Eishockey

Die drei Ausrufezeichen der Eisbären

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Philip Häfner
Komm’ in unsere Arme: James Sheppard wird von Sean Backman und Nicholas Petersen (r.) zum Jubeln erwartet

Komm’ in unsere Arme: James Sheppard wird von Sean Backman und Nicholas Petersen (r.) zum Jubeln erwartet

Foto: Marco Leipold / City-Press GbR

Die Topreihe der Eisbären mit James Sheppard, Nicholas Petersen und Sean Backman sorgt für Furore in der Deutschen Eishockey Liga.

Berlin.  Sean Backman schaute nach oben, unter das Hallendach der Mercedes-Benz Arena. Dorthin, wo die Banner mit den Rückennummern hängen, die in Erinnerung an einige der besten Spieler in der Historie der Eisbären dort hinaufgezogen wurden. Eines von ihnen ehrt Steve Walker, der von 2000 bis 2011 für den EHC auflief, fünf Mal Meister wurde und in der Saison 2007/08 das Kunststück fertiggebracht hatte, in 13 Spielen in Serie 19 Scorerpunkte einzufahren. Bis Sonntag war er der einzige EHC-Profi, der das geschafft hat.

Backman stellte diese Bestmarke nun ein. Beim 6:3-Sieg gegen die Adler Mannheim gelangen dem Kanadier zwei Tore und eine Vorlage; er hat in dieser Spielzeit insgesamt schon 16 Mal getroffen und führt damit die Torschützenliste der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) an. Auf den Rekord von Steve Walker angesprochen, sagte er nach dem Spiel: „Die Jungs haben mir erzählt, dass er hier in Berlin ein besonderer Spieler gewesen ist. Es bedeutet mir sehr viel, mit ihm jetzt in einem Atemzug genannt zu werden.“

Ein Zeichen für die gelungene Personalpolitik der Berliner

Es sagt einiges über die momentane Offensivkraft der Eisbären aus, dass Sean Backman trotz seines rekordträchtigen Auftritts anschließend nicht zum besten Spieler der Partie gewählt wurde. Denn es gab ja noch Nicholas Petersen und James Sheppard, denen jeweils sogar vier Punkte gelangen. Sheppard traf selbst einmal und bereitete drei Tore vor; Petersen sammelte mit zwei Toren und zwei Assists die Punkte 199 bis 202 in seiner Karriere – in gerade einmal 233 DEL-Spielen.

Petersen, Sheppard und Backman: Diese drei bilden aktuell die beste Sturmreihe der Liga. Zusammen haben sie bereits 75 Scorerpunkte gesammelt. Die Münchener Keith Aucoin, Brooks Macek und Steven Pinizzotto haben zwar noch zwei Zähler mehr auf dem gemeinsamen Punktekonto, waren zuletzt allerdings nicht ganz so stark.

„Diese Drei holen uns in letzter Zeit oft die Kohlen aus dem Feuer“, hatte Eisbären-Trainer Uwe Krupp in dieser Woche gesagt. So war es auch im Duell mit den Adlern. Gegen Mannheim waren Backman, Sheppard und Petersen an fünf der sechs EHC-Treffer beteiligt, elf Punkte gingen auf das Konto dieses Angriffstrios. „Es war ein gutes Spiel für unsere Reihe“, meinte Petersen. Zeitweise ließen sie die Mannheimer wie Statisten aussehen, in der 12. Minute etwa, als er den Puck blindlings rückwärts durch die Beine auf Backman passte, der vor dem Tor keine Probleme hatte, einzunetzen. Da staunte selbst Eisbären-Stürmer Charlie Jahnke: „Diese Chemie zwischen den Dreien ist einfach brutal.“

Petersen sorgt für das Schöne

Genau solche Situationen wie bei der Vorlage auf Backman dürfte Uwe Krupp gemeint haben, als er kürzlich sagte, Petersen sei einfach ein besonderer Spieler. „Jeder weiß, wie talentiert er ist“, so der Coach über den Stürmer, der am Sonntag noch einen zweiten genialen Moment hatte. Beim 5:2 tanzte er erst zwei Verteidiger aus und knallte den Puck unhaltbar unter die Latte. Später sagte er: „Meine Aufgabe in unserer Reihe ist es also offenbar, für das schönste Tor des Spiels zu sorgen.“ Dabei hatte er ein breites Grinsen auf den Lippen.

Petersen spielt bereits seit 2016 in Berlin, dagegen waren Backman und Sheppard erst im Sommer zu den Eisbären gewechselt. Als hier eher unbekannte Profis, hinter deren Leistungsstärke Fragezeichen standen. Nun setzten die drei in nahezu jedem Spiel Ausrufezeichen. Sie stehen für die gelungene Personalpolitik des Klubs, der vor der Saison einen Großteil des Kaders ausgetauscht hatte. Sheppard galt dabei als Königstransfer, schließlich ist der 29-Jährige 431 Mal in der NHL aufgelaufen, der besten Eishockeyliga der Welt. Über ihn hatte EHC-Sportdirektor Stéphane Richer schon vor der Saison gesagt, er werde in Berlin mit seiner Spielweise schnell viele Fans finden.

Backmans rekordmäßige Serie

Zwar hat Sheppard weniger Punkte als seine Kollegen – 22 sind es bislang, gegenüber 29 bei Backman und 24 bei Petersen –, doch ohne seine Vorlagen hätten die wohl nicht so oft getroffen. Zudem ist Sheppard ein exzellenter Forechecker, der dem Gegner den Puck oft schon im eigenen Drittel wieder abnimmt. „Er hat viel Präsenz und macht Dinge, die nicht in der Statistik auftauchen“, hatte Trainer Krupp über ihn gesagt. „Er macht einen guten Job in der Mitte und lenkt Petersen und Backman sehr gut.“

Letzterer wurde nach dem erneut beeindruckenden Auftritt seiner Sturmreihe darauf angesprochen, dass diese Serie – in Schwenningen am Mittwoch sind die nächsten Punkte zu vergeben – wohl nicht ewig so weitergehen könne. Sean Backman überlegte kurz und schaute noch einmal hinauf zum Banner von Steve Walker. Dann sagte der US-Amerikaner lächelnd: „Warum eigentlich nicht?“