Bangen, leiden, hoffen. Die Gefühlswelt war in den vergangenen Monaten facettenreich, bei den Eisbären Berlin selbst, bei ihren Fans. Daher fiel am späten Sonntagnachmittag überall viel Ballast ab. Was sich in erlösendem Jubel manifestierte, als die Mannschaft nach erledigter Arbeit vom Eis kam. Sie ging aber nicht in die Kabine, sondern lief an den Fans in der Kurve vorbei. Jeder Spieler klatschte etliche Male die Anhänger ab.

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Die Dinge hatten sich in der richtigen Weise gefügt. „Ich denke, dass wir mit dem sechsten Platz sehr zufrieden sein können, so wie die Saison lief. Wir sind happy, dass wir uns die Pre-Play-offs sparen“, sagte Kapitän Kai Wissmann nach dem 5:1 (1:0, 3:1, 1:0) gegen Red Bull München vor 14.200 Zuschauern in der Uber Arena. Am 52. und letzten Spieltag der Hauptrunde der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zog der Titelverteidiger damit direkt in das Viertelfinale ein. Dort trifft der EHC ab dem 24. März auf den Dritten Straubing.
Eisbären Berlin sind das Team der Stunde
Mehr Kribbeln konnte der finale Punktspieltag gewiss nicht auslösen. Ein schwerer Gegner in der eigenen Partie, ein harter Konkurrent um den wichtigen Platz sechs in einer parallelen Begegnung mit leichtem Kontrahenten. Führt der Weg direkt ins Ziel, ist ein Umweg nötig? Für den Rekordmeister ergaben sich richtungsweisende Fragen, die dringend Antworten benötigten.

In den Partien zuvor hatten die Berliner die richtigen Lösungen parat. Sie schafften, was viele kaum noch für möglich gehalten hatten angesichts vieler Defizite in den zurückliegenden Monaten. „Wir spielen seit der Pause deutlich besser als die meiste Zeit der Saison“, so Wissmann. Mit einer Siegesserie steuerte der EHC auf den Showdown zu. Die Eisbären avancierten gar zum Team der Stunde in der DEL als Klub mit der besten Bilanz in den jüngsten fünf Partien.
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Genug Selbstbewusstsein hatte sich also angesammelt vor dem Duell mit dem Vierten aus München. Weil zuvor auch der Erste aus Köln (1:0) und der Dritte aus Mannheim (4:2) geschlagen wurden. „Ich freue mich zu sehen, dass das Niveau in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen ist“, so Trainer Serge Aubin, der sein Team gegen die Bayern unverändert ließ und eine hart umkämpfte Partie sah.
Titelverteidiger spielt wieder mit großer Gelassenheit
München, beflügelt von zehn Toren gegen den da noch Zweiten Straubing zwei Tage zuvor und der Aussicht, sich in der Tabelle noch zu verbessern, legte mit viel Vorwärtsdrang los. „Wir waren im ersten Drittel vielleicht ein bisschen mehr in der eigenen Zone, als wir uns das vorgestellt hatten“, sagte Wissmann. Doch das konterten die Eisbären nicht nur mit Gelassenheit, sondern mit viel Gegenwehr in den Zweikämpfen. Ebenso gelang es ihnen, die Münchner mit einer stabilen Ordnung in der neutralen Zone besser zu kontrollieren.
Wir haben die Fehler relativ kalt genutzt.
Andreas Eder, Stürmer der Eisbären Berlin
Die Berliner verstanden es auch, die Möglichkeiten zu nutzen, die sich ihnen boten. In ihrer offensiven Bewegung eröffneten die Gäste defensiv immer wieder Lücken. Manuel Wiederer traf per Konter zur Führung (10.). Zwar glich Chris DeSousa aus (21.), doch in Unterzahl erzielte Frederik Tiffels das 2:1 (25.). In Überzahl legte Andreas Eder nach (37.), Ty Ronning schloss den nächsten Konter mit dem 4:1 ab (38.). „Wir haben die Fehler relativ kalt genutzt“, so Eder.
Eisbären Berlin treffen im Viertelfinale auf Straubing
Diese Kaltschnäuzigkeit war auch nötig. München ackerte beharrlich, nicht immer ganz fair. Die Emotionalität auf dem Eis übertrug sich auf die Ränge, wo man genau informiert war über den Stand in Bremerhaven. Dort arbeiteten die Pinguins gegen Schlusslicht Dresden am Torverhältnis (6:1). Ein Punkt gegen München hätte vielleicht zu wenig sein können, um Platz sechs zu halten. Die Trefferquote der Berliner beruhigte die Nerven allerdings gegen Ende des zweiten Drittels.
Der fünfte Sieg in Serie geriet selbst durch einige Strafzeiten der nun sehr dominant und entschlossen auftretenden Eisbären nicht mehr in Gefahr. Stattdessen traf Yannick Veilleux zum 5:1 (59.). Diese Demonstration dürfte der Konkurrenz in der Liga vor dem Start in das Play-off etwas Angst machen. „Der EHC Eisbären ist wieder da“, sangen die Anhänger, die das Team später noch geschlossen im Fanbogen, einem Begegnungsort der Eisbären-Fans, begrüßen durften. „Wir werden den Abend genießen“, kündigte Trainer Aubin an.





