Eishockey

Sean Backman: Ein Volltreffer für Berlin

Torjäger Sean Backman hat seinen Vertrag bei den Eisbären verlängert. Das zeigt, dass ihm Berlin gut gefällt. Und dass die Berliner Großes vorhaben.

22 Treffer und 16 Torvorlagen: Sean Backman hat nicht nur Berlin, sondern auch die DEL im Sturm erobert

22 Treffer und 16 Torvorlagen: Sean Backman hat nicht nur Berlin, sondern auch die DEL im Sturm erobert

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Es war Liebe auf den ersten Blick. Eisbären-Stürmer Sean Backman war noch nicht lange in Berlin, da dachten er und seine Frau bereits darüber nach, ihrem Sohn als zweiten Namen den der Hauptstadt zu geben, in der er Anfang September zur Welt gekommen war. Zwar tauften sie den Kleinen am Ende doch lieber Bo Richard , dafür hat Backman Berlin in dieser Woche nun einen noch wertvolleren Liebesbeweis erbracht: Nach dem Spiel in Augsburg verkündete der Torjäger, dass er seinen Vertrag hier vorzeitig bis 2020 verlängert. „Wir bleiben noch ein paar Jahre hier. Meiner Familie gefällt es sehr gut in Berlin“, sagte der Amerikaner.

Als würde Lewandowski bei Bayern verlängern

„Es entspricht unserer Vereinspolitik, dass wir uns während der laufenden Saison nicht zu personellen Dingen äußern“, verweigert Sportdirektor Stéphane Richer ein offizielles Statement. Doch die Freude über Backmans Verbleib dürfte riesig sein. Schließlich ist er das ideale Vorbild für weitere Transfers dieser Güteklasse. Und ein Zeichen, dass der DEL-Rekordmeister wieder dauerhaft vorn dabei sein will.

Es ist schließlich in etwa so, als würde beim FC Bayern München Torjäger Robert Lewandowski erklären, dass er seinen Kontrakt frühzeitig um weitere zwei Jahre verlängert, obwohl auch andere Topklubs Interesse an ihm haben. „Sean ist ein absoluter Topspieler, nicht nur für die Eisbären, sondern für die gesamte DEL“, weiß auch Richer. Mehrere Klubs hatten deshalb bereits die Finger nach Backman ausgestreckt, auch aus Schweden soll ihm ein lukratives Angebot vorgelegen haben. Dennoch hat sich der 31-Jährige jetzt für ein langjähriges Engagement bei den Eisbären entschieden.

Klubrekord von Legende Dopita ist schon in Reichweite

Selten hat ein Importspieler in seiner ersten Saison derart eingeschlagen wie Backman. Nach einem Muskelfaserriss in der Vorbereitung war er erst spät zum Team gestoßen, seitdem erobert er die Liga im Sturm. Gegen Augsburg bewies er am Donnerstag seine Klasse auf besondere Weise. Beim 4:2-Erfolg der Berliner gelangen ihm gleich drei Treffer und damit sein erster Dreierpack im EHC-Trikot.

Insgesamt hat Backman in dieser Saison nun schon 22 Mal getroffen – er führt damit die DEL-Torschützenliste an. Noch sechs Treffer fehlen ihm, um den Uralt-Rekord des Tschechen Jiri Dopita zu knacken, der in der DEL-Premierenspielzeit 1994/95 in der Vorrunde 28 Mal für Berlin getroffen hatte.

Tabellenspitze ist wieder zum Greifen nahe

Am Sonnabend im Spiel gegen Düsseldorf (16.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) kann Backman sein Trefferkonto weiter füllen. Gewinnen die Berliner in regulärer Spielzeit und holt Spitzenreiter Nürnberg parallel im Topspiel gegen Meister München nicht ebenfalls drei Punkte, dann würden die Eisbären sogar als Tabellenführer ins neue Jahr gehen. Gegen die DEG ist außer Backman auch Kapitän André Rankel auf Rekordjagd: Er benötigt nur noch zwei Tore, um Sven Felski als bester Torschütze der Klubgeschichte abzulösen.

Über Sean Backman sagt Rankel: „Er ist ein unheimlich starker Spieler, der nicht nur viele Tore schießt, sondern auch defensiv sehr hart arbeitet.“ Tatsächlich sind Backman Starallüren völlig fremd. Der mit einer Körpergröße von 1,75 Meter kleinste Spieler im Team geht keinem Zweikampf aus dem Weg. Sein größter Trumpf ist jedoch sein Tempo, das er auf der größeren Eisfläche in Europa besser ausspielen kann als in Nordamerika. Zusammen mit James Sheppard und Nick Petersen bildet der Mann aus dem US-Bundesstaat Connecticut ein geniales Trio, das zusammen 100 Scorerpunkte sammelte: Backman 38, Petersen 35, Sheppard 27. Nur zwei Sturmreihen aus München und Krefeld sind produktiver.

Backman darf sogar auf Olympia-Teilnahme hoffen

Als Michael Futa vor zwei Wochen in der Stadt weilte, der stellvertretende Sportvorstand der Los Angeles Kings, dem Eigentümer der Eisbären, da wurde er auch nach Backman gefragt. Dieser war ja im Sommer vom Kings-Farmteam Ontario Reign nach Berlin gewechselt, nachdem er den Sprung in die National Hockey League (NHL) nicht geschafft hatte. „Andere Spieler hätten den Gang nach Europa womöglich als Schritt zurück gesehen, aber Sean hat seine Chance in Berlin perfekt genutzt“, lobte Futa.

Wenn Backman weiter so trifft, klappt es vielleicht sogar mit der Olympiateilnahme in Pyeongchang (ab 9. Februar). Das Turnier in Südkorea findet ohne NHL-Stars statt, daher setzen auch Amerikaner und Kanadier auf Spieler aus Teams in Europa. Bereits beim Deutschland Cup im November war Backman dabei, kam jedoch kaum zum Einsatz. Allerdings dürften seine Qualitäten den Verantwortlichen des US-Teams nicht entgangen sein.

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