Der Besuch in Venedig war fest eingeplant. Zusammen mit seiner Freundin hatte Eisbären-Stürmer Louis-Marc Aubry die Länderspielpause in der Deutschen Eishockey-Liga für eine Reise durch Italien genutzt und wollte unter anderem auch in die Lagunenstadt. Doch die Unwetter in der Region machten ihnen einen Strich durch die Rechnung. Weil Venedig nach den Unwettern der vergangenen Wochen immer noch unter Wasser steht, musste Aubry kurzfristig umdisponieren.
Auf dem Eis läuft es für den Kanadier ebenfalls noch nicht wie geplant. In der vergangenen Saison war er im Play-off als bester Torschütze und zweitbester Scorer des Teams ein Garant des Erfolgs gewesen. Zehn Tore und 19 Punkte sammelte er im Frühjahr in 18 Spielen, also etwas mehr als einen Punkt pro Spiel – damit hatte Aubry großen Anteil daran, dass die Berliner am Ende Vizemeister wurden. In den ersten 17 Partien der laufenden Saison hat der 27-Jährige dagegen erst drei Treffer selbst erzielt und zwei weitere vorbereitet, das macht insgesamt gerade einmal fünf Punkte.
Jodoin sieht positive Entwicklung bei Aubry
„Diese Saison hat ziemlich holprig angefangen“, sagt Aubry. „Das war keine einfache Zeit für mich.“ Grund ist offenbar eine persönliche Angelegenheit, die ihn gehemmt hat. So deutet es zumindest Trainer Clément Jodoin am Donnerstag an. Neben Aubry zählen auch Sean Backman und Kapitän André Rankel zu den Spielern, die bisher hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind. „Alle drei wissen, dass sie noch nicht das gebracht haben, was sie können“, sagt Jodoin. Er findet, dass bei Aubry zuletzt jedoch eine positive Entwicklung zu erkennen gewesen war: „In den vergangenen drei, vier Partien war er stets einer unserer besten Spieler.“
Während sich bei Backman und Rankel die Verletzungen in der Vorbereitung ausgewirkt haben, liegt die mangelnde Offensivausbeute bei Aubry auch an einer veränderten Rolle innerhalb der Mannschaft. Er wird neuerdings häufig in Unterzahl eingesetzt. Gerade zu Beginn der Saison, als die Eisbären zu viele Strafzeiten kassierten, verbrachte er so viel Zeit auf dem Eis – was gleichzeitig bedeutete, dass für mehr Offensivdrang schlichtweg die Kraft fehlte.
Gegen Krefeld kehren einige Verletzte zurück
„Ich hatte ja teilweise nur drei, vier Schichten im Fünf-gegen-Fünf“, sagt er. Als Degradierung habe er seine neue Aufgabe aber nicht empfunden. Er mache einfach das, was der Trainer von ihm verlangt. Und Clément Jodoin betont: „Jeder einzelne Spieler ist wichtig. Es kommt nicht nur auf ein, zwei Topleute an.“
Deshalb ist der Coach auch froh, dass die Eisbären beim Heimspiel am Freitag gegen die Krefeld Pinguine (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) personell wieder aus dem Vollen schöpfen können. Gleich mehrere angeschlagene Spieler sind zurückgekehrt. Zwar fällt Mark Olver nach wie vor aus und wird sich nach seinem Kapselriss im Finger nun doch operiert, doch ansonsten hat sich das Lazarett gelichtet.
Wenn alle fit sind, wird es eng für Verteidiger Kettemer
Auch Torjäger Jamie MacQueen gehört gegen Krefeld früher als erwartet wieder zum Aufgebot. „Die interne Konkurrenz ist dadurch größer geworden“, sagt Jodoin. Was wiederum neue Fragen aufwirft: Die Berliner haben jetzt einen Ausländer zu viel, so dass immer einer auf die Tribüne muss – am Freitag ist es Verteidiger Daniel Richmond. Zudem herrscht in der Abwehr nun ein Überangebot, zumal in ein, zwei Wochen auch noch Nationalspieler Jonas Müller dazustößt. Ob der zunächst nur bis Ende November befristete Vertrag mit Florian Kettemer verlängert wird, ist daher fraglich. „Es ist kein Geheimnis, dass er gute Leistungen gebracht hat“, sagt EHC-Sportdirektor Stéphane Richer. „Aber wenn alle gesund sind, hätten wir mit ihm neun Verteidiger. Das sind zu viele.“
Als Kettemer kam, herrschte Notstand. Die Vereinsbosse rechneten am Donnerstag vor: Im Schnitt fehlten dem EHC in den ersten 17 Partien 6,1 Spieler aufgrund von Verletzungen. „Wie wir uns durch diese Situation durchgekämpft haben, hat uns als Team noch enger zusammenrücken lassen“, sagt Jodoin. „Im weiteren Verlauf der Saison kann uns das noch sehr helfen.“ Der Optimismus ist da, auch bei Stürmer Aubry. „Wir wollen in der Tabelle weiter nach oben klettern“, sagt er. Trainer Jodoin ist überzeugt, dass der Center noch sehr wertvoll werden kann. „In der ersten Phase einer Saison kann man allein mit Talent noch viel erreichen. Aber jetzt kommt die Zeit, in der es vor allem darauf ankommt, hart zu arbeiten und richtig durchzuziehen“, sagt er. Genau die Dinge also, die Aubry bestens beherrscht.


