Neuer EHC-Profi

Die Eisbären spielen mit dem richtigen Pass

Weil Colin Smith ab sofort als Deutscher bei den Eisbären aufläuft, lohnt sich der Wechsel von Zugang Austin Ortega für den Klub.

Austin Ortega im Champions-League-Einsatz für Växjö

Austin Ortega im Champions-League-Einsatz für Växjö

Foto: Revierfoto / picture alliance/dpa

Berlin.  Warum Austin Ortega nun ein Ersatz für Thomas Oppenheimer sein sollte, erschloss sich im ersten Augenblick der Mitteilung des EHC Eisbären nicht. Oppenheimer, der wegen seines komplizierten Schlüsselbeinbruchs in dieser Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nicht mehr spielen kann, hat einen deutschen Pass. Ortega ist US-Amerikaner, und außerdem verfügen die Berliner bereits über neun spielfähige Ausländer und dürfen somit keinen zehnten in einem Spiel einsetzen. Höchstens zum Anheizen des Konkurrenzkampfes also taugt Ortega.

Ganz ohne Hintergedanke war die Formulierung von Geschäftsführer Peter John Lee bei der Verpflichtung des Stürmers allerdings nicht. „Wir müssen keinen Spieler auf die Tribüne schicken, denn einer der anderen Ausländer hat seinen deutschen Pass bekommen“, so Lee. Schon seit Saisonbeginn wurde daran gearbeitet, denn um die deutschen Großeltern mütterlicherseits bei Angreifer Colin Smith wussten die Berliner schon lange.

Wechsel der Nationalität brauchte viel Zeit

Just in diesen Tagen der Länderspielpause erhielt der Kanadier das neue Dokument. „Es hat sich alles sehr lange hingezogen. Aber er kann jetzt als Deutscher weiterspielen“, so Lee. Und für die Berliner geht der Transfer von Ortega damit vollends auf, sie haben zumindest personell den in dieser Spielzeit fast durchgängig aufgrund von Verletzungen stark dezimierten Kader aufstocken können.

Inwieweit der neue Stürmer die Eisbären auch spielerisch voranbringen kann, wird sich zeigen. Mit 1,73 Meter ist er eher klein – wie schon einige andere EHC-Stürmer. „Die Größe hat nichts damit zu tun, wie man das Spiel spielt“, so Lee. Man habe ein paar gute Dinge über den quirligen Offensivmann gehört, der aus Schweden von den Växjö Lakers nach Berlin wechselt. In 31 Spielen traf er dreimal und verbuchte neun Vorlagen für den Neunten der schwedischen Liga. Zuvor war der 24-Jährige in seiner Heimat kurzzeitig in der AHL, der zweiten Liga, für San Diego im Einsatz.

Lee spricht in Los Angeles über die neue Saison

„Wir brauchen Tiefe im Kader, daher war das die beste Lösung für uns“, sagt der Geschäftsführer, der zusammen mit Trainer und Sportdirektor Stéphane Richer vier verletzte Spieler (Florian Kettemer, James Sheppard, Louis-Marc Aubry und André Rankel) nach der Pause zurückerwartet. Bei Mark Olver gibt es noch eine Chance, nach mehreren Monaten mit Gips ist der Stürmer bereit für ein Comeback, müsse aber „erst das Gefühl in der Hand“ zurückerlangen, so Lee. Ob und wann er wieder spielen kann, steht nicht fest.

Wenn der Tabellenzehnte am 15. Februar in Schwenningen in die letzten sieben Partien der Hauptrunde startet und versucht, das Pre-Play-off zu erreichen, wird Lee noch unterwegs sein. Der Geschäftsführer fliegt am heutigen Freitag nach Los Angeles, um mit Vertretern der Kings über die kommende Saison zu reden. Beim NHL-Klub, dem die Berliner innerhalb der Anschutz-Gruppe unterstellt sind, geht es neben Marketingfragen auch um den Etat und den Kader für die nächste Saison. Ein Thema dürfte dabei der Spielraum sein, den es für mögliche Vertragsauflösungen gibt. Denn die schließen die Eisbären aufgrund vieler enttäuschender Leistungen nicht mehr aus.

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