Eisbären Berlin

Eisbär Lukas Reichel: Eishockey-Talent als Familientradition

Dass ein 17-Jähriger in der DEL sein Debüt gibt, geschieht nicht sehr häufig. Eisbären-Stürmer Lukas Reichel könnte es schaffen.

Am Gitter vor dem Gesicht ist Eisbären-Talent Lukas Reichel gut zu erkennen.

Am Gitter vor dem Gesicht ist Eisbären-Talent Lukas Reichel gut zu erkennen.

Foto: Louis Wirks / Eisbären Berlin

Berlin/Berchtesgaden. Nur gut 100 Kilometer liegen zwischen Berchtesgaden und Rosenheim. Was für Lukas Reichel bedeutet, dass der EHC Eisbären für sein Trainingslager einen sehr guten Ort gewählt hat. Die Heimat ist nah. Deshalb erwartet der junge Stürmer in diesen Tagen Familienbesuch, Vater Martin will aus Rosenheim anreisen und etwas Zeit mit seinem Sohn verbringen.

Solche Gelegenheiten bieten sich nicht mehr all zu häufig, obwohl Lukas Reichel gerade erst 17 Jahre alt geworden ist. Sein Talent für das Eishockey hat ihn schon vor über einem Jahr von Rosenheim nach Berlin geführt. Dabei spielte auch Vater Martin eine Rolle: „Er hat zu mir gesagt, dass die Eisbären ein guter Platz für junge Spieler sind und ich mich dort zeigen kann.“

Immer das Gitter vor den Augen

Gerade jetzt erscheint die Möglichkeit dazu überaus günstig. Die Eisbären propagieren einen Kurswechsel, wollen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) vermehrt mit jungen deutschen Spielern antreten, ihre Talente besser fördern. In der Vorbereitung auf die neue Saison zeigt sich das bereits, der Spieler mit der Gittermaske – die Reichel tragen muss, da er noch nicht 18 ist – darf nicht nur ein bisschen mitmachen, sondern sogar in Überzahl aufs Eis, Penaltys schießen.

Das fühlt sich schon anders an als im vergangenen Jahr. Da bestritt Reichel ebenso die Vorbereitung mit den Profis und absolvierte auch ein Testspiel. Ohne große Ambitionen bezüglich der DEL zu hegen, stattdessen spielte er im Nachwuchs. „Jetzt komme ich besser klar mit dem schnellen Spiel der Profis, das Taktische kann ich auch besser umsetzen“, erzählt der Angreifer. Altersbedingt hat er noch körperliche Defizite, aber daran wurde im Sommer schon viel gearbeitet.

Imposante Familiengeschichte bei den Reichels

Lange Zeit gemeinsam mit Bruder Thomas (20). Beide kamen vergangenes Jahr zusammen nach Berlin, der Ältere wurde dann aber in der zweiten Liga in Weißwasser eingesetzt, wo er auch jetzt nach einer längeren Trainingsphase mit dem EHC wieder ist. In den jüngeren der Brüder scheinen die Eisbären etwas mehr Hoffnung zu setzen. „Wir wollen gern mit ihm arbeiten, ihm eine Chance geben und sehen, ob es klappt“, sagt Sportdirektor Stéphane Richer. Die Eisbären meinen es ernst mit ihrer neuen Jugendlichkeit.

Der Stammbaum der Reichels lässt in jedem Fall die Hoffnung zu, dass vielleicht sogar beide den Durchbruch schaffen. Vater Martin (45) war deutscher Nationalspieler, Meister mit Frankfurt. Onkel Robert Reichel (48) ist eine tschechische Legende, war Olympiasieger, dreimal Weltmeister und hat über 900 Spiele in der nordamerikanischen NHL bestritten. Dessen Sohn Kristian (21) klopft bereits an die Tür zur besten Liga der Welt und spielt eine Stufe darunter in der AHL. Früher haben sich alle regelmäßig getroffen, aber dafür fehlt inzwischen die Zeit.

Der Weg von Lukas und Thomas Reichel war quasi vorbestimmt. „Ich stand mit drei Jahren schon auf dem Eis und wusste, das ist genau mein Ding“, sagt Lukas und meint damit, dass er immer Profi werden wollte. „Mein Vater steht dabei hinter mir und unterstützt mich“, erzählt er. Auch hinter dem Traum, es irgendwann in die NHL zu schaffen, steht Vater Martin, der in Rosenheim als Nachwuchstrainer fungiert.

Auch Marcel Müller debütierte mit 17 in der DEL

Zunächst ist aber die DEL das Ziel. Mit dem neuen EHC-Trainer Serge Aubin könnte es gelingen. „Er gibt den jungen Spielern viel Vertrauen“, sagt der offensivstarke Lukas Reichel, der der Jüngste ist in der Berliner Reisegruppe. Und natürlich damit verbundene Aufgaben hat, wie Pucks nach dem Training einsammeln oder Taschen tragen: „Das kriege ich hin.“ So wie viele andere vor ihm.

Was nur wenige bislang erreicht haben, sind DEL-Einsätze mit 17 Jahren. Bei den Eisbären debütierte 2005 Marcel Müller in diesem Alter, sein Talent führte ihn später tatsächlich in die NHL. „In dieser Saison will ich so viel für die Eisbären spielen, wie es geht“, sagt Lukas Reichel. Die nächste Gelegenheit ist das vierte Testspiel in der Vorbereitung am Freitag in Wien. Dort will der Vater vielleicht auch vorbeischauen, obwohl es etwas weiter weg ist von Rosenheim. Aber immer noch deutlich näher als Berlin.