Berliner Champions

Warum die Eisbären einen neuen Sport ausprobieren

Der Eishockeyklub gründete eine Floorball-Abteilung, aber die Männer von BAT spielen schon in der Bundesliga – und träumen vom Pokalfinale in Berlin.

Floorball ist ein bisschen wie Eishockey, nur ohne Eis

Floorball ist ein bisschen wie Eishockey, nur ohne Eis

Foto: Floorball / BM

Es ist eine Sache, wenn man nicht für das Nationalteam spielen darf, weil man nicht gut genug ist. Wenn man allerdings zum Sichtungslehrgang fahren sollte, der eigene Verband es aber nicht schafft, einem das mitzuteilen – das ist einfach nur ärgerlich. So ist es Floorballspieler Fabio Witte im Vorjahr passiert. Nur durch Zufall entdeckte der Kapitän des Bundesligisten BAT Berlin auf Facebook die Nachricht des Verbandes: Ob er im April beim Lehrgang des Nationalteams dabei sein wolle. „Leider war es da bereits August“, sagt er. Die Nachricht war ihm vorher nicht angezeigt worden, und ein Kontakt auf anderem Weg blieb aus. „Schade, dabei hätte ein Anruf beim Verein genügt“, sagt Witte.

Mit einem Jahr Verspätung hat es dann doch noch mit der Karriere im Deutschlandtrikot geklappt. Als einer von drei Berlinern – die anderen beiden waren Tim Lemke und Lukas Brockmann – fuhr Witte im September zur Nationalmannschaft. Anfang November, wenn mehrere Testspiele in Dänemark anstehen, soll das offizielle Länderspieldebüt im A-Team folgen.

Fabio Witte (24) kam vor fünf Jahren nach Berlin. Ursprünglich stammt er aus einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein, mit 300 Einwohnern nur, aber dafür einem Floorballverein: dem TSV Tetenbüll, dort lernte Witte die Grundlagen des Spiels, das an Eishockey ohne Eis erinnert, mit Teams aus einem Torhüter und fünf Feldspielern; drei Dritteln á 20 Minuten und fliegenden Wechseln. Das Spielfeld ist von einer Bande umrahmt, hinter den Toren darf weitergespielt werden, und für übertriebene Härte gibt es Zwei-Minuten-Strafen. „Es ist eine schnelle, attraktive Sportart, mit ständigen Richtungswechseln und vielen Torszenen“, schwärmt Witte.

„Auch andere Eishockeyklubs werden diesen Sport für sich entdecken“

Zwei Millionen Menschen jagen weltweit dem weißen Lochball hinterher. Floorball – hierzulande auch unter dem Namen Unihockey bekannt – gilt inzwischen sogar als der schnellst wachsende Mannschaftssport der Welt. Auch die Eisbären Berlin haben Floorball entdeckt und in diesem Jahr eine Abteilung ins Leben gerufen. „Ich sehe das als Chance, noch mehr Menschen für unseren Sport zu begeistern“, sagt Witte: „Wenn Floorball weiter so wächst, werden bald auch andere Eishockeyklubs den Sport für sich entdecken.“

Als er als 19-Jähriger aus Tetenbüll zu BAT wechselte, bedeutete das für ihn einen Sprung von der Regional- in die Bundesliga. „Das Spiel war viel schneller und härter“, erinnert er sich. Im ersten halben Jahr kam er kaum zum Einsatz, mittlerweile ist er Spielmacher des ersten Blocks. „Er hat Technik, Übersicht, einen guten Schuss und die Lunge eines arabischen Vollblüters“, sagt Spielertrainer Jan Kratochvil.

Sein Verein tut sich in der laufenden Saison allerdings schwer: Nach vier Spieltagen stehen die Berliner punktlos am Tabellenende. Für Witte kein Grund zur Panik. Platz sechs, der für den Einzug in das Play-off reicht, „muss drin sein“, sagt der Mann aus Wedding.

Im Pokal müssen sich die Berliner übrigens keine Sorgen machen. Dort sind sie für das Final Four gesetzt, das vom 16. bis 18. März erstmals in der Sporthalle Charlottenburg ausgetragen wird. „Wir benötigen ein starkes Event, um uns in Berlin Gehör zu verschaffen“, sagt Kratochvil. In der Vorsaison verlor BAT im Pokalfinale knapp gegen den dominierenden deutschen Klub UHC Weißenfels. Ausgerechnet Witte unterlief in der Verlängerung das spielentscheidende Eigentor. Gegen eine Neuauflage hätte er nichts einzuwenden, dieses Mal allerdings mit anderem Ausgang. Dann am liebsten vor 2000 Zuschauern. Für Floorball wäre das ein neuer deutscher Rekord.

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