Frauen-WM 2011

Schweden siegt und ist weiter – Nordkorea raus

Am zweiten Spieltag der Gruppe C feiert Schweden einen ebenso knappen wie hochverdienten Sieg gegen das Team aus Nordkorea.

Beim perfekt einstudierten Siegertänzchen der Schwedinnen schauten die auch sonst hermetisch abgeschirmten Spielerinnen aus Nordkorea nur neidisch zu. Denn während der Mitfavorit aus Skandinavien dank des Sieges der USA gegen Kolumbien im WM-Viertelfinale steht, sind die hoch eingeschätzten Asiatinnen vorzeitig ausgeschieden

Schweden jedenfalls ist obenauf. „Das ist unser traditioneller Tanz. Hoffentlich können wir den bei der WM noch häufiger aufführen“, sagte die Spielführerin Caroline Seger. Ihre Kolleginnen hatten sich nach dem Abpfiff im Mittelkreis versammelt, auf der Stelle gedreht, in die Hände geklatscht, zudem hüpften sie herum.

Schweden, Vize-Weltmeister von 2003, hatte das Duell am zweiten Vorrunden-Spieltag 1:0 (0:0) gewonnen. Das goldene Tor gelang Lisa Dahlkvist (64.). Ein Punktgewinn der USA am Samstagabend gegen Kolumbien würde das Weiterkommen der Schwedinnen in der „Hammer“-Gruppe C perfekt machen - Nordkorea wäre dann schon ausgeschieden.

Im fast ausverkauften WM-Stadion von Augsburg startete Schweden mit Sara Thunebro und Jessica Landström vom deutschen Pokalsieger 1. FFC Frankfurt schwungvoll. Bereits in der zweiten Minute vergab Superstar Lotta Schelin vom Champions-League-Sieger Olympique Lyon die erste Großchance, als sie von halblinks in den Strafraum zog und knapp den kurzen Winkel verfehlte.

Es war die Initialzündung für die Spielerinnen und die 23.768 Zuschauer, von denen die meisten mit den favorisierten Schwedinnen sympathisierten. Die La Ola erfreute sich im Fünf-Minuten-Takt größter Beliebheit - auch, weil beide Teams mutig nach vorne spielten. Nordkoreas erst 16 Jahre alte Flügelflitzerin Kim Su Gyong verpasste nach acht Minuten mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze die Führung.

Trotz gelegentlicher Konter dominierten aber die Schwedinnnen das Spiel und legten die Schwächen Nordkoreas in der Rückwärtsbewegung gnadenlos offen. Vor allem das flinke Sturmduo Schelin/Landström sorgte ständig für Gefahr. Bei der größten Tormöglichkeit vor der Halbzeitpause traf Schelin aber nur das Außennetz (30.).

Auch nach dem Seitenwechsel ging das muntere Chancenvergeben weiter: Dahlkvist scheiterte freistehend aus kurzer Distanz an Torhüterin Hong Myong Hui (50.). Fünf Minuten später konnten nach einem Eckball gleich mehrere Schwedinnen nicht von einem Torwartfehler Hongs profitieren.

Als sich die Fehlversuche häuften, wurden die "Bl gult", zu deutsch die Blau-Gelben, hastiger und nervöser. Kapitänin Caroline Seger kassierte wegen Meckerns ihre zweite Gelbe Karte im Turnier (60.) und ist im letzten Gruppenspiel gesperrt.

Erst Dahlkvist erlöste schließlich die Schwedinnen, als sie nach einem Querpass von Therese Sjorgan zum Sieg einschoss. Zittern musste Schweden aber trotzdem noch einmal: Nach einem Kopfball von Ri Un Hyang klärte Bundesligaprofi Sara Thunebro kurz vor der Torlinie.

Schweden brachte die Führung dennoch über die Zeit. Damit hat auch die Aufregung um Nordkoreas Spielmeldung keine Auswirkungen: Trainer Kim Kwang Min hatte entgegen der FIFA-Statuten eine Spielerin von Beginn an auflaufen lassen, die nicht für die Startelf markiert war. Die Schwedinnen hätten Protest einlegen können.

Beim Drei-Kronen-Team überzeugten Schelin und Dahlkvist. Aufseiten Nordkoreas boten Kim Su Gyong und Kapitänin Jo Yun Mi eine ansprechende Leistung. Schweden trifft im abschließenden Gruppenspiel in Wolfsburg auf den Olympiasieger USA (Mittwoch/20.45 Uhr). Nordkorea spielt zeitgleich in Bochum gegen Kolumbien.