Interview

Rosberg: „Mehr Faszination geht nicht“

Nico Rosberg erklärt, warum er lieber in der Formel E investiert als in der Formel 1.

Nico Rosberg verfolgt die Formel 1 als TV-Experte, in der Formel E hat er sogar investiert. Er stellte in Berlin die neue Auto-Generation vor

Nico Rosberg verfolgt die Formel 1 als TV-Experte, in der Formel E hat er sogar investiert. Er stellte in Berlin die neue Auto-Generation vor

Foto: Sam Bagnall / BM

Berlin.  Nico Rosberg hatte sich nach dem Weltmeistertitel in der Formel 1 2016 aus dem Motorsport zurückgezogen. Nun wurde bekannt, dass sich der 32-Jährige als Anteilseigner in der Formel E engagiert. Beim Gastspiel der Elektrorennserie auf dem Flughafen Tempelhof präsentierte Rosberg unter anderem erstmals die neue Fahrzeug-Generation (Gen-2), die ab der nächsten Saison zum Einsatz kommt.

Warum engagieren Sie sich als Investor in der Formel E?

Nico Rosberg: Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für Innovationen und bin voll überzeugt von der E-Mobilität. Sie ist eine riesige Chance für unsere Welt, in Richtung Nachhaltigkeit zu gehen. Die Formel E ist das Epizentrum, um diese neue Technologie zu zeigen. Außerdem ist mein Sponsor Hugo Boss groß in der Formel E engagiert. Daher bin ohnehin bei ein paar Rennen dabei.

Sind Sie darüber hinaus auch noch als Berater für die Elektrorennserie tätig?

Nein, und es ist im Moment auch nicht geplant.

Könnten Sie sich denn vorstellen, als Fahrer oder als Teamchef in der Formel E zu arbeiten? Zum Beispiel, wenn Mercedes ab 2019 ebenfalls in die Serie einsteigt?

Nein. Es hat zwar großen Spaß gemacht, in Berlin den neuen Generation-2-Boliden zu präsentieren, mit dem ab der kommenden Saison gefahren wird. Aber ein regelmäßiges Engagement als Fahrer oder Teamchef ist für mich kein Thema. Ich habe meine Rennkarriere mit dem perfekten Abschluss als Formel-1-Weltmeister beendet. Jetzt geht es auf zu neuen Abenteuern.

Wegen des mangelnden Motorsounds und der im Vergleich zur Formel 1 deutlich geringeren Geschwindigkeit wird die Formel E auch in ihrer vierten Saison immer noch belächelt. Bietet die Serie aus Ihrer Sicht überhaupt echten Motorsport?

Die Formel E fällt für mich definitiv unter die Kategorie Motorsport. Das Fahrzeug ist ein echter Rennwagen. Es wird zwar nicht so schnell gefahren wie in der Formel 1, aber dafür gibt es in der Formel E viel mehr Positionskämpfe. Die Schwäche der Formel 1 ist, dass man dort nur sehr schwer überholen kann. Für mich sind diese Duelle aber der Kern der Unterhaltung, und da ist die Formel E anderen Serien voraus.

Wenn Sie als Formel-1-Weltmeister doch in der Formel E mitfahren würden: Welche Platzierung könnten Sie erreichen?

In der Serie haben wir einige der besten Fahrer der Welt – die putzt man nicht so einfach weg. Ich könnte mich da nicht reinsetzen und sofort vorn dabei sein. Unmöglich. Das Level ist enorm hoch, und da bräuchte ich schon etwas Zeit, um mich einzufinden.

Was macht die Formel E besser als andere Rennserien?

Das Alleinstellungsmerkmal ist die Technologie. Aber die Formel E ist außerdem zugänglicher und familienfreundlicher als andere Rennserien. Ich habe mich am Sonnabend mit einem Vater unterhalten, der mit seiner kleinen Tochter zur Rennstrecke gekommen war. Sie wohnen ganz in der Nähe und haben sich einen schönen Tag bei der Formel E gemacht. Das wäre bei einer Veranstaltung auf einer der klassischen Rennstrecken nicht so einfach möglich gewesen.

Formel-E-Chef Alejandro Agag hat vor Kurzem verraten, dass das neue Formel-E-Rennformat für die nächste Saison vom Videospiel „Mario Kart“ inspiriert ist. Es soll vor allem die jüngere Generation umhauen, so Agag. Was meinen Sie dazu?

Das ist meiner Meinung nach genau der richtige Ansatz. Die Formel 1 erreicht die junge Zielgruppe gar nicht mehr in dem Umfang. Die jungen Leute sind eher durch Spiele zu begeistern. Von daher hat Alejandro absolut recht, wenn er die Formel E hier anders positioniert. In dem Bereich kann man richtig kreativ sein und die Jugend besser abholen, wenn man sich etwas Gutes einfallen lässt.

In welchen Bereichen sehen Sie noch Optimierungsbedarf?

Wir müssen es schaffen, noch viel mehr Menschen zu erreichen. Das ist ein Prozess, der dauert, weil die Formel E immer noch eine junge Serie ist, aber wir sind auf dem richtigen Weg. Wir müssen weiter gute Unterhaltung bieten, zum Beispiel mit dem neuen Auto, das einfach spektakulär aussieht. Und jetzt kommen auch noch die ganzen Hersteller: Das wird der Serie noch mehr Schub verleihen. BMW, Audi, Porsche, Mercedes – die bringen alle Hersteller-Support ein. Ich weiß gar nicht, ob es im Racing-Bereich schon einmal etwas Vergleichbares gegeben hat. Dass die vier großen deutschen Premium-Marken gegeneinander antreten – das klingt für mich verdammt aufregend! Allein deshalb müsste eigentlich ganz Deutschland den Fernseher anschalten. Das ist unsere Automobilbranche, die sich hier auf der Strecke duelliert, mit einer Technologie, die in einigen Jahren auch auf der Straße ankommt. Mehr Faszination geht nicht!

Inwiefern wird der Einstieg der großen Hersteller die Serie verändern?

Wir haben in der Formel 1 gesehen, was die Hersteller anrichten können, wenn sie zu viel Einfluss bekommen. Für mich ist das der entscheidende Punkt. Man muss ihnen die Gelegenheit geben, ihre Technologie zu zeigen. Trotzdem muss es für private Teams weiter möglich sein, zu gewinnen, wenn sie technisch einen guten Job machen. Es ist ein schmaler Grat. Dessen ist sich Alejandro Agag aber durchaus bewusst.

Kann die Formel E irgendwann die Formel 1 als weltweite Nummer eins ablösen?

Wir treten nicht gegen die Formel 1 an. Beide Serien können parallel gut existieren. Für die Formel E ist es wichtig, in der neuen Mobilität die Nummer eins zu sein. Wir wollen zeigen, wie cool Elektromobilität sein kann.