denn der Manager sagt auch: „Nur mit Jugendspielern geht es nicht – wir brauchen auch in Zukunft die Stars. Aber eben nicht nur Stars.“ Mit Freude verfolgte Bundestrainer Martin Heuberger das jugendliche Treiben bei den Füchsen. „Es ist schön zu sehen, dass die jungen Spieler vom Verein und vom Trainer die Rückendeckung haben“, sagte der Nationalcoach, in dessen erweiterten Kader vier Spieler aus Berlin stehen.
Mit Drux, Wiede und Jonas Thümmler werden unter der Leitung von Sigurdsson und Hanning drei Jugendspieler zu Bundesligaakteuren ausbildet. „Ein Talent aus der Region wird bei den Füchsen immer den Vorzug vor neuen Spielern erhalten, zur Not opfern wir auch die Champions League“, sagt Hanning, der einräumt, „dass das ganze System nur funktioniert, weil wir in Berlin mit dem Schul- und Leistungssportzentrum eine Eliteschule des Sports haben. Und die Schule auf die Belange unserer Sportler eingeht. Ohne das Engagement des SLZB wäre das alles nicht möglich.“ Es sei ein integraler Bestandteil, um den Verein am Leben zu halten. Insgesamt gehen aus dem Füchse-Nachwuchs etwa 50 Kinder und Jugendliche auf das SLZB.
Füchse-Kapitän Laen denkt an Abschied
Während bei den Füchsen die Jugend auf dem Vormarsch ist, denkt ein Profi bereits an Abschied. Torsten Laen, im Spiel gegen den HSV als Antreiber und Torjäger ein Garant zum Sieg, wird die Berliner am Saisonende wohl verlassen. Der Vertrag des 33 Jahre alten Dänen läuft im Juni 2013 aus. Und es war immer klar, dass Jung-Nationalspieler Evgeni Pevnov, der seit 2011 im Verein ist, Torsten Laen am Kreis als Nummer eins beerben soll.
„Es zieht mich in die Heimat“, sagte Laen, „das hat aber nichts mit dem Verein hier zu tun. Und es gibt auch noch Gespräche.“ Manager Hanning weiß um die Sehnsucht seines Kapitäns nach Dänemark. „Torsten hat uns sehr früh in seine Gedanken einbezogen. Wir brauchen einen Torsten Laen, der von innen heraus brennt und nicht einen, der seine Lebensplanung überdenkt“, sagte Hanning. „Wir werden ihn auf keinen Fall überreden – das bringt nichts.“



