Sie redeten von Stolz, von ihren Qualitäten. Und das konnte ihnen auch niemand verübeln. Ein 0:2 holten die Eisbären Berlin im Spitzenspiel der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gegen die Nürnberg Ice Tigers auf, waren dem Sieg am Ende sogar nah und unterlagen erst in der Verlängerung mit 2:3. Trainer Uwe Krupp freute sich darüber, „dass sich die Mannschaft zurückgekämpft hat“. Stürmer Thomas Oppenheimer konstatierte bezüglich Rückstand und Aufholjagd: „Eine gute Mannschaft lässt sich davon nicht unterkriegen und marschiert weiter.“
Marschieren, ja, das können die Eisbären. Ihre Schlussdrittel sind inzwischen gefürchtet. Da machen die Berliner so viel Dampf, dass den Kontrahenten fast schwindelig wird. Als wollten sie stetig Stoff für Heldengeschichten liefern.
Doch der Haken hinter der Sache wird immer deutlicher. Bis die Eisbären in den Tritt kommen, dauert es derzeit einfach zu lange. Gegen Nürnberg mussten die Berliner zum achten Mal hintereinander das erstes Tor des Spiels kassieren. Als würde das mittlerweile zur Strategie gehören.
Punktausbeute noch zufriedenstellend
Trainer Krupp will den Rückstand nicht zum System erheben. „Das ist nicht der Plan.“ Besonders beunruhigt schien er aber auch nicht ob der Häufung der Rückstände. Dabei gelingt es den Eisbären zuletzt nicht mehr, die Rückstände so wie vorher in Siege umzuwandeln. Drei Spiele in Folge gingen gerade verloren, erstmals in dieser Saison.
Insgesamt unterlagen die Eisbären bei der Hälfte der jüngsten acht Partien, in denen sie jeweils das 0:1 kassierten. „Da habe ich etwas anders gehört“, sagte Oppenheimer. Was sich nach einer fortschreitend verzerrten Wahrnehmung anhört, bezieht der Angreifer wohl auf die in diesen Spielen gewonnenen Punkte. Mit 13 von 24 Zählern liegen die Berliner noch bei einer Quote von über 50 Prozent.
Comeback-Qualität als trügerische Sicherheit
Ein Problembewusstsein ergibt sich aus den Rückständen beim Tabellendritten offenbar nicht. Obwohl Krupp erkannt hat, dass die Berliner erst mit den Toren der Nürnberger „mit der Entschlossenheit gespielt, und unser Spiel so gestaltet haben, wie wir das wollen“. Das ständige Hinterherrennen macht es den Eisbären allerdings schwer, physisch und mental reiben sie sich mit dieser Spielweise auf.
Sich auf Comeback-Qualitäten zu verlassen, ist eine trügerische Sicherheit. Für die Ambitionen wäre es hilfreicher, ein Spiel mal von Beginn an mit der nötigen Bereitschaft anzugehen. Nach den Wochen der Rückstände dürften die Berliner, die Freitag in Krefeld antreten, auch mal stolz sein, das erste Tor eines Spiels zu erzielen.


