Training bedeutet normalerweise Bewegung, viel Bewegung. Am Dienstag knieten die Spieler des EHC Eisbären allerdings häufig vor der Taktiktafel. Gefühlt fast genau so lange, wie sie dann anschließend die Erklärungen von Trainer Uwe Krupp versuchten umzusetzen. Weil die Zeit für Übungsstunden durch den engen Spielplan knapp werde, erzählte Krupp, wollte er möglichst viel Theorie in diese Praxiseinheit vor den beiden Auswärtspartien am Mittwoch in Schwenningen und am Freitag in Iserlohn einfließen lassen.

Unter den Zuhörern auf dem Eis befand sich auch Constantin Braun. Seit zwei Wochen arbeitet der 29-Jährige wieder mit der Mannschaft, als Teil seiner Rehabilitation und ohne zeitliche Vorgaben, wie Geschäftsführer Peter John Lee erläuterte. Etwas überraschend kündigte Krupp am Dienstag nun an, dass in den nächsten Tagen sogar Brauns Rückkehr in die Deutsche Eishockey Liga (DEL) bevorsteht.

Braun, der bereits vor vier Jahren wegen einer akuten Depression ausgefallen war, hatte einen Rückfall erlitten. Damals brauchte er vier Monate, um sich zu erholen. Nun wird er nach drei Monaten zurückerwartet. „Im Rahmen seiner Therapie“, heißt es dazu in einer Mitteilung der Eisbären, sollen die ersten Einsätze erfolgen. Als Testlauf gewissermaßen, der vor allem über die psychische Belastbarkeit des Spielers Auskunft geben soll.

Selbst mag sich der Verteidiger noch nicht zu seiner Rückkehr äußern. Kurz vor Saisonbeginn musste er aussteigen, sich in Therapie begeben. Dass etwas mit ihm passiert ist seither, darauf lässt sein Twitter-Profil schließen. Kurz nachdem er sich zurückgezogen hatte, begann er, häufiger Tweets des Dalai Lama, dem geistigen Führer des tibetischen Buddhismus, weiterzuleiten, in denen es um inneren Frieden geht und um Barmherzigkeit.

Letzteres scheint im Profisport kaum Platz zu haben, doch Mitglied einer funktionierenden Gemeinschaft zu sein, kann sich für das Wohlbefinden des Einzelnen positiv auswirken. Bei den Eisbären findet sich derzeit tatsächlich solch ein harmonisches Gebilde. „Die Mannschaft hat eine gute Chemie im Moment“, sagt der Trainer. Das lässt sie eine schwierige Phase mit einigen Verletzungsausfällen sehr gut überstehen. Nach der Partie am Mittwoch fahren die Talente Maximilian Adam und Charlie Jahnke zudem zu einem Lehrgang der U20-Nationalmannschaft und anschließend eventuell sogar zur WM. Mit der Rückkehr von Braun und auch Louis-Marc Aubry nach einem Fingerbruch und sechs Wochen Pause soll die Personaldecke der Eisbären, bei denen André Rankel, Frank Hördler und Thomas Oppenheimer noch länger fehlen, stabil bleiben. Und damit auch die Leistung des Teams.

Zuletzt fand der Trainer trotz vieler Siege einen wichtigen Kritikpunkt. „Wir haben zu viele Schüsse auf unser Tor zugelassen“, so Krupp. Dennoch kann er zur Hälfte der Hauptrunde zufrieden sein. „Bei uns gibt es nicht viel zu bemängeln“, sagt der Trainer. Selbst in den anfänglich problembelasteten Über- und Unterzahlformationen habe man sich in den jüngsten „zehn Spielen gut entwickelt“. Sowohl offensiv als auch defensiv gehören die Berliner zu den Besten der Liga und rangieren folglich auf Platz zwei.

Trotzdem hat Krupp die Mannschaft auf die nächsten beiden Auswärtspartien besonders intensiv vorbereitet. Schwenningen und Iserlohn sind überraschend gut in dieser Saison. Die Verstärkung durch Aubry und Braun kommt also gerade recht. Während Aubry schon in Schwenningen auf dem Eis stehen soll, wird mit Braun am Freitag gerechnet. Allerdings in ungewohnter Position: in der vierten Reihe als Außenstürmer neben Aubry. „Er wird uns da helfen, wo wir ihn brauchen“, sagt der Trainer dazu. Da Braun seine Karriere einst als Stürmer begonnen hat, dürfte diese Rolle kein Problem für ihn sein.