Eisbären Berlin

Eisbär Dahm: Ein Torwart mit Teamgefühl

Sebastian Dahm tritt bei den Eisbären die Nachfolge von Kevin Poulin an. Er wurde nicht nur wegen seiner sportlichen Qualitäten geholt.

Aus Iserlohn nach Berlin: Torwart Sebastian Dahm.

Aus Iserlohn nach Berlin: Torwart Sebastian Dahm.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Berlin. Blindes Vertrauen in das unerschöpfliche Wissen des Internets kann zuweilen auf die falsche Spur führen. Deshalb muss Sebastian Dahm erst einmal Aufklärungsarbeit betreiben. Seine Mutter, so steht es bei Wikipedia, sei Deutsche, daher besitze er einen deutschen Pass. „Das wurde mal falsch berichtet“, sagt Dahm: „Aber ich habe einen deutschen Familienteil, meine Oma ist Deutsche.“ Durch die Familie waren die Verbindungen des Dänen ins Nachbarland immer sehr eng. Bei der Cousine habe er früher viel Zeit in den Sommerferien verbracht. Das war in Ratingen.

Heute lebt die Cousine in München, und Sebastian Dahm trifft sie immer noch regelmäßig. Nun schaut er allerdings nicht mehr in seiner Freizeit vorbei, sondern verbindet den Besuch, wenn er dienstlich in der Stadt ist. Für den Eishockey-Torhüter bedeutet das mindestens zwei Termine pro Saison. In den zurückliegenden beiden Jahren kam er aus Iserlohn, in der neuen Spielzeit der Deutschen Eishockey Liga (DEL) wird er aus Berlin anreisen.

Die Zahlen sind manchmal nur relativ

Seit gut zwei Wochen ist der neue Torwart des EHC Eisbären in der Stadt. „Unsere Trainingsmöglichkeiten sind sehr gut, auch unser Coachingstaff ist sehr gut, mit vielen Spezialisten“, erzählt der Deutsch-Däne. Bei den Roosters im Sauerland war alles eine Nummer kleiner, Dahm wirkt ein wenig beeindruckt. „Ich freue mich über die Möglichkeit, hierher zu kommen“, sagt er. Dass sie sich auftat, durfte in Berlin einige durchaus überraschen. Schließlich gab es hier einen starken Torwart, und Dahm hatte nicht seine beste Saison hinter sich.

Zahlen sind manchmal relativ. So wie Dahms Fangquote von 89,7 Prozent jüngst in Iserlohn. „Wir haben schwer als Team zusammengefunden, alle in verschiedene Richtungen gearbeitet. Es ist aber eine Grundbedingung in einer Mannschaft, dass man in eine Richtung gehen muss“, sagt der 32-Jährige. Damit trifft er einen wichtigen Punkt, der auch bei den Eisbären zu einem unerfreulichen Thema wurde. Der einen erheblichen Ausschlag dafür gab, dass Dahm der Posten zwischen den Pfosten von den Berlinern offeriert worden ist.

Erstes Testspiel am Sonntag in Weißwasser

So stark nämlich Kevin Poulin (29) in der vergangenen Spielzeit oft hielt, menschlich kam er mit seiner sehr egozentrischen Art bei der sportlichen Leitung der Eisbären nicht an. Selbst die Fangquote von 93,1 Prozent im Play-off konnte die Berliner nicht dazu bewegen, ihn länger zu binden. Obwohl der Kanadier ein Publikumsliebling war. „Ich kenne die Situation von letzter Saison nicht. Ich weiß nur, dass die Eisbären immer eine gute Torhüter-Tradition haben“, sagt Dahm, der mit den Berlinern am Sonntag in Weißwasser das erste Testspiel bestreitet (16 Uhr).

Der Deutsch-Däne will diese Tradition nun fortführen. „Ich freue mich auf die Herausforderung, höher in der Tabelle zu stehen als letzte Saison. Ich weiß, dass dieser Klub immer hohe Erwartungen hat“, sagt Dahm. Platz neun zu überbieten, sollte leicht fallen. Aber auch im Play-off muss mehr her als das Viertelfinale. Seine Fähigkeiten hat der Torwart schon nachgewiesen, bei der jüngsten WM mit einer Fangquote von 92,8 Prozent im Tor der Dänen. Auch die erste Saison in Iserlohn war anständig, die beiden Jahre zuvor in Graz liefen sehr gut.

In Berlin soll er nun nicht nur stark halten, sondern auch ein guter Kollege sein. Eben das, was man Poulin nicht zutraute. Dahm soll Marvin Cüpper in seiner Entwicklung helfen. „Es ist immer wichtig, in einer Liga mit so vielen Spielen und so viel Druck, dass man ein Torwartteam ist. Wenn man nur Konkurrent ist, arbeitet man nicht nur gegen den Gegner, sondern auch gegen den Konkurrenten. Das ist keine so gute Situation für eine Mannschaft“, erzählt der Goalie, der ganz offenbar nicht in das Klischee des eigenbrötlerischen Torhüters passt.

Auch als Mentor für Marvin Cüpper gefragt

Dahm ist offen, er ist kommunikativ. Er und Cüpper sind ähnliche Torhüter, nicht ganz so groß, analog in ihren Bewegungen. „Da können wir besser über technische Fragen reden. Wir sprechen viel. Es ist wichtig, dass wir uns unterstützen. Dann können beide besser halten“, so der Neue. Der Blick auf die Kombination im Tor der Berliner wird trotz der guten Vorsätze begleitet von etwas Skepsis. Cüpper verpasste die vergangene Saison bis auf ein Spiel für Weißwasser komplett wegen Verletzungen, wo der 25-Jährige aktuell steht in seiner Leistungsfähigkeit, ist fraglich. Auch Dahm braucht bei aller Teamfähigkeit wieder bessere Zahlen als zuletzt in Iserlohn. Für den Fall, dass das Duo hinter den Zielen zurückbleibt, halten sich die Eisbären noch eine Lizenz für einen ausländischen Torhüter offen.

Daran kann Dahm jetzt nicht denken: „Ich werde alles geben im Training, immer kämpfen in den Spielen.“ So will er ebenso wie Poulin zu einem Liebling der Fans werden. Seine offene Art, sein ansteckendes Lächeln können Dahm dabei helfen. Auch seine sprachlichen Fähigkeiten, der Torhüter parliert in gutem Deutsch. Schon in der Schule lernte er das, perfektioniert hat er es in den vergangenen Jahren. „Es ist toll, mit allen Deutsch sprechen zu können, dann fühle ich mich ein bisschen mehr zu Hause“.