Eishockey

Gernot Tripcke: „Das Interesse an Eishockey neu entfacht“

Der DEL-Geschäftsführer im Interview über die Folgen der Olympia-Silbermedaille von Pyeongchang.

DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke (M.), hier beim Abschiedsspiel von Ronny Arendt (l.) und Jochen Hecht.

DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke (M.), hier beim Abschiedsspiel von Ronny Arendt (l.) und Jochen Hecht.

Foto: Uwe Anspach / picture alliance / Uwe Anspach/d

Essen.  Seit 1997 lenkt Gernot Tripcke als Geschäftsführer die Geschicke der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Im Interview spricht der 50-Jährige vor der Finalserie zwischen Red Bull München und dem EHC Eisbären ab Freitag (19.30 Uhr/Sport1) über die Lage der Liga und die Folgen des Olympia-Triumphs.

Herr Tripcke, wie kann die Deutsche Eishockey Liga die Silbermedaille bei Olympia vergolden?

Gernot Tripcke: In dem wir erstens die seit langem höchste Aufmerksamkeit für Eishockey in Deutschland bei Sponsorengesprächen ausnutzen und uns zweitens hilfreich beim Nachwuchs einbringen. Das sind zwei wichtige Säulen, um das Profi-Eishockey in Deutschland zu festigen, zu stabilisieren. Es gibt spürbar mehr interessierte Kinder, die an unserem Powerplay-Programm Interesse zeigen. Das muss die Basis sein, um immer wieder neue Talente zu finden und zu fördern. Eine Silbermedaille wie in Pyeongchang hilft uns sehr.

Das Programm ist bis 2026 angelegt.

Dann wollen wir uns in den Top Acht der Welt etabliert haben. Deutschland wird nicht ständig im Olympia-Finale stehen und bei einer WM plötzlich ins Endspiel kommen, so realistisch muss man sein, dafür ist die Konkurrenz zu stark. Aber das Interesse, gerade beim Nachwuchs, ist durch Olympia spürbar neu entfacht.

Mit Christian Ehrhoff hat einer der bekanntesten DEL-Spieler seinen Rücktritt erklärt. Ist das betrüblich für die Liga?

Natürlich, aber Christian konnte nach dem Gewinn der Silbermedaille keinen besseren Moment erwischen.

Wer tritt in seine Fußstapfen?

Da gibt es einige Jungs, die das Zeug dazu haben. Leo Pföderl beispielsweise, Dominik Kahun oder der Berliner Jonas Müller. Die Olympia-Jungs haben uns begeistert, da mache ich mir keine großen Sorgen. Und Leon Draisaitl haben wir ja auch noch.

Mit einem 68-Millionen-Dollar-Vertrag bei den Edmonton Oilers ist er der Vorzeigespieler – und vielleicht auf dem Weg, der Dirk Nowitzki des Eishockeys zu werden?

Das ist ein gewagter Vergleich, schließlich zählen im Basketball mehr die Einzelspieler als im Eishockey. Und Dirk hat ja in der NBA seinen Titel geholt. Vom Können her ist Leon allerdings ähnlich spektakulär. Er ist ein Typ, der dem deutschen Eishockey gut zu Gesicht steht.

Wo steht die DEL im internationalen Vergleich?

Mit der NHL und auch der russischen KHL, wo einige Klubs mit mehr als 50 Millionen Euro in der Saison planen, können wir uns nicht messen. Die Schweiz und Schweden können sich besser vermarkten, weil Eishockey dort mindestens einen gleichwertigen, wenn nicht sogar höheren Stellenwert im Vergleich mit Fußball hat. Dann aber kommt die DEL. Wir haben eine spannende, ausgeglichene Liga, mit der Schweiz und Russland die meisten Zuschauer (6000 im Schnitt, d. Red.) und sind medial auch gut aufgestellt.

Hat sich der Olympia-Erfolg auch medial positiv ausgewirkt?

Auf jeden Fall. Bei Sport1 hatten wir in der Spitze immerhin 600.000 Zuschauer bei bestimmten DEL-Spielen. Das Interesse an der Liga und am deutschen Eishockey ist da, unser Produkt stimmt.

Wer wird Meister in diesem Jahr: München oder Berlin?

Ich sehe die Finalserie offen. Ich hoffe, sie dauert lange.