Dagur Sigurdsson schüttelt den Kopf: „Nein, nein, Schonen gibt es bei mir überhaupt nicht. Wir müssen gewinnen“, sagt der Trainer der Handball-Füchse mit Blick auf die heutige Bundesliga-Partie gegen den Bergischen HC (Schmeling-Halle, 20.15 Uhr).

Schonen – das wäre eigentlich eine Möglichkeit, wie man mit dem leicht am Knie verletzten Kapitän Torsten Laen umgehen könnte. Doch wenn der Däne spielen kann, dann werde er ihn gegen den Tabellen-16. auch einsetzen, erklärt Sigurdsson.

Da aber bereits am kommenden Sonnabend für die Berliner das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League in Leon (Spanien) ansteht, dürfte Laens Einsatzzeit dennoch begrenzt sein. Das ist dann wieder die Chance für Evgeni Pevnov.

Den 23-Jährigen kann man zu Recht mit einem Auszubildenden vergleichen. „Ich kann viel von Torsten lernen“, sagt Pevnov.

Er hat schon viel gelernt. Was zum Beispiel vor vier Tagen bei der Niederlage in Flensburg zu sehen war, als Laen nach gut 30 Minuten verletzt ausgewechselt werden musste, Pevnov dessen Position am Kreis übernahm – und seine Sache gut machte.

Pevnov: "Große Umstellung"

Genau so ist der Plan, den die Füchse mit dem 1,98 Meter großen Pevnov verfolgen. Er soll auf Dauer den routinierten Laen (32) ablösen. Deshalb haben ihn die Berliner zu Saisonbeginn vom letztjährigen Absteiger TSG Friesenheim geholt.

Dort war der in Taschkent (Usbekistan) geborene und im Alter von einem Jahr mit seiner Familie nach Deutschland gekommene Pevnov bester Torschütze im Team. Bei den Füchsen musste er sich hinten anstellen.

„Das ist schon eine große Umstellung“, sagt er. Aber er sei ja in dem Wissen nach Berlin gekommen, „dass ich die klare Nummer zwei bin.“

Lob kommt von Sigurdsson: „Er ist auf einem guten Weg.“ Offensiv sei der junge Mann „gefährlicher geworden“, in der Defensive „hat er sich auch verbessert“.

Aber eines sei klar: „Evgeni muss noch konstanter werden.“ Das weiß der Angesprochene selbst: „Es gibt für mich noch viel zu tun.“

Freunde wohnen 600 Kilometer entfernt

Inzwischen hat er sich daran gewöhnt, mit der Champions League neben der Bundesliga eine viel höhere Spielbelastung als früher zu haben. „Allein auch das Niveau im Training ist überhaupt nicht zu vergleichen.“

Er gibt auch zu, dass er anfangs große Probleme damit hatte, dass seine Freunde inzwischen 600 Kilometer entfernt wohnen. Seit dem 12. Januar 2012 ist er eingebürgert, kurz danach wurde Pevnov bereits in die B-Nationalmannschaft berufen. „Das war ein großer Ansporn für mich.“ Noch härter zu arbeiten, noch mehr zu lernen.

„Ich versuche, ihm Dinge beizubringen“, sagt Laen und hat festgestellt: „Ich spüre schon seine Konkurrenz.“ Für den Kapitän gilt: „Ich versuche, es ihm so schwer wie möglich zu machen, er muss sich richtig viel Mühe geben.“ So, sagt der Routinier, „funktioniert Leistungssport“.

Pevnov hat dies verinnerlicht. Er beschreibt sein Verhältnis zu Laen als eine „gesunde Mischung aus Konkurrenz und Hilfe“. So könne es weitergehen, sagt der Lernende, der sich eine „gute Entwicklung“ attestiert und mit seinen Spielanteilen „zufrieden ist“.

Der Lehrende weiß: „Wenn er mal meine Position übernimmt, hat er einen guten Job gemacht.“